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| Ein halbes Jahrhundert in der
Zukunft hat die Menschheit endgültig jeglichen gemeinsamen Zusammenhalt verloren. Schuld
daran ist der Dritte Weltkrieg, der besonders Großbritannien schwer getroffen hat. Das
Land ist in Blöcke aus rechten Nationalisten, religiösen Fundamentalisten,
Homosexuellen, Technikfeinden und Neokommunisten aufgespalten, die versuchen, in ihren
winzigen Enklaven eigene Staaten aufzubauen. Die eigentliche Kontrolle übt jedoch das
norddeutsche Hannoveranerregiment aus. Die USA und die UN bemühen sich verzweifelt,
Großbritannien mit Hilfe orbitaler Kampfstationen vor Verelendung und neuen Konflikten zu
bewahren. Durch dieses Chaos begleitet der Leser vier Protagonisten auf der Suche nach
einem besseren Leben. Da ist Moh, Neokommunist und Söldner, dessen Vater aus Angst vor
der Apokalypse ein Programm zum Wiederaufbau der menschlichen Gesellschaft entwickelte.
Als Moh bei einem Angriff auf eine Universität seine Ex-Geliebte Catherine gefangennimmt
und ohne ein Lösegeld freiläßt, verstößt er gegen die Regeln der Söldnerzunft. Damit
hat er es sich nicht nur mit Catherine, sondern auch mit deren Auftraggebern verscherzt,
die nun auf Rache sinnen. Und da ist die Universitätsassistentin Janis, die eines Tages
ihr Labor zerstört vorfindet und genötigt wird, ihre Versuche abzubrechen. Zusammen mit
Moh flieht sie nach North London Town. Dorthin ist auch Jordan unterwegs -- nachdem er von
einem mythischen Computervirus namens Schwarzer Plan bestochen wurde und einen Systemcrash
verursacht hat. Ken MacLeod beeindruckt mit seinem Debütroman vor allem als großer Stilist. Mit treffenden Sätzen vermag er es, dem Leser sowohl die bedrückende Umgebung als auch das Innenleben seiner Protagonisten zu vermitteln. Daneben wartet der Autor mit etlichen politischen Weisheiten auf, ohne daß der Roman dadurch überfrachtet wirkt. Außerdem überzeugt MacLeod durch die Darstellung der zerrissenen Gesellschaft als großer Weltenschöpfer. Besonders beeindruckend ist die Schilderung der christlichen Fundamentalisten sowie der Homosexuellen-Enklaven. Durch geschickt plazierte Hinweise erfährt der Leser auch, was außerhalb Großbritanniens vor sich geht. Glücklicherweise verzichtet der Autor auf lange historische Abrisse über den Dritten Weltkrieg, so daß es der Phantasie des Lesers überlassen bleibt, was vorgefallen ist. Nur eines steht fest: Afghanistan spielte eine wichtige Rolle. Zuletzt empfiehlt sich MacLeod seinem Publikum als Ideenautor: Die wahre Hoffnung jener zukünftigen Gesellschaft ruht auf künstlichen Intelligenzen, die einen virtuellen Krieg ausfechten. Ihr Ziel ist es, nachhaltigere Veränderungen zu bewirken, als es den Menschen möglich ist. Dieser im Grunde grandiose Einfall wirkt jedoch zu wenig ausgearbeitet. So scheint es, daß das Buch in der Mitte zwischen soziologischer Science Fiction à la John Brunner und Norman Spinrad sowie einem Cyberpunk-Roman à la William Gibson und Bruce Sterling steckengeblieben ist. Auch kann der Autor nicht durch große Erzählkunst beeindrucken: Im Mittelteil weist Das Sternenprogramm einige Längen auf. Dafür überstürzt sich die Handlung auf den letzten, martialischen 100 Seiten so sehr, daß es eines 20-seitigen Epilogs bedarf, um die Hintergründe zu erhellen. Außerdem war es nicht besonders klug von MacLeod, eine Action-Szene an den Anfang des Buches zu stellen. Der Roman läuft auf diese Weise Gefahr, vom Leser bereits auf den ersten Seiten als Trivialliteratur abgestempelt zu werden. Das Sternenprogramm muß man nicht gelesen haben. Dennoch lohnt es sich, nach Ken MacLeods nächstem Roman Ausschau zu halten. Vielleicht ist aus dem großen Stilisten bis dahin auch ein großer Fabulist geworden. Gregor Jungheim ALIEN CONTACT |
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