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| In Ray Bradburys neuester Story-Collection sind nicht weniger als 20
Kurzgeschichten, ein Prosagedicht und ein Vorwort versammelt (wenn auch nicht 22 Storys,
wie im Klappentext behauptet wird). Dabei handelt es sich um eine Art Werkschau aus
beinahe 60 Jahren, stammen doch die frühesten Texte aus dem Jahr 1946, während die
jüngsten im Zeitraum von 2003 bis 2004 entstanden sind. Bis auf zwei der Geschichten, die
bereits in Zeitschriften erschienen, hat der Leser es ausschließlich mit
Erstveröffentlichungen zu tun. Dies mag ein wenig verwundern, liegt doch die Frage nahe,
warum Meister Bradbury, der immerhin lange Jahre nicht gerade allzu üppig vom Schreiben
lebte, diese seine literarischen Kinder nicht eher an den Mann brachte. An mangelnder
Qualität der Texte kann es jedoch - gottlob! - nicht liegen, immerhin verfiel zumindest
der Verfasser dieser Rezension in genau jenes Lesefieber, das ihn schon früher bei der
Lektüre von Storysammlungen aus Bradburys Feder packte. Obwohl nicht alle Geschichten gleichermaßen erstklassig sind (manchmal überschreitet Bradbury bekanntlich ganz gerne die Grenze zur Schwülstigkeit), findet sich doch so manches Highlight, wie etwa die wirklich böse Story »Ein vorsichtiger Mann stirbt«. Darin versucht ein an Hämophilie leidender Schriftsteller verzweifelt, ein entlarvendes Buch über die Drogenszene zu Ende zu schreiben. Immer wieder wird er Opfer von geschickt eingefädelten Attacken auf seine mangelhafte Blutgerinnung, aber er gibt nicht klein bei. Doch irgendwann übersieht eben auch der Vorsichtigste etwas, wie der Titel der Story bereits andeutet... Möglicherweise noch böser ist »Die Verwandlung«, in der ein weißer Rassist von einem Tätowierer auf recht drastische Weise über die »wahre« Bedeutung der Hautfarbe eines Menschen belehrt wird. Schade, dass diese Art schwarzhumoriger Horrorstorys mit realistischem Hintergrund, wie sie gerade von US-amerikanischen Magazin-Autoren um die Mitte des 20. Jahrhunderts geschrieben wurden, heutzutage eher selten sind! Doch Bradbury kann bekanntlich auch anders, wie die Titelstory zeigt. Diese originelle Liebesgeschichte, in der ein merkwürdiges Kleidungsstück eine entscheidende Rolle spielt, hat mich aus irgendeinem Grund mehr angerührt als die meisten anderen Geschichten. Ebenfalls hervorragend ist »Eine Frage des Geschmacks«, in der menschliche Raumfahrer auf einem fremden Planeten auf hochentwickelte Spinnenwesen treffen. Obwohl (oder weil?) diese Spinnen den Menschen an Intelligenz und ethischer Reife weit überlegen sind, gestaltet sich der Kontakt überaus schwierig. Schließlich kann der Mensch nicht aus seiner Haut, und der Ekel und die tief verwurzelte Angst vor allem, was zu viele Beine hat, lässt wenig Hoffnung auf ein friedliches und gewinnbringendes Miteinander zwischen den beiden Rassen. Diese Storys, die ich mehr oder weniger willkürlich ausgewählt habe, seien hier nur stellvertretend für viele andere in Der Katzenpyjama genannt, die es sich unbedingt zu lesen lohnt. Als einziges Manko sei allerdings die irreführende Etikettierung des Buches genannt, welches in der Science-Fiction-Reihe der Phantasia Paperbacks herausgebracht wurde. Denn die meisten Erzählungen haben mit SF ungefähr soviel zu tun wie Thomas Manns Buddenbrooks mit Cyberpunk oder Hermann Hesses Glasperlenspiel mit Heroic Fantasy! Aber das sollte keinen Leser davon abschrecken, sich an Der Katzenpyjama zu freuen immerhin bedeuten auch die meisten nicht-phantastischen Geschichten Bradburys einen großen Lesegenuß. |
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