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| Band 1 Diesseits von Eden West of Eden 1984 In der Eden-Trilogie geht der SF-Autor Harry Harrison von der Frage aus, was passiert wäre, wenn die Erde vor 65 Millionen Jahren nicht einem Meteoriten getroffen worden wäre und das Aussterben der Dinosaurier nicht stattgefunden hätte. Das Ergebnis ist eine Erde, die wie ein fremder Planet anmutet. Die Dinosaurier haben sich weiterentwickelt und eine intelligente Spezies hervorgebracht, die Yilanè. Ihre Kultur ist bereits 40 Millionen Jahre alt und somit sehr traditionsgebunden. Veränderungen finden kaum statt, und wenn, dann nur sehr langsam. Die Yilanè leben in der Gesellschaftsform des Matriarchats - Männer dienen nur dazu, die Eier an den Geburtsstränden auszutragen, ein Vorgang, den viele Männer nicht überleben. Die jungen Fargi wachsen im Meer auf. Wenn sie an Land kommen, werden sie zunächst nur für niedere Arbeiten eingesetzt. »Fargi« bedeutet in der Sprache der Yilanè wörtlich »jemand, der sprechen lernt«. Schaffen sie es, die Sprache der Yilanè zu erlernen, die sich aus Lauten und Gesten zusammensetzt, werden sie als vollwertige Mitglieder der Gemeinschaft aufgenommen. »Yilanè« bedeutet gleichzeitig »sprachfähig«, in ihrer Vorstellung sind Intelligenz und Sprachfähigkeit also untrennbar miteinander verknüpft. Eine Technik im menschlichen Sinne haben sie nicht entwickelt, dafür modifizieren sie Tier- und Pflanzenarten durch Genmanipulation. So gibt es Froscharten, deren Augen linsenartig vergrößert wurden, bis sie als Mikroskope oder Kameras benutzt werden können. Eine Eidechsenart, die Hesotsàns, verschießt giftige Pfeile, hat also die Funktion von Gewehren. Genauso gibt es Dinosaurierarten, die als Panzer oder Schiffe dienen. Mit diesen brechen die Yilanè unter der Führung der kriegerischen Vaintè eines Tages nach Gendasi* (= Nordamerika - das Sternchen bezeichnet einen Laut, den es in der menschlichen Sprache nicht gibt) auf und gründen auf der Halbinsel, die wir als Florida kennen, die Siedlung Alpèasak. Sie stellen zu ihrer Überraschung fest, daß sich die Säugetiere auf diesem Kontinent sehr weit entwickelt haben. Das Tier- und Pflanzenleben entspricht etwa dem unserer Eiszeit, es gibt also neben Mastodonten und Wollnashörnern auch schon Menschen, die Tanu, die in etwa den Cro-Magnons vergleichbar sind. Es kommt sofort zu kriegerischen Auseinandersetzungen, da beide Gruppen eine tiefgreifende Abneigung gegeneinander empfinden. Bei einem Überfall auf seinen Sammad (Stamm) wird Kerrick als kleiner Junge von den Yilanè gefangengenommen. Zu ihrem Erstaunen erlernt er ihre Sprache, aber ein sprechender Ustuzou (Säuger) bleibt ihnen unheimlich. Es stellt einen Widerspruch in ihrem Weltbild dar, daß er »yilanè«, also sprachfähig ist, obwohl er nicht wie ein Yilanè aussieht. In dieser Zeit entwickelt Kerrick trotz vieler Demütigungen - unter anderem wird er mehrmals von Vaintè vergewaltigt - ein tiefes Verständnis für die Yilanè-Kultur. Viele Jahre später kann Kerrick fliehen und kommt wieder mit Menschen in Kontakt. Nun wird er zum größten Feind der Yilanè. Besonders zwischen ihm und Vaintè entsteht ein abgrundtiefer Haß, und es beginnt ein gnadenloser Rachefeldzug. Kerrick gelingt es schließlich, Alpèasak durch eine Waffe zu vernichten, die die Yilanè nicht kennen, nämlich das Feuer. |
