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| Der 1958 geborene Sunand Tryambak Joshi hat bislang mehr als ein Dutzend
Sachbücher und Bibliographien und unzählige Artikel geschrieben sowie zwei Dutzend
Lovecraft-Bücher herausgegeben. Er ist zweifellos einer der kundigsten Theoretiker zum
Thema Weird Fiction. Und so verfaßte er bereits 1990 sein kritisches Werk The Weird
Tale über die Horrorautoren aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Die beiden
vorliegenden Bände nun widmen sich jedoch Autoren, die nach dem zweiten Weltkrieg
veröffentlicht haben. Dabei handelt es sich jedoch eher um eine akademisch-analytische
Abhandlung als um ein Sachbuch, und es ist für den Leser von Vorteil, wenn er zumindest
einige der besprochenen Bücher gelesen hat. Der erste Band besteht aus zwei
Hauptkapiteln: »Der familiäre Schrecken« (Shirley Jackson) und »Der Fortbestand der
unheimlichen Literatur« (William Peter Blatty, Stephen King, Les Daniels, T. E. D. Klein
und Clive Barker). Der zweite Band besteht aus den Kapiteln »Die Literatur der Paranoia«
(Ramsey Campbell), »Die Alternativen zur übernatürlichen Phantastik« (Robert Bloch,
Thomas Harris, Bret Easton Ellis, Thomas Tryton, Peter Straub) und »Nebensparten der
unheimlichen Phantastik« (Robert Aickman, Anne Rice, Dennis Etchison, David J. Schow und
Thomas Ligotti). Die einzelnen Beiträge, die Mitte der neunziger Jahre verfaßt wurden, sind ursprünglich in unterschiedlichen Publikationen erschienen. Vielleicht ist dies der Grund, warum der Autor sehr unterschiedliche Kriterien in der Beurteilung der Autoren anlegt. Zum Beispiel lobt er bei Shirley Jackson, daß sie immer wieder den Schrecken in der kleinbürgerlichen Familie thematisiert, während er denselben Fakt bei Stephen King enorm bemängelt. Es ist deutlich zu bemerken, daß ihm einige Autoren mehr als andere liegen, insbesondere Shirley Jackson, Ramsey Campbell, T. E. D. Klein und Thomas Ligotti. Deren Werke werden fast ausnahmslos über die Maßen gelobt, während er konstatiert, daß die erfolgreichen Bestsellerautoren wie Stephen King, Clive Barker und Anne Rice so gut wie nichts Innovatives zur Horrorliteratur beigetragen haben. Bevor nun aber King- und Barker-Fans empört aufschreien, hier gleich ein Zitat von Joshi aus einem Interview auf der Verlags-Homepage: »Das altbekannte Sprichwort Jeder Leser ist ein Kritiker ist völlig verkehrt: Tatsächlich sind sehr wenige Menschen (hauptberufliche Kritiker eingeschlossen) Kritiker -- sehr wenige Menschen besitzen den Geschmack und die Urteilsfähigkeit, um Literatur von Lohnschreiberei zu unterscheiden. Die deutliche Mehrzahl unter den Menschen ist unfähig, ein Werk nach seinen literarischen Verdiensten zu beurteilen, weil sie keine Übung darin haben und weil ihnen überdies der nötige ästhetische Geschmack abgeht.« Im bibliographischen Teil der beiden Bände sind leider keine deutschen Titel zu den Originalen genannt; das hätte das Auffinden der besprochenen Bücher in Buchhandlungen und Antiquariaten deutlich erleichtert. Insgesamt jedoch sind diese beiden Bände zweifellos die bisher umfangreichste und fundierteste Untersuchung der Entwicklung des Horrorgenres. Auch wenn man vielleicht nicht immer mit der Meinung des Autors übereinstimmt, so macht er doch auf zahlreiche Werke neugierig. |
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