| Nicht jeder Debütant kann sogleich mit altmeisterlichen Qualitäten auf sich
aufmerksam machen - was auch niemand erwartet. Schließlich erfordert es bereits Mut, mit
einem eigenen Roman an die Öffentlichkeit zu treten und sich der Kritik zu stellen. Ralph
Gotta mangelt es nicht an gesundem Selbstbewusstsein, das ihn keine Kosten und Mühen
scheuen ließ, seinen Erstlingsroman im Eigenverlag und als Hardcover vorzulegen. In
seiner Kurzvita firmiert der 1962 geborene Frankfurter seit 1996 als Schriftsteller mit
einem Gesamtwerk aus in Zeitschriften publizierten Romanfragmenten, Gedichten und
Kurzgeschichten. Operation Neonmerika ist ein ehrgeiziges Projekt, das versucht,
esoterisch durchtränkte Science Fiction
mit einem handfesten Kriminalthriller zu verbinden, und die Synergieeffekte des
phantastischen Genres lassen derlei durchaus zu. Doch sollte Literatur bei aller
Ideenvielfalt nicht in Aktionskunst ausarten, das macht sie schlicht ungenießbar. Dem
Rezensenten ist jedenfalls selten eine solche krude Mixtur begegnet, die sogar seine
angesichts des esoterisch verunstalteten Buchcovers geringen Erwartungen enttäuschte. Ein
guter Lektor hätte aus dem Buch vielleicht noch einen leidlich gelungenen Kriminalroman
machen können, aber einen Lektor scheint das Manuskript nie gesehen zu haben. Manche
peinliche Dialoge wären ihm wohl sofort zum Opfer gefallen, samt der ganzen bunten Soße,
die der Autor über eine recht simple Krimihandlung gegossen hat. Eine Mordserie wird
aus verschiedenen Blickwinkeln immer wieder von neuem geschildert. Dabei sterben eine
Menge Leute an Bleivergiftung und Bündel großer Scheine wechseln den Besitzer (freilich
nie lange genug, um daraus einen Nutzen ziehen zu können). Die titelgebende Operation
Neonmerika stellt sich als eine Art Psychotrip heraus, den einer der Protagonisten
durchlebt. Das verfremdete Dystopia Neonmerika entbehrt tatsächlich nicht einiger
Science-Fiction-Elemente. Letztlich ist diese Episode aber so nebensächlich, dass
beispielsweise Mord in Las Vegas als Buchname weniger irreführend gewesen wäre.
Anderseits hätte damit der Kern der Handlung sofort offen gelegen, der durch
pseudopsychologische Dispute zunächst im Verborgenen bleibt.
Das dem Buch beiliegende Schreiben verrät viel mehr über die Intentionen des Autors
als sein Roman: »Meine Charaktere [sic!] sind alle buchstäblich recht charakterlos ...
und nichts weiter als Spielmarken der Handlung«. Die Pappkameraden sind also Kunst!
Weiter berichtet er über seine Pläne: »Nach mehreren Überarbeitungen hielt ich die
Geschichte nun für veröffentlichungstauglich. Von Anfang an hatte ich das Ziel, das Buch
selbst zu publizieren, nicht zuletzt aus der Überzeugung, dass die Story verfilmt werden
wird und ich dann die Filmrechte verkaufen kann. Auch existiert ein Drehbuch, und erste
Verhandlungskontakte sind bereits geknüpft.« Für 2003 kündigt er einen weiteren Roman
an, Schwarz-Fahrt ins Licht, und »danach werde ich mein Augenmerk auf die
Verlegertätigkeit richten. Herausgeben und fördern möchte ich Prosa begabter und hart
(an sich) arbeitender Autoren«. Es ist also noch einiges zu erwarten aus dem Hause Gotta.
Ob es sich lohnt, muss sich erst zeigen, denn auch der Autor und Verleger Ralph Gotta muss
noch hart an sich arbeiten, um demnächst mit einem lesbareren Buch aufzuwarten.
W. Pankow ALIEN CONTACT
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