ALIEN CONTACT
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Leo Lukas

Wiener Blei

Shadowrun 41 • 1998

Science Fiction > Alien Contact
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Das Wien des Jahres 2058 stellt sich als geschlossene Welt dar, deren Bewohner, gemäß ihrem Besitz und ihrer gesellschaftlichen Stellung, sämtlich einer bestimmten Hierarchie zugeordnet sind, der man nur schwer entrinnen kann. Am schlimmsten erwischt es die Underdogs, die tagtäglich in den »Vereinigten Wohnparks« einen Kampf auf Tod und Leben gegeneinander ausfechten, um auch nur das Lebensnotwendigste zu bekommen. Davon ist in den Palästen der Reichen natürlich nichts zu merken, ihr Wohlstand basiert auf dem Elend der anderen. Die Reichen fechten ihre Fehden mit Hilfe von »Shadowrunnern« aus, Gruppen freischaffender Hacker und Cyperpunks, die Industriespionage im Netz betreiben und den Cyperspace der grauen Wirklichkeit der Slumgefängnisse vorziehen.

Es ist die Welt des alten Hellsehers Gottfried Donner und seiner Freundin Escher, des Orks Pepi (der über die seltene Gabe verfügt, Magie faktisch zu neutralisieren), die Welt der Spionin Zizibee, der Feuerblume Raya und der Söldnertruppe des Cyborgs Superfritz. Über der Stadt braut sich indes Finsteres zusammen, ein dubioses Konsortium greift nach der Macht und scheut dazu keine Mittel. Das titelgebende »Wiener Blei«, eine geheimnisumwitterte Substanz, spielt eine wichtige Rolle, die einen haben es, die anderen wollen es unbedingt in ihren Besitz bringen. Auf getrennten Wegen streben unsere Helden dem Hochschwab-Massiv in der Steiermark entgegen, wo eine der Quellen der Wiener Wasserversorgung entspringt. Eine Parodie auf heutigen Wahnwitz reiht sich an die andere, kaum etwas bleibt vom schwarzen Humor des Autors verschont, seien es nun die »Hochschwabrebellen« des Subcommandante Mirror mit ihren sinnentleerten revolutionären Ritualen, MET-›Friedenstruppen‹, die keiner Kriegserklärung bedürfen, oder eine scheinheilige Priesterkaste, die im »Gelobten Land« Mariazell ein katholisches Talibanregime errichtet. Die entscheidende Schlacht am Hochschwab gerät zu einem abschließenden und furiosen Feuerwerk der Phantasie und zum genauen Gegenteil heroischer Stahlgewitter. Das Ende hingegen bleibt offen, vielleicht war es nicht das letzte Abenteuer des Antimagiers Pepi, denn dem Gesetz der Serie kann sich auch ein Leo Lukas nicht entziehen.

Am Anfang steht immer der Zweifel: Lohnt es sich wirklich, den x-ten Band einer Endlos-Serie zu lesen, oder entsorgt man ihn am besten gleich in der Gut-Gemeint-Kiste? Diesmal hat die Mühe gelohnt. Wiener Blei, der 41. Band des Shadowrun-Zyklus, ist kein beliebiges Lesefutter, sondern spannend, gut erzählt und voller genialer Einfälle. Der Autor zeichnet darin das zukünftige Bild der Stadt Wien, wie es manche Entwicklung der Gegenwart befürchten läßt - vermischt mit bunten Fantasy-Gestalten, die Skurrilität und Magie einbringen und dennoch nicht fehl am Platz wirken. Moderne Technik und Medizin sind für den Normalbürger ohnehin bereits heute eine Form der Magie, undurchschaubar und in einer Art Geheimcode verschlüsselt, dessen Sinn sich nur den Wissenschaftlern erschließt. Der Abschied aus der Gutenberg-Galaxis bedeutet für die Informationsgesellschaft viele kleine dritte Welten neben den Bezirken der Privilegierten und Eingeweihten. So auch im futuristischen Wien, das seinen nostalgischen Charme - von Leo Lukas mit hintergründigem Wortwitz in die Handlung eingebracht - mit einer magisch-technischen Cyperpunk-Dystopie mischt.

• Fred Siebert • ALIEN CONTACT

Originalausgabe:
Leo Lukas, Wiener Blei (Shadowrun 41)
(Erkrath: Fantasy Productions, 1998) 3-8118-5484-4 Bestellen
360 Seiten
Neuausgabe:
Leo Lukas, Wiener Blei (Shadowrun 41)
(München: Heyne, 2001) [06/6141] 3-453-18772-5 Bestellen
Titelbild: Donato Giancola, 348 Seiten
Leser-Service:
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