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Marcus Hammerschmitt

Der Zensor

Originalausgabe • 2001

Science Fiction > Alien Contact
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So könnte es aussehen, sollte sich die Neue Welt eines Tages gegen die Alte erheben: Am Anfang steht eine Rückbesinnung auf alte Maya-Religionen, die das Christentum in Nord- und Südamerika zurückdrängen. Bald darauf sind die Ureinwohner Mexikos und Guatemalas im Besitz modernster Nanotechnologie. Kurze Zeit später brechen sie zur »Landnahme« Spaniens auf und begleichen eine alte Rechnung mit den ehemaligen Kolonialherren.

Im Jahr 2136 steht Spanien bereits seit über 100 Jahren unter Fremdherrschaft. Jeder Aspekt des Lebens ist von alten Maya-Mythen durchdrungen. Als Schriftzeichen werden wieder Hieroglyphen verwendet, die neue Hauptstadt heißt Nanotikal. Die Sklaverei ist wieder eingeführt, Menschenopfer sind an der Tagesordnung, in den Laboren entstehen Chimären aus Mensch und Tier, um neue Aufgaben wahrzunehmen. Um sich auch in Westeuropa heimisch zu fühlen, haben die Maya kurzerhand einen Urwald angelegt. Die katholische Kirche hat nur noch in Afrika Einfluß. In Spanien dagegen konkurriert die Maya-Religion mit den Synkretisten, einer Mischform aus der Religion der Besatzer und dem Christentum. Im Untergrund kämpfen Guerilleros mit Terroranschlägen gegen die neuen Herrscher.

Vor diesem Hintergrund wird das Schicksal zweier Männer erzählt, die beide glauben, für eine gute Sache zu kämpfen -- auch wenn sie an verschiedenen Fronten stehen. Da ist Yaqui der Zensor, einer der mächtigsten Männer im Staat. Mit Hilfe des sehr humanoiden Großrechners Wacah Chan überwacht er die Kommunikation im Lande und hält nach Hinweisen auf Verschwörungen Ausschau. Zu den erbittertsten Gegnern dieses Regimes gehört Enrique, einer der Anführer der Guerilleros. Die Protagonisten kommen Verschwörungen auf die Spur, die das System aus den Angeln heben können. Gerade noch rechtzeitig erkennen beide, daß sie selbst die ersten Opfer dieser Intrigen sind. Damit beginnt für die Männer ein scheinbar aussichtsloser Kampf gegen die eigenen Leute -- und ums nackte Überleben.

Es menschelt gewaltig in Hammerschmitts Maya-Diktatur. Star-Allüren der Machthaber finden sich in diesem Buch ebenso wie halbherzige Widerstandskämpfer und bürokratische Überwachungsorgane. Mit einem Feuerwerk an Ideen entwirft der Autor ein detailreiches und lebendiges Bild eines fremdartigen Regimes, dessen Akteure dennoch seltsam vertraut erscheinen. Bei all dieser Liebe zum Detail bleibt es leider nicht aus, daß einige Passagen etwas langatmig geraten sind. Dennoch vermag es Hammerschmitt, durch geschicktes Timing und klug plazierte Perspektivenwechsel Spannung zu erzeugen, besonders in der zweiten Hälfte des Romans.

Die komplexen Hintergründe der Verschwörung werden dem Leser in bekömmlichen Häppchen serviert, so daß dieser nie Gefahr läuft, den Faden zu verlieren. Die Geschichte von den großen Manipulatoren, die selbst manipuliert werden, läßt Erinnerungen an Philip K. Dick aufkommen -- und braucht einen Vergleich mit dem Großmeister nicht zu scheuen.

Daß der Schluß des Buches den Leser trotzdem unbefriedigt zurückläßt, scheint unvermeidlich. Denn im letzten Kapitel muß Hammerschmitt eingestehen, daß auch im 22. Jahrhundert gegen Machtmißbrauch, Selbstüberschätzung und das Bedürfnis, andere Menschen unter sich zu haben, kein Kraut gewachsen ist.

So kann Der Zensor am Ende zwar nicht mit weltverbessernden Ideen aufwarten, bleibt aber dennoch einer der originellsten und abwechslungsreichsten Science-Fiction-Romane des Jahres 2001.

• Gregor Jungheim • ALIEN CONTACT

Originalausgabe
Marcus Hammerschmitt, Der Zensor
(Hamburg: Argument Verlag, 2001) [sf 5003] Bestellen
Titelbild von Marcus Hammerschmitt, 221 Seiten
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