![]() |
| ALIEN CONTACT 43 |
| Science Fiction >
Alien Contact Buch-Tips |
|
| August Derleth war wohl der größte Fan des Weird-Fiction-Autors H. P.
Lovecraft. Ihm ist es weitestgehend zu verdanken, daß Lovecrafts Erbe nicht verlorenging
und sein Werk eine relativ große Popularität erlangte. Derleth wird auch zugeschrieben,
den »Cthulhu«-Mythos geschaffen zu haben; Lovecraft selbst erfand zwar deren unheimliche
Kreaturen, aber erst Derleth gab ihnen einen pseudo-mythologischen Rahmen und zwängte sie
in ein konzeptionelles Korsett. Die vorliegenden Geschichten, die in diesem Band
zusammengefaßt wurden, dürften dazu nicht unwesentlich beigetragen haben. Interessant in diesem Zusammenhang ist auch, daß der Autor in den beiden letzten Geschichten versucht, den Cthulhu-Mythos theosophisch zu manifestieren, indem Parallelen zur christlichen, am Ende gar zu jeder Weltreligion gezogen werden. Den erkenntnistheoretischen Aspekt der Lovecraftschen Geschichten-Welt, wonach es dem menschlichen Verstand unmöglich ist, kosmische Ereignisse überhaupt begreifen zu können, bzw. es nicht geraten ist, diesen nachzuspüren, greift Derleth auch auf, ebenfalls sehr direkt. Die Geschichten selbst entstanden in einem Zeitraum von 17 Jahren, was man ihnen auch deutlich anmerkt, denn der Autor hat in dieser Zeit dazugelernt und seinen Erzählstil verbessert, zur Freude des Lesers. Denn, um es gleich vorwegzunehmen, Derleth war kein großer Autor. Wenn man Lovecraft mitunter literarisches Unvermögen vorwirft, so wäre dies erst recht bei Derleth angebracht. Tatsächlich bewegt sich der Stil auf trivialem Niveau, steigert sich aber zum Ende hin und vermag den Leser durchaus köstlich zu unterhalten, wenn man sich darauf einläßt. Im wesentlichen wird sechsmal dasselbe erzählt: Der Protagonist tritt ein Erbe an, das in einem alten Spukhaus besteht, in dem sich eine geheimnisvolle Bibliothek verbotener Literatur befindet. Die Anwohner sind sehr mißtrauisch oder gar feindlich gesinnt. Das Haus stellt sich als Tor für kosmische Kreaturen heraus, die auf dem Grund des Ozeans oder in den Weiten des Alls darauf warten, die Erde wieder in ihren Besitz zu nehmen. Ihre Rückkehr kündigen sie über Alpträume von fernen Welten an. Verantwortlich für dieses unheilige Treiben ist der jeweils gerade Verstorbene; sein Erbe verfällt aber ebenfalls diesem Tun und wird darüber wahnsinnig. Das alles ist ziemlich unheimlich und kryptisch - zumindest versucht Derleth, diesen Eindruck zu vermitteln. Doch wo Lovecraft durch den sicher überzogenen Einsatz von Adjektiven eine vage bis überwältigende Atmosphäre des Unheimlichen und Bedrohlichen erschaffen konnte, indem er eben vieles im Unklaren ließ, nur andeutete, schlägt Derleth mit dem Holzhammer zu. Vielleicht gewöhnt man sich als Leser daran, oder Derleth wurde mit den Jahren doch besser, jedenfalls steigert er sich in seinen Geschichten. Die erste, noch von Lovecraft direkt inspiriert und mit ihm ausgearbeitet, erscheint sehr stereotyp und geht kaum über den oben angedeuteten generellen Plot aller Stories hinaus. In der zweiten Erzählung bemüht der Autor eine Vogelart - die Ziegenmelker -, die die Gegenwart von Cthulhu & Co. durch ihren allnächtlichen Lärm dokumentieren. An dieser Stelle soll die Übersetzerarbeit von Michael Siefener lobend hervorgehoben werden, der den provinziellen Slang der einfachen Landbevölkerung toll übertragen hat. Doch erst ab der dritten Geschichte wird es richtig interessant. Darin verfällt ein Kunstkritiker einer alten Holzstatuette, die in ihrer Ausführung übrigens an die eines gewissen C. A. Smith erinnert ... Diese Statuette fungiert ebenfalls als Tor zu einer anderen Dimension (diesmal also nicht ein Haus). Ansonsten bleiben die Schauplätze und Plots austauschbar; aber von Story zu Story ändert sich das Verhältnis der Protagonisten (und des Autors?) zu den beschriebenen Ereignissen, also auch zu dem Umstand, daß diese uralten Wesen auf die Erde zurückkehren wollen; am Ende, in der letzten Geschichte, ist der Ich-Erzähler völlig dem Einfluß Cthulhus ergeben, was ihm faszinierende Welten eröffnet. Als Freund unheimlicher Phantastik muß man diesen Klassiker einfach kennen! Dem Festa-Verlag ist zu danken, daß er nun in deutscher Sprache verfügbar ist. Thomas Hofmann ALIEN CONTACT |
![]() |
| ALIEN CONTACT 43 |