| Die Mitglieder eines Mainzer Frauenstammtisches werden von erotischen
Träumen heimgesucht, in denen ihre verstorbenen Ehemänner und Liebhaber auftauchen.
Derweil ist Arnold-Chesterton-Barth, die zentrale Figur des Romans, in eine Dimension
übergegangen, in der andere Gesetze von Raum und Zeit herrschen. Von dort streckt er
seine Fühler nach Jerry Christmann aus, dem Agenten einer Wissenschaftsgesellschaft, um
auch ihn in seine Dimension zu holen. An der Carnegie Mellon University in den USA bemerkt
ein Doktorand unterdessen, daß einige Computer Botschaften aus einer fremden Dimension
erhalten in Primzahlen verschlüsselt. Als die Damenclique nach den Hinterbliebenen
einer Gruppe von Physikern forscht, die einst auf mysteriöse Weise ums Leben kamen,
entsteht allmählich ein Zusammenhang zwischen den Ereignissen. Zweifellos gelingt es
Timothy McNeal, die auf mehreren Erzählebenen gelagerten Handlungsstränge zu einer
kurzweiligen Story zu verbinden auch deshalb, weil die Joyceschen
Bewußtseinsstrom-Kapitel, wie sie in jedem seiner Bücher auftauchen, diesmal stark
reduziert sind. Dies ist aber auch schon das einzige Verdienst des Romans. Ansonsten ist
er voller Bettszenen, die weniger den Träumen der Protagonistinnen als vielmehr seltsamen
Männerphantasien zu entstammen scheinen. Jerry Christmann entwickelt sich gar zum
überlebensgroßen Weiberhelden, der drei Frauen gleichzeitig befriedigt.
Darüber hinaus ist das Buch eine große Herausforderung an das Gedächtnis der Leser.
Nur die genaue Kenntnis der ersten vier Bände ermöglicht es, die Ereignisse des Buches
richtig einzuordnen. Wer sie nicht kennt, wird sich kaum zwischen den vielen Personen und
ihren spirituellen sowie sexuellen Beziehungen zurechtfinden zumal man erst in der
Mitte des Romans eine Zusammenfassung der bisherigen Ereignisse serviert bekommt. Zudem
erscheint das Buch über große Strecken als ein bloßes Revival seiner vier Vorgänger.
Ein neuer Impuls kommt zwar durch das Thema Parallelwelten hinzu, dessen Ausarbeitung
jedoch im Ansatz steckenbleibt. Interessant ist nur die Darstellung der als Limbus
die »RaumZeit der UnToten« beschriebenen Dimension, in der sich
Arnold-Chesterton-Barth befindet. Dies allein reicht aber noch nicht für ein gutes Buch,
besonders, wenn diese Idee in einer Geschichte dargeboten wird, die es nicht wert ist,
erzählt zu werden.
Gregor Jungheim ALIEN CONTACT
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