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Alien Contact Buch-Tips |
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| Der Flug des deutschen Nobelpreisträgers Bass Greifenberg trifft in New York
ein. Terminals, VIPs, Werbebelästigung: Wir befinden uns in einer ausgesprochen nahen
Zukunft. Greifenberg ist auf dem Weg zu seinem »Braining«: zur ersten Übertragung eines
menschlichen Gehirns in einen jüngeren Klonkörper - oder zumindest die erste, die bei
regem Medieninteresse an einem Prominenten vorgenommen wird. Die fünf Tage bis zum
Brainingtermin werden für Bass zur alkoholdurchtränkten Großstadttour, in deren Verlauf
er seine Entscheidung, an dem Programm teilzunehmen zum ersten Mal bewusst überdenkt ... Auf einer Ebene ist Keimzellen ein »Skandalroman«: Er beschreibt eine Zukunft, in der die Sex- und Gewaltversessenheit der Medien und ihres Publikums kaum noch Grenzen kennt. Allerdings gerät ein Roman, der das als Misstand ankreidet, leicht in den Verdacht, selbst letztlich nichts anderes als solcherlei Effekthascherei zu betreiben. Dabei kommt oft ein etwas verlogener und unterm Strich vor allem spießiger Moralismus heraus. Im Angesicht dieser Schwierigkeiten kann man Boris Hillen nur gratulieren: Im Großen und Ganzen schildert er seine Zukunftsvision angenehm unaufgeregt und enthält sich allzu eindeutiger moralischer Wertungen. Stattdessen legt er ein ernsthaftes Interessen an den Implikationen seiner Themen an den Tag. Obwohl Keimzellen einen erwartungsgemäß pessimistischen Ton anschlägt, beweist der Roman auch ein durchaus positives Zukunftsinteresse - die Versprechen der Biotechnologien werden kritisch, aber nicht rundheraus ablehnend unter die Lupe genommen. Zum Thema »Braining« legt Hillen seinen Figuren oft überraschende Positionen in den Mund, die zwischen Sensationslüsternheit und christlicher Lebensbejahung liegen und alle ihre Fallstricke haben. Nur Bass Greifenberg, die Hauptfigur, erscheint in dieser Frage lange Zeit geradezu gelähmt. Nun ist Keimzellen glücklicherweise keine Mischung aus Gewaltszenen und Diskurs-Geschwurbel. Hillen schafft es, seiner Hauptfigur Glaubwürdigkeit einzuhauchen und eine durchaus spannende, wenn auch nicht immer fesselnde Geschichte aus dem Prozess zu machen, in dessen Verlauf er lernt, eine begründete Meinung zu formulieren. Mit Ernesto, dem Sonderling und Bücherwurm, der durch seine unerfüllte Liebe an Bass gebunden wird, führt Hillen zwar eine weitere interessante Figur ein. Diese verliert er jedoch irgendwo auf der Hälfte des Buches aus den Augen und fügt sie erst ganz am Schluss wieder sinnvoll in die Handlung ein. Die Entwicklung der Figuren findet vor allem über Rückblenden statt. Anfangs mag das etwas verwirrend sein, allerdings stellt man als Leser schnell fest, dass der Roman sich ohnehin mehr auf einzelne Bilder und Episoden konzentriert. Bald fällt es nicht allzu schwer, der eher spärlichen Haupthandlung zu folgen. Insgesamt ist Keimzellen zwar kein Meisterwerk, aber doch eine erfreulich vielschichtige Angelegenheit. Darüber hinaus kann man es dem Autor hoch anrechnen, dass er den Mut aufgebracht hat, eine »Future History« der nächsten paar Jahre zu schreiben, die sich praktisch ab heute an der Realität messen lassen muss. Was sicher zu einigen interessanten Vergleichen führen wird ... Jakob Schmidt ALIEN CONTACT |
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