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| Der bekannte Schweizer Künstler H. R. Giger, der unter anderem das Alien
für Ridley Scotts Film entworfen hat, stellte für den Festa-Verlag die Horror-Anthologie
Vampirric zusammen, die als Band 4 in der Nosferatu-Reihe erschienen
ist. Wie der Name bereits andeutet, steht in den verliegenden Geschichten der Vampir im
Mittelpunkt. Dreiundzwanzig Autoren von internationalem Rang beschreiben ihre
Vorstellungen von einem vampirischen Wesen, das sich entweder am Körper oder am Geist
bzw. der Seele seines Opfers vergreift - oder gar an beidem. Man findet sowohl den traditionellen Vampir aus dem viktorianischen Zeitalter (Guy de Maupassant, »Der Horla«) und seine orientalische Variante (Lafcadio Hearn, »Der Fall Chugoro«), den zeitgenössischen Blutsauger (Nancy Kilpatrick, »La Diente«) sowie Versionen aus Fantasy (Robert E. Howard, »Der Garten der Furcht«) und Science Fiction (C. L. Moore, »Shambleau«) - oder eine ganz andere, ungewöhnliche Form (Christian von Aster, »Im Nagerparadies«). Einige der Erzählungen sind bereits in anderen Anthologien erschienen. Gleich die erste Story des Bandes, Carl Jacobis »Schwarze Offenbarungen«, stimmt den Leser auf das Thema ein. Der Protagonist eignet sich widerrechtlich die drei Bücher Fünf Einhörner und eine Perle an, deren Verfasser in einer Anstalt gestorben ist. Von den bizarren Werken mit einem eigentümlichen Bann belegt, entdeckt er die Symbole des Titels in einem verwilderten Garten - und eine faszinierende Frau. Als er dem Geheimnis auf die Spur kommt, ist es für ihn fast schon zu spät. So wie die Hauptfigur dieser Geschichte soll auch der Leser der Anthologie mit einem Bann belegt werden, eintauchen in die Welt des Unheimlichen und aus dieser so bald nicht mehr entlassen werden. H. R. Giger hat eine ausgezeichnete Auswahl getroffen, denn dieses Ziel wird tatsächlich erreicht. Das subtile Grauen erweist sich einmal mehr als faszinierender als primitiver Splatter. Für Gänsehaut sorgen auch die übrigen Erzählungen, darunter »Das Grabmal auf dem Père Lachaise« von Karl Hans Strobl. Ein junger Mann verpflichtet sich für eine stattliche Summe, ein ganzes Jahr am Grab einer russischen Adligen zu verbringen und während dieses Zeitraums mit keinem Menschen zu sprechen, ausgenommen dem Diener, der ihm die Mahlzeiten bringt. Nach einer Weile macht er seltsame Beobachtungen und bekommt schließlich Besuch. - »Luella Miller« in der gleichnamigen Erzählung von Mary E. Wilkins-Freeman ist eine bezaubernd schöne, aber stets hilflose junge Frau, die den Männern den Kopf verdreht und auch so manche Frau für sich einnimmt, so dass sie immer jemanden um sich hat, der für sie sorgt - bis der Betreffende erkrankt und stirbt. Die Erzählerin hegt einen Verdacht, ist jedoch machtlos und muss zeitweilig um ihr eigenes Leben bangen. - P. N. Elrod lässt in »Slaughter« ihren Vampir-Detektiv, der seit der Veröffentlichung des Romans Vampirdetektiv Jack Fleming auch hierzulande kein Unbekannter mehr ist, auf seinesgleichen treffen. Der Konflikt mit dem blutsaugenden Gangster ist vorprogrammiert. Allen Kuzgeschichten ist gemein, dass sie über sehr viel Atmosphäre verfügen und den Vampir-Mythos um neue Varianten bereichern. Die Autoren bedienen sich nicht sattsam bekannter Klischees, machen den Vampir auch nicht zwangsläufig zum Bösen, sondern zu einer Kreatur, die nur das Notwendige tut, um zu überleben, auch wenn sie mitunter Spaß daran hat und kein Mitleid für ihre Opfer empfindet. Den Leser erwarten einige Stunden subtiles, unterhaltsames und abwechslungsreiches Gruseln. Irene Salzmann ALIEN CONTACT |
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