ALIEN CONTACT

Hartwig Hilgenstein

Digitale Tänzer

1998

Science Fiction > Alien Contact
Buch-Tips
Momox-Books.de - Einfach verkaufen.
Digitale Tänzer verdichtet das urbane Leben der nahen Zukunft nicht wie Blade Runner zu einer düsteren, in der Ästhetik ihres offensichtlichen Verfalls faszinierenden Bildsinfonie. Hartwig Hilgenstein bleibt in den Grenzen des phantastischen Genres Realist und bringt die aktuellen sozialen, ökologischen und technischen Entwicklungen zu einem konsequenten Ende. Die Umwelt ist kaputt, saurer Regen und harte UV-Strahlung machen ein Leben an der 'frischen Luft' so gut wie unmöglich. Berlin, wie auch andere Städte, ist darum unter einer Art Käseglocke verschwunden, mit künstlichem Klima und aufbereiteter Luft. Die reiche Oberschicht, die »Paläster«, hat sich in für den Plebs gesperrte Domizile zurückgezogen und lebt halb in einer virtuellen Realität, dem Netz. Die Unterprivilegierten, das »Fleisch«, sind hingegen in einer halbanarchistischen Welt zuhause, in den überdachten Berliner Straßenschluchten und in den Vororten, in denen nur die Wohnsilos, mit Tunnels verbunden, den Klimaunbilden trotzen. Die Hierarchie ist festgefügt. Ein Ausbrechen daraus, und sei es auch nur für einen kurzen Traum, ist lediglich in den Vergnügungstempeln mit Games, Cybersex und illegalen Drogen möglich.

In dieser Welt lebt der Privatdetektiv Pitch, eine Mischung aus Don Quixote und Phil Marlowe, der sich mit Vorliebe in der Halbwelt der Bars und Clubs herumdrückt. Mit seinem jüngsten Auftrag, der Suche nach einem vermißten Paläster, hat er sich aber voll in die Nesseln gesetzt. Der Fall ist keine einfache Recherche, gleich einer Zwiebel kommen Schicht für Schicht immer neue Aspekte und Abgründe zutage, bis zum Kern des ganzen verdorbenen scheinheiligen Systems. Es gibt ein paar Leichen, aber keine Moral, keine Gerechtigkeit, kein Zurück. Das Leben geht weiter und eine kleine unwichtige Episode im Moloch Stadt zu Ende. Der Leser bleibt, allein mit seinen Fragen, auf dem Bahnsteig zurück.

Digitale Tänzer ist einer der berlinischsten Science-Fiction-Romane, die der Rezensent je gelesen hat, Stadtteile, Orte, Straßen, Plätze bilden ein vertrautes und doch verfremdetes Szenario. Es ist beim Lesen nicht nötig, sich in der Stadt auszukennen, aber für Ortskundige ist es ein zusätzliches Identifikationsmoment.

Im Rückblick dürfte Digitale Tänzer einen Platz unter den besten deutschen SF-Romanen der 90er Jahre einnehmen, und wenn es einen deutschen Science-Fiction-Preis für das gelungenste Romandebüt gäbe, Hartwig Hilgenstein hätte ihn verdient.

• Fred Siebert • ALIEN CONTACT

Hartwig Hilgenstein
Digitale Tänzer (Hamburg: Argument, 1998) [ASF2034] Bestellen
Leser-Service:
Lieferbare Bücher von Hartwig Hilgenstein
Bücher A B C D E F G H I J K L M N O P/Q R S T U V W X/Y/Z
© copyright 1997-2011 by EPILOGmedia • Alle Rechte vorbehalten
eMail: dialog@epilog.de | Impressum | AGB + Widerrufsrecht