ALIEN CONTACT

Carlos Rasch

Asteroidenjäger

1961

Science Fiction > Alien Contact
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Es ist nicht einfach, ein Buch zu beurteilen, das vor vierzig Jahren geschrieben wurde. Möglich ist es nur, wenn man es im Spiegel seiner Zeit betrachtet. Mit dem Jahr 1961 verbinden sich weniger optimistische Zukunftsvisionen, als vielmehr der Bau der Berliner Mauer und die endgültige Abschottung der DDR, die erst mit der 'Herbstrevolution' 1989 endete. 1961, das bedeutete in der DDR auch das vorläufige Ende einer literarischen Zukunftssicht, die nicht in politisch-militärischen Blöcken dachte oder den kalten Krieg in den Weiten des Raumes austrug. Fortan war die wissenschaftlich-phantastische Literatur auf den 'Großen Bruder' gepolt, die lichte Zukunft schon gewollt, aber doch nur unter Führung der Sowjetunion und ihrer heldenhaften Menschen - von der Sowjetunion lernen, hieß siegen lernen! Das war eine Zeitlang Leitfaden der verantwortlichen Lektoren in den Verlagen und mithin Maßregel für die Autoren, wenn sie Wert darauf legten, ihre Texte auch zu veröffentlichen. Jahre später meldeten sich wieder kritischere Stimmen zu Wort, oft zwischen den Zeilen. Eine Spezialität der DDR-SF, die unter anderem dazu führte, daß man manchmal etwas in einen Text hineinlesen wollte, der vielleicht gar nicht so kritisch angelegt war.

Doch zu Carlos Rasch und den Asteroidenjägern: Die Erzählung stellt eine technische Raumfahrt-Utopie dar, die ganz vom Gedanken humanistischer Völkerverständigung zwischen den Sternen getragen wird. Das führt fast unvermeidlich zu einem Pathos und Heldenmut, der heute etwas eigentümlich anmutet. Der Nachteil von Helden ist schließlich auch der, daß sie zumeist ihr Leben für eine große Idee opfern müssen oder es sogar freiwillig tun. Dieses Opfer wissen ihre Nachkommen oft nicht zu schätzen oder münzen es um in falsches Märtyrertum.

Den titelgebenden Asteroidenjäger AJ 308 muß man sich als kosmisches Patrouillenboot vorstellen, das den Raum der Erdumlaufbahn um die Sonne von Meteoriten reinigt und neuentdeckte Asteroiden mit Funkfeuern versieht, damit sie die Raumfahrt nicht gefährden. Die international zusammengesetzten Besatzung hat eine halbmilitärische Struktur, ein in der Science Fiction bekanntes Szenario. Die Vorstellung eines allzu zivil geprägten Lebens an Bord von Raumschiffen und -stationen stellt ja auch jetzt noch die Ausnahme dar. Ungewöhnlich für einen DDR-SF-Roman jener Zeit ist, daß der Autor den Posten des Kommandanten nicht mit einem russischen Protagonisten besetzt hat, wenngleich mit dem sowjetischen Professor Mirsanow selbstverständlich auch ein Russe an prominenter Stelle mitwirkt.

Der AJ 308 ist Teil einer ganzen Flotte 'Müllmänner'. Die Mission gestaltet sich nicht sonderlich aufregend und die Schilderung des Bordalltags wird zudem in weiten Teilen technisch dominiert, wenngleich es auch einige persönliche Episoden zwischen Besatzungsmitgliedern gibt. Eine jähe Wende erfährt die Story mit der Auffindung des Wracks eines Forschungsschiffes, der ASTRONAUTIC, dessen Crew vor ihrem Ableben noch den Funkkontakt zu einer außerirdischen Zivilisation herstellen konnte. Hier kommt das o. g. Heldenmotiv voll zum Tragen und zudem ein neuer Aspekt, die Prä-Astronauten-Theorie, die das ganze frühe Werk Carlos Raschs in der Folge stark beeinflussen sollte. Die Eridanier haben die Entwicklung der Menschheit – abgesehen von einer Landung auf der Erde vor 5000 Jahren - schon lange aus der Ferne aufmerksam verfolgt, sie mischen sich aber nicht in die Entscheidungen der Menschen ein. Ihr Funkspruch kann der Schlüssel in eine neue Zukunft sein, in der die Menschheit Teil der interstellaren Gemeinschaft vernunftbegabter Zivilisationen wird.

Asteroidenjäger war das schriftstellerische Debüt des damals 29jährigen Carlos Rasch und beinhaltete bereits alle humanistischen und zukunftsoptimistischen Grundmuster, denen er bis zum heutigen Tag treu geblieben ist. Freilich darf man ihm auch eine gewisse Naivität und Technikgläubigkeit attestieren, der 'neue Mensch' muß eine Fiktion bleiben, nur im Märchen sind die Menschen bisweilen edel, selbstlos und gut. In den 60er bis Mitte der 70er Jahren lag Rasch mit seinen positiven Utopien in der Lesergunst vorn, seine phantastischen Erzählungen und Romane stehen für eine Zeit des sozialistischen Aufbruchs, in der alles noch möglich schien. Dem Trend zur allgemeinen Schwarzseherei und dystopischen Überfrachtung in der deutschen Phantastik mochte er sich aber nicht mehr anzuschließen. So kann Carlos Rasch heute als einer der Klassiker der Science-Fiction-Literatur der DDR gelten, dessen Werke freilich nur noch einem kleinen Kreis von Lesern und Sammlern ein Begriff sind.

Siegfried BreuerALIEN CONTACT

Carlos Rasch:
Asteroidenjäger (Berlin: Verlag Neues Leben, 1961)
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