Das
Expeditionsschiff Parzifal stößt auf einen erdähnlichen Planeten, dessen humanoide
Bewohner vermutlich Nachfahren von Auswanderern einer vor langer Zeit verschollenen
irdischen Raumarche sind. Die Lebensbedingungen auf dem Planeten Warén sind nicht
optimal, Wasser ist ein rares Gut, und die Menschen haben sich in einem einzigen
Gebirgstal eingerichtet. Überall sonst gibt es nur lebensfeindliche Wüste und schroffe
Bergkämme. Mit der Zeit haben sich die Menschen nicht nur der Natur Waréns anpasst und
ihr Äußeres verändert, sondern auch Psi-Fähigkeiten und, in der Isolation der kleinen
Kolonie, eine eigene Religion und strenge Kastengesellschaft entwickelt. Während die
psi-begabten Patrizier, die Jin'Ka, privilegiert in der einzigen Stadt leben und den Luxus
schöner Villen, großer Altarhallen und prächtiger Gärten genießen, müssen die
einfachen Siedler in einfachen Zeltsiedlungen in der staubigen Einöde dahinvegetieren.
Zum Zeitpunkt des Eintreffens der Parzifal erreicht der Streit zwischen Städtern und
Nomaden um die Verteilung der knappen Ressourcen einen Höhepunkt, das Raumschiff wird zum
Auslöser der bewaffneten Rebellion. In dieser Situation sieht sich der Landetrupp der
Raumfahrer gezwungen, entweder den Siedlern in ihrem gerechten Kampf gegen die sie
unterdrückende Oberschicht beizustehen oder sich als neutrale Beobachter aus allem
herauszuhalten und ihren eigentlichen Auftrag (die Terraformierung des Planeten)
durchzuführen. Das Problem der schon bestehenden Zivilisation würde sich dann
möglicherweise biologisch lösen.Die 1966 geborene Ulrike Jonack greift in ihrem
Debütroman ein häufiges Motiv deutscher Science
Fiction auf: Die Spiegelung sozialer Umbruchsituationen in die Zukunft, die sich vor
einem phantastischen Hintergrund geschichtlich unbelasteter schildern lassen. Nicht nur
auf dem fiktiven Planeten Warén ist die Welt aus den Fugen geraten, auch an Bord des
Raumschiffes Parzifal gären Konflikte. Kapitän Base und die Biologin Ines Braun sind
sich nicht grün. Der Kapitän schikaniert die Braun, wo es nur geht, und demontiert ihr
Ansehen bei der Besatzung. Da das Bordleben militärisch organisiert ist, wird die Crew
zwischen Sympathie zur Kollegin und Befehlsbefolgung hin und her gerissen. Bei der Landung
auf Warén treffen also zwei unbewältigte Konflikte aufeinander und vermischen sich
teilweise. Planetenbewohner und Raumfahrer gehen wechselseitige Koalitionen ein, das
Schicksal Waréns droht auch das der Parzifal zu besiegeln.
Ulrike Jonack hat mit Warén ein fulminantes Debüt vorgelegt, dem nach ihrer
eigenen Aussage weitere Abenteuer in der gleichen Welt folgen sollen. Darauf darf man
gespannt sein.
Siegfried Breuer ALIEN CONTACT
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