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Gerd Brantenberg

Die Töchter Egalias

Egalias døtre • 1977

Science Fiction > Alien Contact
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Im Land Egalia frauscht die Gleichberechtigung der Geschlechter. Keine käme auf die Idee, ihren Mann, der zu Hause auf die Kinder aufpaßt, respektlos zu behandeln. Oder den Begriff Wibschen, der für Frauen und Männer gleichermaßen gilt, durch eine Konstruktion wie »Menschen« zu ersetzen, weil dam so dem männlichen Anteil der Bevölkerung zuviel Gewicht beimessen würde. Immerhin arbeiten Männer sogar in verantwortlichen Positionen, zum Beispiel das Herrlein Uglemose. Daß er nur deshalb Lehrer wurde, weil seine Mutter die Direktorin der Schule war und er irgendwie keine Frau abgekriegt hat, ist nicht mehr als üble Nachrede.

Doch wenn der junge Petronius davon träumt, in der Weibschaft eines Fischkutters zu arbeiten und männliche Seefrau zu werden, geht das eindeutig zu weit. Schließlich wäre ein Taucheranzug, in dem er seinen PH unterbringen könnte, einfach zu unpraktisch. Und wenn er sich des Nachts ganz allein am Strand herumtreibt, geschieht es ihm ganz recht, wenn er von einer Horde übermütiger Frauen vergewaltigt wird.

Trotzdem läßt sich Petronius nicht von der Idee abbringen, für die Emanzipation des Mannes zu kämpfen. Die niedlichen Jungs gründen sogar eine politische Partei. Schade, daß ihre Phantasie nur für geschmacklose Aktionen wie öffentliche PH-Verbrennungen reicht. Und dann schreibt er auch noch ein völlig irrsinniges Buch über eine fiktive Gesellschaft, in der Männer das Sagen haben. Obwohl doch jeder weiß, daß so etwas einfach der natürlichen Ordnung der Geschlechter widerspricht!

Inzwischen ist ein Vierteljahrhundert vergangen, seit die norwegische Autorin Gerd Brantenberg (ja, trotz des männlich klingenden Namens ist es eine Autorin!) ihren Roman Die Töchter Egalias schrieb. In den siebziger Jahren wurde das Buch zum heimlichen Bestseller und Kultroman der Frauenbewegung. Das vielleicht Erstaunlichste an diesem Buch ist, daß es seitdem kaum an Aktualität verloren hat. Sicher, der Kampf um die Gleichberechtigung der Frauen hat große Fortschritte gebracht, aber gerade dieses Buch kann dem Leser (ja, insbesondere dem männlichen Leser!) eindringlich vor Augen führen, daß patriarchalische Denkstrukturen immer noch tief in unserer Gesellschaft verwurzelt sind.

Der Roman ist deshalb so beeindruckend, weil die Utopie funktioniert. Selbst die biologischen Begründungen für die Überlegenheit des weiblichen Geschlechts überzeugen - da sie genauso an den Haaren herbeigezogen sind wie das, was wir in der Schule lernen. Wenn die Frauen schon die Kinder zur Welt bringen, ist es einfach recht und billig, daß die Erziehung Aufgabe der Männer ist. (»Schließlich sind es immer noch die Männer, die die Kinder bekommen«, heißt es hintersinnig im ersten Satz des Romans.) Und wenn Männer körperlich kräftiger als Frauen sind, liegt es einfach in der Natur der Dinge, wenn Männer eben nur körperlich schwere Arbeiten verrichten und die Frauen sich um Politik und Verwaltung kümmern. Selbst die Neigung der Frauen, Männer beim Sex nur zu ihrem eigenen Vergnügen zu benutzen, wird überzeugend (und höchst anschaulich!) geschildert.

Leider zieht sich die Geschichte streckenweise etwas in die Länge, da die Autorin politisch korrekt bemüht ist, wirklich jede sexistische Ungerechtigkeit anzuprangern. Zudem konzentriert sich die Handlung auf eher alltägliche Dinge und ist nicht gerade spannend und actionreich geschrieben (oder ist das zu männlich gedacht?). Auf jeden Fall bleibt Die Töchter Egalias eine erfrischende Leseerfahrung, die unsere Sicht auf das Verhältnis der Geschlechter nachhaltig verändern kann.

Bernhard KempenALIEN CONTACT

 

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Originalausgabe
Gerd Brantenberg, Egalias døtre
(Oslo: Pax Forlag, 1977)
dt. Erstausgabe
Gerd Brantenberg, Die Töchter Egalias. Ein Roman über den Kampf der Geschlechter
(Berlin: Olle & Wolter, 1980) 3-88395-404-7
deutsch von Elke Radicke & Wilfried Sczepan
lieferbare dt. Ausgabe
Gerd Brantenberg, Die Töchter Egalias. Ein Roman über den Kampf der Geschlechter
(München: Frauenoffensive, 1987) ISBN 3-88104-163-X Bestellen
deutsch von Elke Radicke & Wilfried Sczepan, Titelbild von Erasmi & Stein, Paperback, 234 Seiten, DM 29,80
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