ALIEN CONTACT
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Neil Gaiman

Coraline

Coraline • 2002

Science Fiction > Alien Contact
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Hinter einer alten vermauerten Tür führt ein verborgener Weg in die Albtraumwelt. Das Mädchen Coraline Jones entdeckt diesen Weg, und aus dem Haus ihrer Eltern tritt sie in die bizarre Parallelwelt ihres Zuhauses: dieselben Zimmer, dieselben Personen - und doch ist es eine bösartig verdrehte Parodie derRealität. In dieser anderen Wirklichkeit wird sie schon erwartet. Dort trifft Coraline ihre »andere Mutter«, ein böses Wesen mit glänzenden Knöpfen anstelle der Augen; ein Wesen, das sie freundlich umgarnt und hungrig auf Coralines Seele blickt. Die »andere Mutter« möchte Coralines Liebe und Zuneigung und Coraline als Requisite in einer düsteren Imitation von Familie. Nur die neuen Knopfaugen, die will sie dem Mädchen vorher noch annähen.

Die Novelle Coraline von Neil Gaiman erzählt vom verzweifelten Kampf der kleinen Coraline Jones gegen diese »andere Mutter« und ihre Geschöpfe. Es ist eine Reise an einen Ort voller skurriler Schrecken; an einen Ort, an dem Coraline schließlich ihr Leben einsetzt, um sich und ihre wirklichen Eltern zu retten, die sich bald ebenfalls in der Gewalt der »anderen Mutter« befinden.

Neil Gaiman ist ein Grenzgänger, schlendert wie beiläufig über mediale Grenzen hinweg und schreibt Romane, Kurzgeschichten, preisgekrönte Comics, Songtexte, Drehbücher und - wie im Fall von Coraline - Kinderbücher. Und wie bei jedem guten Kinderbuch umschreibt diese Bezeichnung mehr eine Erzählperspektive als eine Altersbeschränkung, denn die Faszination dieser Novelle verliert auch jenseits der Pubertät nichts von ihrer Kraft.

Gaiman schrieb die Geschichte für seine Tochter Holly und bezeichnet Coraline als seine bei weitem persönlichste Erzählung. Kindheitserinnerungen, die Räume im Haus seiner Eltern, einige der damaligen Nachbarn, all das verarbeitet er in einer kleinen Parabel über die Machtlosigkeit der Kindheit - eine Machtlosigkeit, die Coraline im Laufe der Handlung mehr und mehr überwindet. Gaiman stellt der Novelle ein Zitat von G. K. Chesterton über die Natur von Märchen voran: »Märchen sind mehr als wahr: nicht weil sie uns erzählen, dass es Drachen wirklich gibt, sondern weil sie uns deutlich machen, dass sie besiegt werden können.« Coraline ist ein schönes Märchen vom Sieg über die Angst, über den Spuk im Dunkeln, hinter verschlossenen Türen und über das Fremde in Mutters Augen.

Die berühmte Geschichte von Alice in Wonderland geistert durch diese Novelle wie ein Vorbild, das im Laufe der Handlung verblasst und doch immer präsent bleibt. Diese Nähe ist kein Zufall. Alice ist ein Buch, das Gaiman als kleines Kind auswendig, konnte und er betont, dass der Einfluss von Alice auf Coraline immens ist. Doch in Gaimans Geschichte hat sich Alice aus ihrer viktorianischen Passivität befreit, mit der sie so seltsam handlungsarm von einer Szene in die nächste gleitet, wie ein neugieriger Beobachter. Gaiman entlässt Alice in der Gestalt von Coraline als selbstbewusst handelndes und zielstrebiges Mädchen in eine Moderne aus Fast Food und Special Effects - in eine Spukwelt, in der David Cronenberg und Clive Barker längst die alten Bühnenarbeiter entlassen haben; eine Welt der Kinderängste, in der es schleimt und in der pulsierende Kokons und alienhafte Flughunde in den verlassenen Kulissen warten.

• Michael Schneiberg

Originalausgabe
Neil Gaiman, Coraline
(New York: HarperCollins, 2002)
illustrated by Dave McKean
lieferbare engl. Ausgabe
Neil Gaiman, Coraline
(New York: HarperCollins, 2003) Bestellen
illustrated by Dave McKean
dt. Erstausgabe
Neil Gaiman, Coraline
(Würzburg: Arena Verlag, 2003) Bestellen
deutsch von Cornelia Krutz-Arnold, Titelbild von Ludvik Glazer-Naudé, HC, 175 Seiten
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