| Peggy Sue und der blaue Hund, das weckt Assoziationen zu Die
drei ??? und XY oder natürlich Harry Potter und YX. Ein Kinderbuch also,
mit mindestens einem Drachen, wenn man dem Cover glauben schenken darf. Man darf nicht,
und auch Harry Potter sitzt nicht in der Klasse der 14jährigen Peggy Sue. Sie ist neu
im Städtchen Point Bluff und der einzige Mensch, der die Unsichtbaren wahrnehmen kann.
Die Unsichtbaren sind Außerirdische, die an eine Mischung aus klassischen Gespenstern und
einem Klecks Schlagsahne erinnern. Nur sind sie nicht im Geringsten so süß wie
Schlagsahne, im Gegenteil, der Schabernack, den sie mitleidlos mit den Menschen treiben,
endet nicht selten tödlich, aus purer boshafter Freude lassen sie Autos von der Fahrbahn
abkommen und dergleichen. Und mit der größten Freude würden sie auch Peggy Sue um die
Ecke bringen, doch ein mächtiger Zauber schützt das Mädchen vor direkten Angriffen der
Unsichtbaren auf ihr Leben.
Plötzlich erscheint über Point Bluff eine blaue Sonne, und Peggy Sue vermutet ein
Werk der Unsichtbaren. Doch im ersten Moment scheint die Sonne ein angenehmes Geschenk;
wer sich in ihren Strahlen aufhält, dessen Intelligenz steigt drastisch an. Zumindest bis
zum Abend, denn mit der Nacht verschwinden auch alle genialen Gedanken, und die
zahlreichen neuen Erfindungen der Stadtbewohner sind am folgenden Tag für die Tüftler
völlig unverständlich geworden. Doch während die Menschen mit diesen
Intelligenzschwankungen leben müssen, wachsen die geistigen Fähigkeiten der Tiere
permanent an. Und schon bald verbrüdern sich Hunde, Kühe, Füchse, Hühner unter der
Führung des blauen Hundes, um in Point Bluff die Herrschaft zu übernehmen. Sie wollen in
Häusern leben, Maßanzüge tragen und andere menschliche Verhaltensweisen übernehmen.
Peggy Sue und der blaue Hund ist ein wunderbares modernes Märchen,
phantasievoll, mit sozialkritischen und bösen Momenten, ideenreich und voll leicht
überzogener Figuren, humorvoll und hintergründig, und wenn Brussolo mit seiner
ausufernden Phantasie manchmal über die Stränge schlägt und ein wenig die Logik
strapaziert (aber wirklich nur ein wenig), dann spielt das nicht die geringste Rolle, denn
der Roman macht einfach haufenweise Spaß.
Boris
Koch |
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