ALIEN CONTACT
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Steven Brust

Phoenix

Phoenix • 1990

Science Fiction > Alien Contact
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Seit Jahren erscheinen im Schatten J. R. R. Tolkiens Der Herrn der Ringe bei Klett-Cotta sehr empfehlenswerte literarische Fantasy-Romane deutscher, englischer und amerikanischer Autoren. Dabei reicht das Spektrum von Newcomern wie Ricardo Pinto über moderne Kultbücher - Peter S. Beagles Tierromane - bis zu klassischen Autoren wie Lord Dunsany oder Mervyn Peake.

Dazwischen drängt sich jetzt mit Steven Brust ein nicht mehr ganz junger, aber ungemein frecher Autor. Er wurde 1955 in Minneapolis geboren, arbeitete als Programmierer, Drummer und Schauspieler. Dazu sieht man ihn auf Fotos nie ohne seinen großen schwarzen Schlapphut und wenn irgendwie möglich einem Papagei. Neben dem Kampfsport liebt er die ungarische Küche seiner Vorfahren. Den scharfen ungarischen Gerichten ähneln die inzwischen neun Vlad-Taltos-Romane, die er seit 1984 geschrieben hat.

Im Mittelpunkt steht der Auftragskiller Vlad Taltos, der als Mensch und damit als Mitglied einer minderen Rasse in einer von Göttern, Drachen und anderen Fabelwesen bewohnten Welt um seine Existenz kämpfen muss. Die ersten Romane beschreiben, wie er seinen treuen Weggefährten, den drachenähnlichen Jhereg Loiosh kennen lernte und schildern seinen Aufstieg in einer mafiaähnlichen Gesellschaft bis zum skrupellosen Geschäftsmann und Besitzer einer Reihe zweifelhafter Etablissements. Immer wieder wird die Harmonie durch seine Aufträge als Berufskiller gestört, die mittelschwere Katastrophen in den verschiedenen Königreichen auslösen. Dabei ist Vlad nur indirekt an den Ereignissen beteiligt. Vielmehr ist er immer wieder eine Schachfigur im Ränkespiele der Götter. In den zum Teil aufeinander aufbauenden Romanen konstruiert Steven Brust immer unglaubwürdigere Komplotte und verzichtet absichtlich auf eine stringente Handlung. Ohne neue Komponente droht sich das Konzept schnell abzunutzen. Außerdem fehlt dem Autoren der disziplinierte Ansatz, die komplizierte Handlung logisch nachvollziehbar zu beenden.

Mit Phoenix liegt inzwischen der fünfte Roman auf Deutsch vor.

Vlad steckt wieder einmal in Schwierigkeiten. Aus unerfindlichen Gründen möchte eine Gruppe bösartiger Kreaturen sich seiner Haut bemächtigen. Bevor er sich mit den hinterhältigen Angreifern auseinander setzt, sendet er ein Stoßgebet an die Dämonengöttin Verra, wie er es bislang immer in ausweglosen Situationen erfolglos getan hat. Doch dieses Mal wird sein Gebet erhöht und er findet sich in deren Halle wieder. Sie hat einen Auftrag für ihn: Er soll den König eines fernen Inselreichs ermorden. Dieses befindet sich in einem magischen Niemandsland. Den Auftrag auszuführen, ist nicht sonderlich schwierig, die Folgen dafür umso schwerwiegender. Es droht Krieg und verschiedene Mächte möchten das von Vlad geschaffene Vakuum füllen. Seine Frau beschwört in der Zwischenzeit einen Aufstand des Proletariats gegen die herrschenden Könige und Götter herauf. Kurzerhand wird sie festgenommen, und ihr droht die Hinrichtung. Aber sie möchte auf keinen Fall von Vlad gerettet werden. Das ist jedoch das einzige, was Vlad gerne möchte.

Steven Brust befand sich zu Beginn der neunziger Jahre in einem für ihn ungewohnten intellektuellem Dilemma. Bislang hatte er die einzelnen Vlad Abenteuer spontan und ohne Exposé begonnen und dann einfach weitergesponnen. Dabei nahm er wenig Rücksicht auf die elementaren Bestandteile eines Buches, wie innere Logik oder Charakterisierung. Die unterhaltsamen Romane lebten von den sarkastischen Sprüchen, die seine Figuren als letzte Frucht vom Baum der Erkenntnis pflückten, und der raffinierten Kombination von Loiosh als süßer, vorlauter und telepathisch begabter Drache und Vlad als dumpfer Auftragskiller. Schon Alan Dean Foster konnte mit einem ähnlichen Duo viele Romane füllen. Bei Steven Brust aber gingen schon nach vier Abenteuern die Verkaufszahlen deutlich zurück und für den Autor bestand die Gefahr, seinen Goldesel zu verlieren.

Darum vollzieht er in diesem fünften Abenteuer nicht nur eine Kehrtwende, er legt eine direkte Fortsetzung des Romans Theckla vor, eines der gehaltvollsten Abenteuer. Dabei durchbricht er die chronologische Reihenfolge, in der er bislang die Romane geschrieben hat. Im Gegensatz zu manchem anderen Vlad-Abenteuer hält Brust hier die Zügel des komplexen Plots bis zum Ende fest in der Hand - nicht immer ganz sicher, aber zumindest fest. In der Mitte des Romans führt der Autor eine wichtige Figur ein, die so auffällig Schlüsselcharakter besitzt, dass er den Plot in diesen Sequenzen zum Stillstand bringt. Dass sich der Autor mit einem Plausibilitätstrick am Ende retten muss, steht auf einem anderen Blatt. Zwischen diesen Unstimmigkeiten finden sich sehr gut beschriebene Charakterisierungen: Vlad ist nicht nur der Auftragsmörder, sondern ein in einer geschäftlichen und persönlichen Krise steckender Unternehmer. Seine Frau hat sich von ihm getrennt und aus seiner Sicht gibt es keine Möglichkeit, die abgerissenen Brücken wieder aufzubauen. Seine Geschäfte laufen gut, die Expansionspläne liegen auf Eis, da im Süden Aufruhr herrscht. Und dieser wird von seiner Frau entfacht.

Auch ändert Brust sein literarisches Verhältnis zu den Göttern. Er beschreibt sie in einem kritischen Licht und verurteilt ihre Taten. Einige der entsprechenden Dialoge gehören zu den Besten, die seit Jahren in Fantasy-Romanen erschienen sind. Dabei lassen sich die hier aufgeworfenen Thesen in die Realität und auf unterschiedliche Religionen übertragen. In den ersten Vlad-Romanen konnten die Göttlichkeiten ungehindert ihre oft grausamen Spiele treiben.

Brust findet auch den Mut, seine Hauptfigur zu entwurzeln und ihm die Chance zu geben, die - auch literarisch - ausgetretenen Pfade zu verlassen. Diese grundsätzliche Veränderung, die Brust in Phoenix beginnt und in den nächsten Abenteuern kontinuierlich fortsetzt, unterscheidet die Vlad-Abenteuer von inzwischen lieblos und schemenhaft geschriebenen Endlosserien wie »Xanth« von Piers Anthony oder den »Dämon«-Abenteuer von Robert Asprin.

• Thomas Harbach • ALIEN CONTACT

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Originalausgabe
Steven Brust, Phoenix (1990)
Dt. Erstausgabe
Steven Brust, Phoenix
(Stuttgart: Klett Cotta, 2004) Bestellen
Dt. von Oliver Schenk, Umschlaggestaltung von Dietrich Ebert, Paperback, 298 Seiten
Leser-Service
Lieferbare Titel von Steven Brust
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