ALIEN CONTACT
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George R. R. Martin

Die Flamme erlischt

Dying of the Light • 1977

Science Fiction > Alien Contact
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Der Autor baut am Anfang seines ersten Romans ein Szenario auf, das in der Science Fiction nicht alltäglich ist. Dirk t’Laren wird durch ein ihm überbrachtes Juwel alarmiert, dass seine einstige Geliebte Gwen in Gefahr schwebt. Er begibt sich auf den Planeten Worlorn, eine Welt am Rande der Milchstraße, deren glanzvollen Tage lange vorüber sind. Dort wurde vor einiger Zeit ein Festival veranstaltet, mit dem die vierzehn galaktischen Randwelten Überfluss und Macht demonstrieren wollten. Zu diesem Zweck wurden von jeder Welt, die an dem Festival teilnahm, ganze Städte errichtet, die zu dem Zeitpunkt, als t’Laren eintrifft, tot und verlassen sind. Gwen, t’Larens Jugendliebe, empfängt ihn und führt ihn während der ersten Tagen durch die untergehenden Städte.

Der Autor hat so einerseits die Möglichkeit, bizarre Kulturen zu präsentieren, aber auch eine Stimmung der Stagnation und des Untergangs heraufzubeschwören, die wesentlich für den Eindruck des Romans ist. Nach und nach erfährt t’Laren (und mit ihm der Leser), welche Kultur auf Worlorn existiert und wie sie sich entwickelt hat. Nach einem galaktischen Krieg zerfiel die Vereinigung der Planeten, das Bundesreich, und eine finstere Zeit der Isolation ohne Raumfahrt, das Interregnum, trennte die Welten voneinander. t’Laren lernt auch die Historie von Worlorn kennen, wo lange nach der Besiedelung furchtbare Seuchen ausgebrochen sind, die 95 Prozent der Männer und 99 Prozent der Frauen hinweggerafft haben. Durch den Frauenmangel entstanden gesellschaftliche Strukturen, die sich von unseren Vorstellungen von Familie grundlegend unterscheiden - so genannte Festhalte, eine Art Zwischending zwischen Familie und Nation. Männer haben für gewöhnlich einen teyn, also ein auf Lebenszeit geschlossenes, gleichgestelltes Verhältnis zu einem anderen Mann. Weiterhin gehört zu dieser Bindung für gewöhnlich eine betheyn, eine Haltfrau, die mit beiden Männern zusammenlebt. So wurde der Frauenmangel kompensiert. Allerdings wurden Frauen dadurch auch zu ewig schwangeren Gebärmaschinen degradiert. Gwen, Dirk t’Larens Jugendliebe, ist - ohne die Einzelheiten dieser in ihren Konventionen erstarrten Kultur zu kennen - die betheyn von Vikary, einem fortschrittlich eingestellten Edlen von Hoch Kavalaan, geworden. Gleichzeitig ist sie aber auch die betheyn des konservativen Garse, den sie nicht liebt.

t’Laren erscheinen die Verhältnisse, in denen Gwen lebt, erniedrigend und ungerecht und ohne tiefere Kenntnisse des Ehrenkodex von Worlorn bschließt er, sie zu entführen. Zu diesem Zweck will er einen Gleiter besorgen, wird dabei jedoch von den Eigentümern ertappt, die ihn zum Duell fordern. Allen Beteiligten ist klar, dass t’Larien ein solches Duell keinesfalls überleben, sondern ehrenvoll sterben würde. Er erscheint nicht zum Duell, sondern flieht. Die zweite Hälfte des Buches schildert seine Flucht durch die exotische Landschaft Worlorns sowie äußerst dramatische Verwicklungen in den Beziehungen der Protagonisten zueinander, bis hin zu einem actionreichen und blutigen Finale.

George R. R. Martin gelingt es dabei, Geschwindigkeit und Dramatik der Handlung im Laufe des Buches noch zu steigern und trotzdem die zentrale Thematik, die Ehre, nicht zu vernachlässigen. Besonders interessant ist auch die geschilderte Flora und Fauna auf Worlorn, die ähnlich dem irdischen Urwald beschrieben wird, jedoch gefährliche Bäume und exotische wilde Tiere beherbergt, wie sie nur ein phantasievoller SF-Autor erfinden kann - zum Beispiel die Banshee, fliegende Raumtiere, die ihre Opfer mit ihren schwarzen Schwingen einhüllen und sofort verdauen.

An wenigen Stellen des Romans bemerkt man, dass Martin in der Romanform noch ungeübt war und einige Passagen, in denen die Geschichte und Traditionen der Festival-Planeten erläutert werden, sind zu lang geraten, die Romanhandlung im Ganzen entschädigt jedoch dafür. - Übrigens wurde Dying of the Light für den Hugo nominiert, konnte sich jedoch nicht gegen Gateway von Frederik Pohl durchsetzen.

Hardy KettlitzALIEN CONTACT

Originalausgabe
George R. R. Martin, Dying of the Light (1977)
lieferbare engl. Ausgabe
George R. R. Martin, Dying of the Light
(London: Gollancz, 2000) Bestellen
dt. Erstausgabe
George R. R. Martin, Die Flamme erlischt
(München: Droemer Knaur, 1978)
Neuausgabe
George R. R. Martin, Die Flamme erlischt
(Erkrath: Fantasy Productions, 2003) Bestellen
dt. von Werner Fuchs, Titelbild von Franz Vohwinkel, 337 Seiten, Hardcover
Neuausgabe
George R. R. Martin, Die Flamme erlischt
(München: Blanvalet, 2006) [24318] Bestellen
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Lieferbare Titel von George R. R. Martin
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