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Dougal Dixon und John Adams

Die Zukunft ist wild

The Future is Wild • 2002

Science Fiction > Alien Contact
Buch-Tips
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Die Literatur über ausgestorbene Tierarten vergangener Epochen füllt inzwischen ganze Bibliotheken. Ein bislang nur selten bearbeitetes Forschungsgebiet ist das Leben der Zukunft, das höchstens von visionären Science-Fiction-Autoren wie H. G. Wells (in Die Zeitmaschine) gestreift wurde. Diese Lücke versuchte der britische Paläontologe Dougal Dixon bereits mit dem faszinierenden Buch Die Welt nach uns - Eine Zoologie der Zukunft (After Man • 1981) zu schließen, in dem er zeigte, wie sich das Leben auf der Erde in den nächsten 50 Millionen Jahren weiterentwickeln könnte.

Als der Fernsehproduzent John Adams 1996 eine Serie über Tiere der Zukunft plante, nahm er sehr schnell Kontakt mit Dixon auf. Daraus entstand in Zusammenarbeit mit dem ZDF eine dreiteilige Fernsehdokumentation und der Begleitband Die Zukunft ist wild, die drei weitere Zukunftsepochen behandeln.

Nach einer kurzen Einführung in die Geschichte des Lebens geht es direkt in die nächste Eiszeit, die in fünf Millionen Jahren ihren Höhepunkt erreicht hat. Der Homo sapiens ist längst ausgestorben, dafür durchstreifen Wollratten und räuberische Schneeschleicher die europäischen Tundren. Im Amazonasbecken leben die von Neuweltaffen abstammenden, recht intelligenten Purpurgesichter und der Renngreif, ein Laufraubvogel mit auffälligem Kopfschmuck.

In 100 Millionen Jahren ist der Meeresspiegel angestiegen, und im Treibhausklima paddeln die Riffgleiter, die sich aus Schnecken entwickelt haben, durch das Meer. Sie werden vom Phantom der Meere gejagt, einer Raubqualle, die sich mit Söldnerseespinnen zu einer Symbiose zusammengeschlossen haben. Zur gleichen Zeit stapfen die gigantischen Dinoschildkröten durch die bengalischen Sümpfe, mit einem Lebendgewicht von 120 Tonnen die größten Landtiere aller Epochen. Und auf dem großen asiatischen Hochplateau, das durch den Zusammenstoß mit dem australischen Kontinent aufgefaltet wurde, leben die Silberspinnen in großen Gemeinschaften - und in einer eigentümlichen Symbiose mit dem Bergschweinchen, einer der letzten Säugetierarten.

In 200 Millionen Jahren hat sich ein neuer Superkontinent, Pangaea II, gebildet. Nach einem Massensterben werden die zentralen Wüsten von Riesentermiten und Würmern, die Algenzellen zur Photosynthese nutzen, bevölkert. Die Meere wurden von hochentwickelten Krebsabkömmlingen erobert, während die Fische das Wasser verlassen und seit dem Aussterben der Vögel als »Flische« das Fliegen perfektioniert haben. Das größte Landtier ist nun der Kolosskalmar, ein elefantengroßer Tintenfisch, der auf acht Beinen durch den nördlichen Regenwald marschiert. Ein kleinerer Verwandter, der Kletterkalmar, scheint dagegen auf dem besten Weg zu sein, sich zu einer hochintelligenten Spezies zu entwickeln ...

Diese und viele andere Tiere der Zukunft werden in realistischen, computergenerierten Abbildungen und populärwissenschaftlichen Texten vorgestellt. Die Phantasie, die Dougal Dixon und sein hochkarätiger Beraterstab an den Tag legen, ist beeindruckend. Viele Science-Fiction-Autoren, die ihre vermeintlich fremden Welten mit spitzohrigen oder glupschäugigen Aliens bevölkern, könnten sich eine Scheibe davon abschneiden. Trotz der verblüffenden Ideen ist das Werk jedoch keine »Fantasy«, sondern »Science Fiction« im ursprünglichen Wortsinn: eine Spekulation auf der Grundlage naturwissenschaftlicher Erkenntnisse. Nebenbei erfährt der Leser eine ganze Menge über die allgemeingültigen Mechanismen der Evolution. Ein großformatiger, wunderschön gemachter, unterhaltsamer und zugleich lehrreicher Band zum Schauen und Lesen. Ein Blick in die ferne Zukunft, der uns bewusst macht, dass das Leben auf der Erde auch ohne den Menschen weitergehen wird.

Neben der vgs-Ausgabe erschien im Arena Verlag unter dem Titel Wilde Welt der Zukunft eine »kindertaugliche« Version von John Adams und Claire Pye. Der Fernsehdreiteiler mit den Folgen »Eiszeit«, »Treibhaus« und »Neuland« wurde in Deutschland erstmals vom 4. bis 18. Dezember 2002 jeweils mittwochs um 19.00 Uhr auf Arte ausgestrahlt und im März 2003 auf DVD veröffentlicht. Ab dem 8. April wird die Reihe um 20.15 Uhr im ZDF wiederholt.

Bernhard KempenALIEN CONTACT

Originalausgabe
Dougal Dixon und John Adams, The Future is Wild
(Firefly Books Ltd, 2002) HC Bestellen
dt. Ausgabe
Dougal Dixon und John Adams, Die Zukunft ist wild. Unsere Welt in Jahrmillionen
(Köln: vgs, 2002) ISBN 3-8025-1482-3 Bestellen
dt. von Ruth Omphalius, 160 Seiten, HC
Leser-Service:
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