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| Mit diesem außergewöhnlichen Roman liegt der nunmehr dritte Band der
Fantasy-Reihe bei Phantasia Paperback vor. Als außergewöhnlich ist Der Mahatma und
der Hase aus zwei Gründen zu bezeichnen: Zum einen handelt es sich um einen
thematisch recht originellen Roman, der aus der Masse epischer Fantasy, die den Markt überschwemmt, wohltuend
heraussticht; zum anderen wird eine eher unbekannte Facette im Werk des durch seine
phantastischen Abenteuerbücher bekannten Henry Rider Haggard präsentiert. In dieser Traum-Geschichte erzählt ein Mahatma, also ein erleuchteter und weiser Mann - der selbst allerdings bestreitet, dieses Titels würdig zu sein - von seiner Begegnung mit der Seele eines Hasen auf der Straße des Todes. Erstaunt fragt der Mahatma den Hasen, wie er denn als Tier auf diesen doch eigentlich den Seelen der Menschen vorbehaltenen Weg geraten ist. Doch statt ihm eine Antwort auf diese Frage zu geben, erzählt der Hase seine Lebens- und Leidensgeschichte. Immer auf der Flucht vor menschlichen Jägern muss er den Tod seiner Eltern, seiner Geschwister und seiner Geliebten miterleben, bis auch ihm die sinnlose Mordlust der Menschen zum Verhängnis wird. Nachdem er immer wieder den Jägern und ihren Jagdhunden entkommen ist, wird er schließlich am Ufer eines Sees gestellt. Völlig erschöpft möchte er lieber ertrinken, als von den Hunden zerrissen zu werden, und schwimmt in das Gewässer hinaus. Doch dieser vergleichsweise milde Tod wird ihm verwehrt, denn gerade als er entkräftet untergeht, zieht ihn einer der Jäger, der ihm mit einem Boot gefolgt ist, aus dem Wasser heraus und wirft ihn der blutgierigen Hunde-Meute vor. Wie Henry Rider Haggard in seinem kurzen Vorwort verrät, wurde er zu Der Mahatma und der Hase durch eine Zeitungsnotiz inspiriert, in der von der tatsächlichen selbsmörderischen Flucht eines Hasen in ein Gewässer berichtet wurde. Die im Grunde sehr einfache Geschichte, welche in diesem kurzen Roman erzählt wird, stellt ein geradezu erschütterndes Plädoyer gegen die Jagd dar. Auf besonders eindringliche Weise gelingt dies, weil der Hase nach seinem Tod über Vernunft verfügt und all das für ihn vorher unverständliche Geschehen nun richtig einordnen kann. Dabei wird die Jagd, die von den Menschen als »Sport« angesehen wird, als sinnlose Schlächterei entlarvt. Auch das zunächst schlüssig klingende Argument, dass dadurch für eine ausgewogene Wildpopulation gesorgt wird, wird ad absurdum geführt. Schließlich bleibt als einzige Motivation die Lust der Jäger am Töten. Obwohl sich die Zeiten seit 1911, dem Entstehungsjahr von Der Mahatma und der Hase, natürlich geändert haben und man das Thema Jagd sicherlich differenzierter betrachten muss, hat das Buch nichts von seiner Aktualität eingebüßt: Ersetzen wir den Hasen doch einfach mal durch eine Robbe ... Abgesehen von dieser in meinen Augen auch heute noch wichtigen Botschaft, ist Der Mahatma und der Hase ein überaus lyrischer Roman. Gerade die Anfangssentenzen, in denen der Mahatma sein eigenes Leben skizziert, erinnern nicht wenig an Hermann Hesse, der ebenso wie Haggard von fernöstlicher Spiritualität fasziniert war. Der Leser wird immer wieder von sehr schönen, wenn auch düsteren Bildern in den Bann gezogen. So wird die Straße, auf der die Seele des Hasen dahinschreitet, als »... schnurgerade wie der Weg des Geistes und breit wie die Brust des Todes ...« beschrieben. Nicht unerwähnt bleiben sollen die mit abgedruckten zeitgenössischen Illustrationen, die von W. T. Horton und A. M. Brock stammen. Während Hortons an den Jugendstil erinnernde Bilder sich auf die spirituellen und philosophischen Gedanken des Buches beziehen, zeigen die realistischen Werke Brocks das schreckliche Geschehen während der Jagd. Insgesamt sei Der Mahatma und der Hase all jenen empfohlen, die bereit sind, auch einmal die ausgetretenen Lesepfade zu verlassen und sich von Fantasy mehr erwarten als leicht konsumierbaren Eskapismus. |
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