| Überraschenderweise entpuppt sich Greens neuester Roman Todtsteltzers
Erbe eine Fortführung der eigentlich abgeschlossenen Saga um den legendären
Owen Todtsteltzer als farbenprächtiges, furioses und zuweilen auch gewalttätiges
Zukunftsmärchen. Der Roman vermittelt die gleiche Faszination, die schon die
vorangegangenen Teile der Serie auszeichnete. Green führt die Geschichte des neuen
Handlungszyklus einige hundert Jahre nach den letzten Ereignissen fort. Ein Jahrhunderte
andauerndes goldenes Zeitalter ließ die Schreckensherrschaft der Imperatorin Löwenstein
in Vergessenheit geraten. Die ehemaligen Helden der Menschheit sind in den Köpfen der
Menschen zu gottähnlichen Götzenblildern verklärt. Dennoch erwachen unter der
Oberfläche aus allgemeinem Wohlstand und demokratischer Erneuerung neue düstere Kräfte
zum Leben. Finn Durandal ist einer der berühmtesten Paragone die neuen
Beschützer und Helden der Menschheit. Immer zur Stelle, um Verbrechen zu verhindern oder
die Schurken der Gesellschaft zur Strecke zu bringen. Ehrgeizig und medienbesessen wendet
er sich jedoch gegen die bestehende Ordnung, als sein Partner Lewis Todtsteltzer und nicht
er zum Champion des Königs auserwählt wird. Finn Durandal fasst einen teuflischen, ja
geradezu größenwahnsinnigen Entschluss. Da ihm das seiner Meinung nach ihm zustehende
Amt verweigert wurde, sollen die dafür Verantwortlichen büßen. Er macht sich auf die
Suche nach neuen und mächtigen Bundesgenossen, die nur darauf warten, das bestehende
Gleichgewicht der Kräfte zu ihren Gunsten zu manipulieren.
Wie schon sein legendärer Vorfahre wird Lewis Todtsteltzer unfreiwillig in die Rolle
des Rebellen und Widerstandskämpfers gezwungen und muss sich gegen Verrat, Lügen und
mächtige Gegner behaupten. Seine größte Herausvorderung ist jedoch seine zu Jesamine
Blume entflammte Liebe, der Frau, die eigentlich zur neuen Königin gekrönt werden
sollte.
Green versteht es ausgezeichnet, seine extravaganten und bisweilen gnadenlos
übertrieben geschilderten Figuren zu entwickeln, sie gegeneinander auszuspielen und den
Leser jede Minute dabei mitfiebern zu lassen. Trotz mehr als 700 Seiten weist das Buch
kaum Längen auf. Greens Romane sind sicherlich keine hohe Literatur, aber verdammt gut
geschriebene Unterhaltung. Der Schluss von Todtsteltzers Erbe macht eine
Fortsetzung geradezu zwingend.
Gerd
Frey ALIEN CONTACT
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