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| Band 2 Winter in Eden Winter in Eden 1986 Im zweiten Band versucht Kerrick zunächst, die Menschen davon zu überzeugen, in der Yilanè-Siedlung Alpèasak zu bleiben und auf ihren Trümmern die Stadt Deifoben aufzubauen. Doch bis auf wenige Getreue ziehen die anderen Menschenstämme wieder zu ihren alten Wohnstätten zurück. Auf der Suche nach seiner Frau Armun trifft Kerrick auf die Paramutan, einer Art behaarter Eskimos. Gemeinsam gelangen sie nach Europa, wo sie eine vorübergehende Zuflucht finden. Doch Kerricks Intimfeindin Vaintè läßt ihm keine Ruhe. Er stößt nach Ikhalmenets vor, der Hauptstadt der Yilanè, die auf den Kanarischen Inseln liegt, und kann die Eistaa, die Chefin, so einschüchtern, daß sie Vaintè zurückbeordert und schließlich in die Verbannung an die afrikanische Küste schickt. Parallel dazu wird die Geschichte der »Töchter des Lebens« erzählt, einer Art Sekte, die etwas entdeckt hat, das die Gesellschaftsstruktur der Yilanè grundlegend in Frage stellt. Sie können sich nämlich dem »Todesbefehl« der Eistaa widersetzen. Während die normalen Yilanè sofort sterben, wenn dieser Befehl ausgesprochen wird, können sie sich der Autorität der Eistaa entziehen. Auf die »Töchter des Todes«, wie ihre Feinde sie nennen, wird erbarmungslos Jagd gemacht, bis sie sich zusammen mit der fortschrittlichen Wissenschaftlerin Ambalasei aus Ikhalmenets absetzen und eine Kolonie in Südamerika gründen. Da die Töchter sehr skeptisch gegenüber jeglicher Autorität sind, kommt es zu Problemen, weil sie zur Organisation ihres Lebens noch keine Alternative zur hierarchischen Befehlsstruktur gefunden haben. Außerdem entdecken sie dort die »Sorogetso«, primitive Yilanè, die schockierenderweise nicht nur künstliche Werkzeuge benutzen, sondern auch patriarchalisch organisiert sind. |
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| Band 3 Rückkehr nach Eden Return to Eden 1988 Der dritte Band beginnt weniger spektakulär und verwirrt außerdem durch die vielen Handlungsstränge. Kerrick lebt mit seiner Frau, dem alten Krieger Ortnar und zwei Yilanè-Männern, die seinen Feldzug überlebt haben, an einem See in der Nähe Alpèasaks, das wieder von den Yilanè zurückerobert wurde. Als einer der Yilanè-Männer von Frauen aus Alpèasak vergewaltigt wird und bei der Geburt seiner Nachkommen stirbt, zieht Kerrick weiter, um auf einer Insel, die der Meeresküste vorgelagert ist, Zuflucht zu finden. Die anderen Tanu-Stämme kehren inzwischen reumütig zu Kerrick zurück. Als ihre Hèsotsans plötzlich von einer mysteriösen Krankheit befallen werden, gegen die sie nichts unternehmen können, drohen neue Konflikte. Sie dringen mehrfach nach Alpèasak vor, um sich neue Waffen zu stehlen. Doch schließlich erkennt Kerrick, daß das keine dauerhafte Lösung sein kann, weil er so zu sehr von den Yilanè abhängig ist. Andere Krieger drängen auf die Rückkehr in den Norden, wo die Murgu (Saurier) nicht überleben können. Da dort offenbar eine neue Eiszeit angebrochen ist, möchte Kerrick lieber im warmen, nahrungsreichen Süden bleiben. Die Tanu sind nicht in der Lage, die überlebenswichtigen Hèsotsans zu züchten, und Kerrick wird klar, daß das Problem auf Menschenart gelöst werden muß. Von den Paramutan erhandelt er das Geheimnis ihrer Giftharpunen, die sie für die Jagd auf eine Art Seekuh benutzen. Nun ist es für die Tanu wieder möglich, im Süden zu überleben und sich vor den Sauriern zu schützen. Unterdessen unternimmt Ambalasei mehrere Erkundungszüge. Das größte Problem der - natürlich ausschließlich weiblichen - Töchter des Lebens ist nämlich der fehlende Nachwuchs. Dabei kommt sie auch nach Alpèasak, wo die Entführung junger Fargi von den Geburtsstränden kläglich scheitert. Auch Versuche, die Sorogetso in ihre Gemeinschaft einzugliedern, schlagen fehl. Vaintè kehrt schließlich aus ihrem Exil zurück und kann eine Eistaa davon überzeugen, einen Rachefeldzug gegen die Töchter des Lebens durchzuführen. Sie findet ihre