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| In der Bibliothek des Schreckens, vormals bei Blitz, jetzt im
Festa-Verlag, erscheinen Werke, die in unterschiedlicher Weise dem großen Ahnen der Weird
Fiction, H. P. Lovecraft, huldigen. Copper gehört zu den Epigonen des Meisters. Der Roman entführt den Leser auf eine Expeditionsreise einer Schar schrulliger Forscher, die einem unheimlichen und gefährlichen Geheimnis auf der Spur sind. Leiter der Expedition ist Clark Ashton Scarsdale (der Kenner des Genres erkennt auch hier die Hommage an einen anderen Vorreiter dieser Form der Phantastik). Berichterstatter ist das eigentlich unbedeutenste Mitglied der Expedition, der Fotograf, dafür aber auch der Einzige, der diese - als Mensch - überlebt. Stil und Diktion lehnt Copper an seine Vorbilder Lovecraft und Derleth an, wobei Wortwahl und Erzählweise eher auf Letzteren verweisen. Darüber hinaus erinnert die Geschichte aber auch an einen Science-Fiction-Roman, in dem verrückte Wissenschaftler einer fixen Idee nachjagen und in der sie akribisch den Verlauf ihrer Reise beschreiben. Wo geht die Reise nun hin? Irgendwo in Tibet, hinein in das Gebirgsmassiv, in unterirdische Tunnelsysteme, deren Beschaffenheit sehr bald darauf hinweist, dass sie zwar uralt sind, aber künstlich angelegt wurden. In den ersten drei Vierteln zieht der Roman seine Spannung aus den Erlebnissen bei der Reisevorbereitung, dann aus dem Auffinden geheimnisvoller Artefakte und Inschriften, und lediglich ein zwergenhafter Eingeborener, der als Führer fungiert, wird zur tatsächlichen Gefahr. Im letzten Viertel gewinnt die Geschichte an Tempo und Farbe, man hat eine uralte Stadt entdeckt, in der zwar scheinbar niemand mehr wohnt, aber Schatten an Wänden entlanghuschen; danach dringt man weiter vor und entdeckt das Tor, durch das die uralten Wesen, die auch durch Lovecrafts und Derleths Stories geistern, auf unsere Welt gelangten und wohl immer noch gelangen. Die Auseinandersetzung mit ihnen, geführt mit »handfesten« Mitteln, die Lovecraft nicht gerade bevorzugte, nämlich mit Maschinengewehr und Handgranaten, führt zwar zu keinerlei Aufklärung über diese Kreaturen, dafür aber zum Tod der meisten Expeditionsteilnehmer. Und am Schluss gibt es noch einen Knalleffekt, der sich dem aufmerksamen Leser bereits auf den ersten Seiten ankündigt, dann aber doch überrascht ... Der wissenschaftliche und eher vernesche Erklärungsdrang der vorherigen Seiten könnte den Leser hoffen lassen, mehr über diese Wesen zu erfahren, deren Geheimnis ja auch bei Lovecraft meist ungeklärt bleibt. Doch gereichen die Kreaturen in vorliegendem Werk als horrible Staffage, um dieser Reise monströsen Pepp zu verleihen. Allerdings ist der Autor durchaus in der Lage, den Leser zum Vorwärtspeitschen durch die Seiten zu animieren, gejagt von dem Drang, nun endlich erfahren zu wollen, wie die Protagonisten diesen Widrigkeiten entgehen können. Copper selbst ist ein Vielschreiber (wohl über 80 Bücher - Krimis, Horror, Sachbücher, Comic-Texte), was man diesem Roman auch anmerkt; gerade bei der Reisebeschreibung könnte man sich eine Straffung der Schilderungen wünschen, hier ist man geneigt, den Text zu überfliegen. Doch sollte man aufpassen, nicht den Einstieg in die wirklich interessante und grauenerregende Eishölle zu verpassen! Insgesamt ein toller, aber leicht verdaulicher Reißer, der gemütliche Lesestunden verspricht. Thomas Hofmann |
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