ALIEN CONTACT
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L. E. Modesitt jr.

Schwerkraftträume

Gravity Dreams • 1999

Science Fiction > Alien Contact
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Jahrtausende in der Zukunft ist die Menschheit in zwei Gruppen gespalten: Auf der einen Seite stehen die sternfahrenden Rykashaner, die sich mittels hochentwickelter Nanotechnologie zu Superwesen mit verschärften Sinnen und außergewöhnlichen Fähigkeiten entwickeln. Diese Technik wird jedoch auch dazu verwandt, aus der Gesellschaft einen Überwachungsstaat zu machen, der dem einzelnen die Möglichkeit nimmt, sich zwischen Recht und Unrecht zu entscheiden. Im Angesicht des Fortschritts haben die Rykashaner den Glauben an eine höhere Macht verloren und behandeln religiöse Menschen wie Aussätzige. Die Kultur von Dorcha verfügt dagegen über eine vergleichsweise einfache Technologie. Ihre Grundlage ist die Philosophie des Dzin.

Viele Autoren hätten aus diesem Stoff ein gigantisches Weltengemälde gemacht. L. E. Modesitt jr. zieht es vor, eine sehr persönliche Geschichte zu erzählen – quasi als Gegenstück zu seinem opulenten Recluce-Zyklus. Entstanden ist das seltene Exemplar eines futuristischen Entwicklungsromans, in dessen Mittelpunkt der Ich-Erzähler Tyndel steht. Tief mit der Kultur Dorchas verwurzelt, wird er zum Dzin-Meister ausgebildet und geht in seinem Beruf auf. Eines Tages wird er jedoch hintergangen und selbst nanotechnisch verändert. Tyndel gilt nun als Dämon, muß vor seinen Mitmenschen fliehen und verliert alles, was ihm etwas bedeutet. Die Rykashaner retten Tyndel und vollenden seine Verwandlung. In ihrem kapitalistischen System verlangt ein solcher Dienst jedoch eine Gegenleistung. So hat Tyndel keine andere Wahl, als sich in die ihm verhaßte Gesellschaft zu integrieren und nach einer Aufgabe zu suchen. Schließlich bricht er auf, um ein Wesen zu finden, das Engee genannt und als Gott verehrt wird.

Mit Spannung und Anteilnahme verfolgt der Leser Anfang und Schluß des Buches. Trotz der zeitlichen Distanz wirken Modesitts Figuren mit all ihren Hoffnungen und Selbstzweifeln seltsam vertraut. Das Finale hat zwar nicht die mythische Qualität eines Arthur C. Clarke, trifft aber dennoch wichtige Aussagen über das menschliche Streben nach Wissen und Macht. Weniger gelungen ist der Mittelteil des Romans: Mit Liebe zu detaillierten Schilderungen beschreibt der Autor den Werdegang Tyndels, der alles andere als geradlinig verläuft. Die unzähligen Diskussionen über die Vor- und Nachteile Dorchas und Rykashas beleuchten zwar auch unsere Gesellschaft kritisch, lassen jedoch einen erhobenen Zeigefinger durchschimmern. Zudem bleiben am Ende viele Fragen offen. So läßt Schwerkraftträume trotz seiner großen Ambitionen den Leser mit gemischten Gefühlen zurück.

• Gregor Jungheim • ALIEN CONTACT

Originalausgabe
L. E. Modesitt jr., Gravity Dreams
(New York: TOR Books, 1999)
lieferbare engl. Ausgabe
L. E. Modesitt jr., Gravity Dreams
(London: Orbit, 2000) 1-85723-974-1
dt. Erstausgabe
L. E. Modesitt jr., Schwerkraftträume
(München: Heyne, 2002) [06/6393] 3-453-19662-7 Bestellen
deutsch von Walter Brumm, Titelbild von Jim Burns
Leser-Service:
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