| Jeglicher Versuch, die Handlung des Dosenbuches kurz zu umreißen,
würde der Absicht des Autors entgegenstehen. Es wäre das vergebliche Bemühen, einer
chaotisch dahintreibenden Geschichte einen Sinn zu geben, den sie weder hat noch anstrebt!
Wer also den steinigen Weg gehen möchte, mag sich die ganzen 178 Seiten antun und oft
darüber verzweifeln, daß sich die Handlung jedem rationalen Ordnungsbegehren widersetzt.
Man ist jedoch besser beraten, seine geistige Gesundheit zu schonen und das ganze Werk als
die raffinierte Kunstaktion zu betrachten, die es in Wirklichkeit darstellt: Nicht der
Roman - so man die überdrehte Story um die Ritter der Schwafelrunde, ein(ig)e unmögliche
Geschichte(n) und Michael Oefner höchstselbst einen solchen nennen kann - ist das
wirklich Wichtige, sondern die ganze Komposition aus Buch, Beipackzettel und der Dose! Diese Dose steht für sich, schwarz mit rotem Deckel
und einem opulenten Etikett. Dabei könnte man es belassen, denn bereits der Deckel
verrät, was man nach Meinung des Autors für sein Geld erhält: »41,5% Surrealismus,
17,7% Sciencefiction, 15,1% Überraschung, 10,2% Märchen und Sagen, 7,3% Übertreibung,
1,4% blanker Unsinn, 0,6% nackte Tatsachen und 0,1% Zeitverschwendung«. (Das mit der
Zeitverschwendung ist bei weitem untertrieben!)
Der Waschzettel mahnt ausdrücklich den nur visuellen Konsum des Doseninhaltes an, also
ansehen, nicht lesen! Wer sich daran nicht hält, sollte sich hinterher nicht beklagen.
Das Buch selbst ist eine Broschur mit praktischer Ringbindung und einem Covertext, der an
der Motivation des Autors keinerlei Zweifel läßt: »Die kuriose Geschichte vom 32.
Dezember, die nicht wahr ist, geschweige denn sein wird und trotzdem irgendwie den
Tatsachen entspricht. Von, mit und wegen Michael Oefner«. Nun aber das Entscheidende: Das
Dosenbuch existiert aus einem einzigen Grund: Weil es Michael Oefner so wollte und
niemand ihn daran gehindert hat. Es hat keinen anderen Sinn, als seine bloße Existenz.
Darüber hinaus ist es die so ziemlich verrückteste Idee, die den Rezensenten seit langer
Zeit erheitern konnte - und noch dazu vom Künstler optimal umgesetzt. Es spielt
überhaupt keine Rolle, ob man sich als Leser mit dem skurrilen Inhalt dieser Dose
anfreunden kann, in diesem Fall zählt vor allem anderen das Gesamtkunstwerk.
W. Pankow ALIEN CONTACT
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