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Oskar Maria Graf

Die Erben des Untergangs

Originalausgabe • 1949

Science Fiction > Alien Contact
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Kaum ist der Zweite Weltkrieg vorüber, beginnt in Die Erben des Untergangs schon der apokalyptische dritte, der die Menschheit beinahe ausrottet und nahezu sämtliche zivilisatorische Strukturen auslöscht. Was die Gründe oder Auslöser des neuen Krieges sind, bleibt in Oskar Maria Grafs weitgehend unbekannten Science-Fiction-Roman offen. Es herrscht das absolute Chaos und den wenigen Überlebenden bleibt nur die Flucht: »Sie flohen ... nicht nur aus dem Umkreis der zu Staub gewordenen Städte und Industriereviere; sie flohen auch, weil außer den weißen Blitzen der Atombomben und der Raketenstreuer, die das schleichende Gift tückischer Bakterien über die Landschaften säten, plötzlich beißende Kältewellen daherwehten, die in wenigen Minuten alles bis zur tödlichen Starrheit gefrieren ließen.« (Seite 17)

Seitenweise erzählt Oskar Maria Graf zu Beginn von Die Erben des Untergangs in einem fast schon biblisch anmutendem Ton von der alles verwüstenden Katastrophe, die Ausgangspunkt für die Erschaffung einer neuen, hoffnungsvolleren Welt wird. Die verstreuten Überlebenden erschaffen schließlich unter unendlichen Mühen eine dem Frieden geweihte Welt unter einer einzigen Regierung, die keine Nationalstaaten mehr zulässt. Dieses Experiment, das unter dem Motto »Der Mensch ist frei, und sein Feld ist die Welt« steht, droht oft genug, am Egoismus einzelner Individuen oder Gruppierungen zu scheitern, doch die Menschen haben endlich dazu gelernt ...

Die Erben des Untergangs ist ein sehr ungewöhnlicher Roman aus der Feder eines Autors, den man für gewöhnlich kaum zur Science Fiction rechnen würde. Oskar Maria Graf (geboren 1894 in Berg am Starnberger See, gestorben 1967 in New York), der durch sozialkritische, teilweise autobiographische Werke wie Bolwieser oder Gelächter von Außen bekannt geworden ist, schuf unter dem Eindruck des Zweiten Weltkrieges, den er im Exil erlebte, einen sehr ungewöhnlichen pazifistischen Zukunftsroman. Obwohl die Handlung an sich mit Untergangsklassikern wie Leben ohne Ende (Earth Abides) von George R. Stewart durchaus vergleichbar ist, hat Die Erben des Untergangs eine politische Dimension, welche die Lektüre manchmal etwas schwierig macht. Graf hat offenbar den Versuch unternommen, eine plausible Utopie zu erschaffen, an der seine Zeitgenossen sich ein Beispiel nehmen sollten. So schrieb denn auch Albert Einstein in einem im Buch abgedruckten Brief an Oskar Maria Graf: »... eine amerikanische Herausgabe dieses Buches würde ein wesentlicher Beitrag zur Überwindung der gefährlichen Gleichgültigkeit des Publikums ... sein. Das Buch ist auch konstruktiv, da es eine mögliche Lösung zeigt.« (Seite 11)

Um die damalige Wirkung von Die Erben des Untergangs auf die Leser nachvollziehen zu können, muss man bedenken, dass die Erstausgabe bereits 1949 unter dem Titel Die Eroberung der Welt erschien. Wie alle nicht mehr ganz taufrischen Utopien, die sich zum möglichen Lauf der Welt äußern, führt das mit zeitlichem Abstand zu einer gewisse Befremdung bei der Lektüre. So wirkt Die Erben des Untergangs manchmal wie eine Flaschenpost aus einer Alternativwelt, in der der große finale Weltkrieg tatsächlich stattfand, vor dem unsere Realität haarscharf bewahrt blieb. Diese Alternativwelt wimmelt denn auch von Atavismen und - uns bizarr erscheinenden - technologischen und politischen »Entwicklungen«.

Zu dem daraus resultierendem, leicht irrationalen Gefühl trägt sicherlich Grafs Sprache bei, die sich - positiv - vom stilistischen Einheitsbrei vieler, wenn auch Gott sei dank nicht aller, moderneren SF-Romane abhebt. Sicherlich etwas gewöhnungsbedürftig sind dabei die wechselnden Blickwinkel. So werden einerseits globale politische und ökonomische Ereignisse beschrieben, andererseits schlaglichtartig das Leben der »kleinen Leute«, denen Grafs Sympathie schon immer galt. Es wechseln sich nüchterne und sehr emotionelle, fast schon zu pathetische Passagen ab, was manchmal bei der Lektüre für leichte Irritation sorgt. Graf war es offensichtlich wichtig, die humane Seite in den Vordergrund zu stellen. Große Politik oder gar Ideologie sind ihm in ihren praktischen Auswirkungen auf die ganz normalen Menschen stets wichtiger als in der trockenen Theorie, die bekanntlich nur allzu häufig missbraucht werden kann. Die Erben des Untergangs stieß übrigens bei Erscheinen nicht nur auf positive Resonanz, sondern wurde gerade auch aus politischen Gründen angegriffen. Viele zeitgenössische Kritiker empfanden die Vorstellung, dass es einen weiteren großen Krieg geben könnte, als Zumutung, während andere wiederum die aufgezeigte Möglichkeit, einen solchen überleben zu können, als zu optimistisch bezweifelten. - Um die Befindlichkeit einer Generation nachempfinden zu können, die gerade erst eine der größten selbstgemachten Katastrophen der Menschheitsgeschichte erlebt hatte, ist Die Erben des Untergangs hervorragend geeignet.

Christian HoffmannALIEN CONTACT

Originalausgabe
Oskar Maria Graf, Die Eroberung der Welt (1949)
Nauausgabe
Oskar Maria Graf, Die Erben des Untergangs
(München, Deutscher Taschenbuch Verlag, 1994) Bestellen
Titelbild von Regine Tarara, Nachwort von Erhard Eppler, 445 Seiten
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Lieferbare Titel von Oskar Maria Graf
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