| Jahrtausende in der Zukunft ist die Menschheit in zwei Gruppen gespalten: Auf
der einen Seite stehen die sternfahrenden Rykashaner, die sich mittels hochentwickelter
Nanotechnologie zu Superwesen mit verschärften Sinnen und außergewöhnlichen
Fähigkeiten entwickeln. Diese Technik wird jedoch auch dazu verwandt, aus der
Gesellschaft einen Überwachungsstaat zu machen, der dem einzelnen die Möglichkeit nimmt,
sich zwischen Recht und Unrecht zu entscheiden. Im Angesicht des Fortschritts haben die
Rykashaner den Glauben an eine höhere Macht verloren und behandeln religiöse Menschen
wie Aussätzige. Die Kultur von Dorcha verfügt dagegen über eine vergleichsweise
einfache Technologie. Ihre Grundlage ist die Philosophie des Dzin. Viele Autoren hätten
aus diesem Stoff ein gigantisches Weltengemälde gemacht. L. E. Modesitt jr. zieht es vor,
eine sehr persönliche Geschichte zu erzählen quasi als Gegenstück zu seinem
opulenten Recluce-Zyklus. Entstanden ist das seltene Exemplar eines
futuristischen Entwicklungsromans, in dessen Mittelpunkt der Ich-Erzähler Tyndel steht.
Tief mit der Kultur Dorchas verwurzelt, wird er zum Dzin-Meister ausgebildet und geht in
seinem Beruf auf. Eines Tages wird er jedoch hintergangen und selbst nanotechnisch
verändert. Tyndel gilt nun als Dämon, muß vor seinen Mitmenschen fliehen und verliert
alles, was ihm etwas bedeutet. Die Rykashaner retten Tyndel und vollenden seine
Verwandlung. In ihrem kapitalistischen System verlangt ein solcher Dienst jedoch eine
Gegenleistung. So hat Tyndel keine andere Wahl, als sich in die ihm verhaßte Gesellschaft
zu integrieren und nach einer Aufgabe zu suchen. Schließlich bricht er auf, um ein Wesen
zu finden, das Engee genannt und als Gott verehrt wird.
Mit Spannung und Anteilnahme verfolgt der Leser Anfang und Schluß des Buches. Trotz
der zeitlichen Distanz wirken Modesitts Figuren mit all ihren Hoffnungen und
Selbstzweifeln seltsam vertraut. Das Finale hat zwar nicht die mythische Qualität eines
Arthur C. Clarke, trifft aber dennoch wichtige Aussagen über das menschliche Streben nach
Wissen und Macht. Weniger gelungen ist der Mittelteil des Romans: Mit Liebe zu
detaillierten Schilderungen beschreibt der Autor den Werdegang Tyndels, der alles andere
als geradlinig verläuft. Die unzähligen Diskussionen über die Vor- und Nachteile
Dorchas und Rykashas beleuchten zwar auch unsere Gesellschaft kritisch, lassen jedoch
einen erhobenen Zeigefinger durchschimmern. Zudem bleiben am Ende viele Fragen offen. So
läßt Schwerkraftträume trotz seiner großen Ambitionen den Leser mit
gemischten Gefühlen zurück.
Gregor Jungheim ALIEN CONTACT
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