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Mit einem schön eingebundenen Hardcover kann ein Taschenbuch nur selten konkurrieren, und so ist es schon die Optik, die Frank Bartlings Romandebüt aus den anderen SF-Neuerscheinungen heraushebt. Der von Gerd Frey gestaltete Schutzumschlag harmoniert angenehm mit dem gelb-blauen Halbband, und sogar das Kapitalband ist nicht neutral, sondern auf die Grundfarben der Buchgestaltung abgestimmt. Solcherart eingestimmt, kann man sich aufgeschlossen der Lektüre des Romans widmen. Frank Bartling schildert im Gegensatz zu vielen anderen Autoren keine kaputte Welt, sondern setzt auf das Positive im Menschen. Die Erdbevölkerung hat sich von nationalen Egoismen und militärischen Denkstrukturen frei gemacht, die »Menschheits-Förderation« hat den Platz der UNO eingenommen, die Nationalstaaten leben aber als Regionen mit eigenen Regierungen fort. Vor diesem Hintergrund erlebt der Leser in zwei Zeitebenen, dem 21. und dem 25. Jahrhundert, den Lebensalltag ganz normaler Leute. In seinen Stories hat Frank Bartling bewiesen, daß er bildhaft und originell schreiben kann, die kurze Prosa liegt ihm. Auch Völker der Sonne beginnt flüssig und mit einer dichten Handlung, der Leser lernt die Protagonisten und deren Welt kennen, ihre Beweggründe verstehen. Leider wird der Stil dann zunehmend tagebuchhafter und trockener. Die zwischenmenschlichen Beziehungen der Protagonisten und religiöse Entwicklungen der Zukunft dominieren das Geschehen und hemmen den Lesefluß. Dabei entbehrt das Buch keineswegs grandioser Einfälle und Szenen. Die Eroberung des Sonnensystems durch Orbitalstationen ist überzeugend umgesetzt, die handelnden Personen bleiben keine Schablonen, sondern entwickeln Persönlichkeit. Die Einführung des metrischen Jahres (= 3,1689 Erdjahre) ist angesichts der kosmischen Expansion der Menschheit folgerichtig. Eingebaute Anachronismen lockern die Handlung auf, so hat sich im Berlin des 25. Jahrhunderts kaum etwas verändert; wenn eine Schneeflocke fällt, gibt es Schienenersatzverkehr mit Bussen! Wie Wortneuschöpfungen wirken konsequent eingesetzte Vokabeln aus dem Arabischen oder Spanischen. Hier hat Frank Bartling seine umfangreichen Sprachkenntnisse eingebracht, der Diplom-Politologe hat auf vielen Reisen die Welt kennengelernt und spricht ein gutes halbes Dutzend Sprachen. Dies kann dem Buch leider nur teilweise aus der Bredouille helfen, der Leser muß schon ein gewisses Maß an Langmut mitbringen, um über Passagen hinwegzulesen, die besser dem Lektor zum Opfer gefallen wären. Unbestreitbar aber steckt in Frank Bartling das Potential eines guten Schriftstellers. Auch arrivierte Autoren haben den Markt nicht gleich mit Bestsellern aufgerollt, bei Debüt-Romanen sollte man das Maß nicht zu hoch anlegen. Fred Siebert ALIEN CONTACT |