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| Wie kein zweiter Autor der phantastischen Literatur war Michael Ende vor
allem durch seine beiden wichtigsten Romane Die unendliche Geschichte und Momo
oder seine Kindergeschichten um Jim Knopf und Lukas den Lokomotivführer weithin
über die Grenzen Deutschlands bekannt. Ganz in der Tradition alter Geschichten- und
Märchenerzähler wusste er nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene mit seinen
phantasievollen Werken zu fesseln, die nicht in erster Linie belehren, sondern die
Vorstellungskraft der Menschen entfesseln und erweitern wollten. Dem 1995 verstorbenen
Autor ging es in erster Linie darum, die Phantasie zu bewahren und immer wieder neu zu
erwecken, sei es nun mit einfachen Märchen oder schon fast surrealen Erzählungen.
Bewusst eingesetzte Wortspiele und Beschreibungen sollten den Leser in sein eigenes
Phantasieland entführen und ihn anregen, auch nach der Lektüre des Buches weiterzudenken
und zu träumen. Das von Andrea und Roman Hocke zusammengestellte Michael Ende Lesebuch will die Intentionen und Wünsche des Autors auch zehn Jahre nach seinem Tod nicht der Vergessenheit anheim fallen lassen. Einerseits stellen sie den Menschen Michael Ende in einer ausführlichen Lebensbeschreibung vor, die auch auf das Schicksal seiner Eltern eingeht, das ihn sehr geprägt haben muss, ergänzt durch die Schilderungen eigener Erfahrungen mit den Autor; andererseits lassen sie ihn auch selbst durch seine Texte, Essays und Interviews ausführlich zu Wort kommen. Die einzelnen Texte und Textauszüge sind in Kapitel wie »Die erstaunliche Logik des Wunderbaren«, »Die grenzenlose Welt Phantasien« oder »Nur das Geheimnisvolle ist schön« zusammengefasst. Texte aus Erzählungsbänden stehen neben Auszügen aus Romanen wie Die unendliche Geschichte, zu einem Teil stammen sie aber auch aus dem Nachlass des Autors und sind sogar unveröffentlicht wie das Kapitel »Bastian erlernt die Zauberkunst«, das nie Eingang in das endgültige Manuskript seines erfolgreichsten Romans fand. Aber auch persönlichere Themen haben Eingang in das Buch gefunden: »Der Spiegel im Spiegel: Vater und Sohn« beschäftigt sich zum Beispiel mit dem Einfluss, den Edgar Ende, der Kunstmaler, auf seinen Sohn Michael hatte. Alle Texte zeichnen sich dadurch aus, dass sie den Geist und das Trachten des großen Autors widerspiegeln und ausführlich darstellen. Dabei wechselt schwere mit sehr leichter Kost, so dass eine große Vielfalt geboten wird. Allerdings fällt es auch schwer, das Lesebuch in einem Rutsch herunterzulesen. Insgesamt bietet Das große Michael Ende Lesebuch einen guten Überblick über das Schaffen und die Person des Autors für all diejenigen, die bisher nur wenig von ihm gelesen haben, sich aber nun mehr mit ihm beschäftigen wollen, oder die nicht genau wissen, welche seiner doch recht unterschiedlichen Werke ihnen gefallen könnten. Christel Scheja ALIEN CONTACT |
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