südamerikanische Kolonie, nimmt einige Töchter gefangen und bekommt gleichzeitig einen Hinweis auf den Aufenthaltsort Kerricks, gegen den sie immer noch Rachegefühle hegt. Sie spürt ihn auf, und es kommt zum entscheidenden Kampf Mann gegen Frau. Dabei opfert sich einer der Yilanè-Männer und tötet Vaintè. Kerrick und die Töchter des Lebens verbleiben in der Hoffnung, daß ihre zwei Rassen genug Platz auf der Erde haben und nebeneinander leben können, da sie verschiedene ökologische Nischen besetzen. Doch Kerrick weiß, daß die Tanu sich besser an neue Gegebenheiten anpassen können als die Yilanè, daher befürchtet er, daß der Kampf noch nicht vorbei ist. |
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KritikDer Eden-Zyklus von Harry Harrison ist eine der interessantesten und spannendsten Alternativweltgeschichten, die je geschrieben wurden. Der besondere Reiz entsteht durch die Vermischung unterschiedlichster Motive. Beste Science Fiction ist die Konfrontation zweier intelligenter Lebensformen, die überzeugend in ihren Lebensweisen dargestellt werden, ergänzt durch einen Anhang mit einer pseudowissenschaftlichen Abhandlung über die Biologie, Kultur und Sprache der Yilanè nebst Wörterbüchern. Dazu hat der Autor den Rat des Biologen Dr. Jack Cohen und des Linguisten Prof. T. A. Shippey herangezogen. Das erschwert zwar die Zugänglichkeit, da sich die ganz anders strukturierte Sprache der Yilanè auch in den Dialogen niederschlägt. Andererseits gelingt es Harrison auf diese Weise, die Fremdartigkeit der Saurierkultur überzeugend darzustellen. In der Science Fiction gibt es nur wenige Beschreibungen von Alien-Kulturen, die genauso detailgetreu durchdacht sind. Prähistorische Motive sind die Dinosaurier und die eiszeitliche Kultur der Tanu. Im Covertext der Originalausgabe wird die Trilogie sogar mit Jean M. Auel verglichen. Auch das Motiv der »Lost World« findet sich wieder, allerdings im umgekehrten Verhältnis, wenn die Menschen von den Dinosauriern entdeckt werden. Außerdem hat sich Harrison die Mühe gemacht, Darwins Evolutionstheorie ohne die üblichen populären Verfälschungen anzuwenden. Zunächst scheint es, daß die Yilanè mit ihrer hochentwickelten Gentechnik die fortschrittlichere Zivilisation besitzen. Doch zum Schluß erweist sich, daß sie den anpassungsfähigeren Tanu unterlegen sind. Das Bemerkenswerte daran ist, daß in der Evolution tatsächlich nur die Anpassungsfähigkeit und nicht die »Höhe« der Entwicklung ausschlaggebend ist. Äußerst fragwürdig ist dagegen, ob sich die menschliche Evolution genauso vollzogen hätte, wenn die Dinosaurier nicht ausgestorben wären. Allerdings erleichtert der Autor dem Leser natürlich die Identifizierungsmöglichkeiten, wenn er mit menschlichen Protagonisten arbeitet. So ist wohl auch der Umstand, daß Harrison den Ursprung des Menschen nach Nordamerika verlegt, ironisch zu verstehen. |
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MedieninfoDie drei Bände der Eden-Trilogie von Harry Harrison erschienen in zweijährigem Abstand zwischen 1984 und 1988 und wurden mit schönen Holzschnitt-Illustrationen von Bill Sanderson versehen. In Deutschland erschien der erste Band bereits 1984 im Verlag Goldmann in der »Edition 84 - Die positiven Utopien« unter dem Titel Diesseits von Eden, also im selben Jahr wie die amerikanische Originalausgabe. Der komplette Zyklus wurde von Goldmann erst in den Jahren 1991 und 1992 herausgebracht. Der erste Band war seinerzeit von Walter Brumm übersetzt worden, während die Folgebände Winter in Eden und Rückkehr nach Eden von Angelika Weidmann ins Deutsche übertragen wurden. 1. Band
2. Band
3. Band
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