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| Diese Anthologie vereint eine
Reihe illustrer Namen, die die Spannbreite von über 100 Jahren deutschsprachiger
Phantastik repräsentieren. Die Herausgeber haben hierbei nicht nur literarisch
hochwertige Texte ausgewählt, sondern auch Triviales und simpel Erzähltes, denn auch
diese Art der Literatur gehört zur deutschen Phantastik. Bemerkenswert sind die
Einleitungen zu den 22 Erzählungen, in denen Leben und Werk der Autoren in kurzer, aber
prägnanter Form vorgestellt werden. Bei einigen wie Franz Kafka, Michael Ende oder
Gisbert Haefs wäre das vielleicht nicht nötig gewesen, andere wie Oskar Panizza,
Heinrich Schirmbeck oder Peter Daniel Wolfkind sind geradzu Wiederentdeckungen. Auch das
thematische Spektrum der Geschichten ist breit: In Hanns Heinz Ewers »Die Wasserleiche«
geht es um einen verkannten Dichter, der immer nur ein albernes Gedicht rezitieren soll,
in Doris Grünnings »Der Leichenschmaus« um ein Dorf mit befremdlichen
Beerdigungsritualen oder in Jörg
Kastners »Sherlock Holmes und der Mitternachtsvampir« um Herbert George Wells
und die seltsamen Quellen, aus denen er die Ideen zu seinen Romanen schöpft. Kai Meyers Novelle »Das Haus des Kuckucks«, die ursprünglich als Heftroman erschien, ist erst kürzlich in der Edition Metzengerstein veröffentlicht worden. Höhepunkte sind die letzten beiden Geschichten des Buches: In Joachim Körbers »Der Untergang des Abendlandes« bemüht sich ein Vater, seiner Familie trotz widriger sozialer Umstände das Überleben zu ermöglichen, und ist dabei zu seltsamen Methoden gezwungen. Und in Malte S. Sembtens »Das Wiegenlied« forscht ein Student schließlich nach der Ursache für die schrecklichen Alpträume, die einen ganzen Stadtteil heimsuchen. Wer nicht die Glanzlichter deutscher Phantastik erwartet, sondern charakteristische Erzählungen älterer und neuer deutschsprachiger Autoren lesen möchte, dem sei dieses Buch empfohlen. |
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