| Der Herausgeber hat in diesem
Band neun Erzählungen prominenter angloamerikanischer Autoren gesammelt. Doch der Eilzug
in die Finsternis der Psyche vermag nur stellenweise zu überzeugen, und der Untertitel
»Moderne Horrorgeschichten« stimmt nur teilweise, denn einige Storys sind nicht modern,
andere eben kein Horror. Kim Newman hat gleich im ersten Text eine sehr originelle Idee.
Terry Lamsleys etwas betuliche Schreibe muß man mögen, um ihr die guten Seiten
abzugewinnen. Richard Laymon, der für gewöhnlich sehr saftig erzählt, läßt eine Dame
im Pelzmantel von Tierschützern verfolgen. Pagan Kennedy läßt desorientierte
Rockmusiker durch die Gegend reisen und Graceland besuchen; falls sie sich vorgenommen
hatte, eine Horrorstory zu schreiben, hat sie leider ihr Ziel verfehlt. S. P. Somtow
liefert das Highlight des Bandes mit einer Serienmörder-Geschichte, die überrascht und
schaudern läßt: Vater und Sohn ziehen durch Amerika, um zu fischen, doch nicht im
Wasser, sondern auf der Straße, nämlich all die sündigen Frauen, die nicht wissen, daß
sie allein durch ihr Geschlecht gotteslästerlich sind. Somtow, der schon immer sehr
eigenwillige Ideen hatte, liefert mit diesem Text ein Bravourstück. Die restlichen
Geschichten von Nicholas Royle, Steve Rasnic Tem, Michael Marshall Smith und Brian
McNaughton sind unterhaltsam zu lesen, werden aber nicht auf längere Zeit im Gedächtnis
haften bleiben. Insgesamt bietet die Anthologie einen Querschnitt durch diverse
Stilformen der modernen Phantastik und wendet sich eher an den literarischen Genießer als
den blutdürstigen Horrorfan. Die Zeiten der Vampire, Werwölfe und Zombies sind scheinbar
in der amerikanischen Horrorliteratur vorbei. Ob dies Grund zum Jubeln oder Bedauern ist,
muß jeder Leser selbst entscheiden.
Hardy
Kettlitz ALIEN CONTACT
|
 |