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Boris
Koch ist gleichzeitig Herausgeber und Autor des vorliegenden Buches. Sicher wird dies
Skepsis hervorrufen, denn vielleicht ist der Herausgeber unkritisch gegenüber dem Autor
Koch? Man darf beruhigt sein!Das Vorwort ist gar keines, keines im klassischen Sinne, sondern eine eigene kleine Geschichte über die Geschichtenfischer, die am Meer sitzen, die Angel auswerfen und die Geschichten ans Land holen. »Das Kästchen« ist die Büchse der Pandora, die sie einem Menschen unserer Zeit, einem studierenden Loser, zur Aufbewahrung übergibt, nachdem sie ihn nach Strich und Faden verführt hat. Doch kann dieser der Versuchung widerstehen, das Schächtelchen zu öffnen, auch wenn ihn Alpträume plagen, die ihn nötigen, sich daran zu vergreifen. Er besteht die bösartige Prüfung der Götter und erhält seinen Lohn. -- Eigentlich handelt es sich um ein Märchen, das jedoch rasant und modern erzählt ist. »Howard« ist der junge Lovecraft, der schon als Kind seinen seltsamen Träumen nachhängt. Diese erhalten neuen Nährstoff durch den Besuch seines totgeglaubten Vaters, der ihn vor genau den Traumgestalten warnt, die ihm nächtens begegnen. Eine wundervolle Studie über eine introvertierte Seele, ein Meisterstück im Fach psychologischen Einfühlungsvermögens! In »Die Stadt der lebenden Toten«, der längsten Erzählung des Bandes, schlägt der Autor einen weiten Bogen, auch wenn es anfangs nicht danach aussieht. In die belanglos erscheinenden Liebesbemühungen unseres Helden bricht eine erschreckende Horrorwelt, die aus einem Spiel übernatürlicher Wesen resultiert. Die Geschichte beginnt mit zwischenmenschlichem Geplänkel und endet in einer fulminanten Fantasy-Saga, aus der andere Autoren sicher dicke Romane gezimmert hätten. Kann man sicherlich machen, aber es gehört eine gehörige Portion Können dazu, solche Entwürfe in knappe Sätze zu fassen. »Gottes Zeichen« ist ein Muttermal unter der Brust eines religiösen Fanatikers, der seine sexuellen Frustrationen und Triebe nicht unter Kontrolle bekommt und auf der Jagd nach Satan diesem -- dieser ... -- erliegt. Der bösartigste Text des Bändchens ... »Der Tote im Maisfeld« verunsichert einen Jungen. Doch am Ende scheint sich alles in Luft aufzulösen. Hier findet der Horror in der Vorstellung des Jungen statt; und wie in »Howard« brilliert die Geschichte durch ihre absolut gekonnten Personencharakterisierungen und den »menschlichen Hintergrund«, der hier in keiner Weise redundant erscheint. Insgesamt findet der geneigte Leser in diesem Band eine Melange aus spannender Unterhaltung und guter, phantastischer Literatur mit raffinierten Einfällen. Thomas Hofmann ALIEN CONTACT |
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