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| Hailsham nennt sich das Internat, in dem Kathy, Ruth und Tommy unter
rätselhaften Umständen aufwachsen. Die Kollegiaten ahnen, dass sie eine besondere
Erziehung erfahren. Sie werden zur Kreativität ermutigt und sollen auf ihre körperliche
Gesundheit achten. Ärztliche Untersuchungen, Andeutungen, ein »Spender« zu sein und die
Auswahl der besten Bilder oder Gedichte für eine unbekannte Galerie formen ein schwer zu
überschauendes Mosaik. Das Ziel ihres Daseins wird alsbald klar: Sie sind Klone, dazu
erschaffen, eines Tages ihre Organe zu spenden. Das ist ihr einziger Lebenszweck, und die
Zukunft ist bereits für jeden entschieden. Eine Lehrerin ist mit dem System so
unzufrieden, dass sie die Träume über spätere Karrieren wie Schauspieler zu
werden brutal zerplatzen lässt. Dabei wussten die Kinder alles bereits vorher,
doch aufgrund der nach und nach eingestreuten Informationen mehr unbewusst als bewusst. Später ziehen Kathy, Ruth und Tommy in eine neue Gemeinschaft und erkunden Teile Englands. Sie spekulieren, ob sie die Menschen finden können, die ihnen als »Modelle« dienten. Aber immer sind sie gefangen in ihrer Erziehung. Während Kathy Betreuerin der »Spender« wird, müssen sich ihre Freunde den ersten Operationen unterziehen. Doch es gibt das Gerücht, dass ein Aufschub möglich ist. Die einst gemalten Bilder sollen der Nachweis sein, dass die Klone ein inneres Selbst, eine Seele besitzen, somit wert sind für ein eigenes Leben. Kathy und Tommy machen sich deshalb auf den Weg zu der Person, die für die Galerie sammelte. Alles, was wir geben mussten ist ein beeindruckender Roman über Menschen, die sich einer erdrückenden Bestimmung bewusst sind. Es ist eine Geschichte aus der nahen Zukunft, die jetzt schon Gegenwart sein kann. Die einunddreißigjährige Kathy erzählt in Anekdoten über die »Normalität« ihres Alltags, dem sich ständig nähernden Ende. Sie sucht nach jenem Ort, an dem sie eine »glückliche« Kindheit verbrachte. Es ist eine überschattete Bilanz des Lebens, wie beim Butler Stevens in Ishiguros Was vom Tage übrig blieb. Obwohl oder gerade weil die dystopische Gesellschaft, das Science-Fiction-Szenario, ausgeblendet wird, ist der Roman gut gelungen. Die Lebens(un)wirklichkeit Kathys und der anderen, ihre Gefühle und Auseinandersetzungen, machen den Roman begreifbarer als Michael Bays weitaus fiktional erscheinender Actionfilm Die Insel. Aus diesem Grund fehlt eine Auflehnung gegen das System. Die Klone opfern sich für eine Gesellschaft, zu der sie auf bedrückende Weise gehören. Der Originaltitel Never Let Me Go bezieht sich auf die Internatsszene, als Kathy den Song Judy Bridgewaters hört und sich beim Tanzen wie eine Mutter bewegt, die ihr Baby hält eine Zukunft, die die damals noch junge Kathy niemals haben wird. Ulrich Blode ALIEN CONTACT |
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