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Alien Contact Buch-Tips |
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| Der Titel nimmt leider bereits vieles vorweg, denn es geht in alpha
Centauri in der Tat primär darum, den Menschen neue Welten zu erschließen, nachdem
unbemannte Sonden die Vergeblichkeit solcher Bemühungen auf den Planeten und Monden
unseres Sonnensystems nachgewiesen haben. In Gluthöllen und Eiswüsten lebt es sich
schlecht. Fritz Reichert versucht sich nun an der Quadratur des Kreises, er will einen
unterhaltsamen und doch wissenschaftlich-technisch fundierten Roman schreiben. Die
üblichen Science-Fiction-Abenteuer
erschienen ihm zu unglaubhaft - viel Fiction, kaum Science. Damit nähert er sich
zwangsläufig der Ingenieur-Phantastik, die sich in filigranen Einzelheiten der Technik
und ausschweifenden wissenschaftlichen Exkursen ergeht. Diese Gefahr besteht im Falle von alpha
Centauri allerdings nur dann, wenn man die im ausführlichen Glossar erläuterten
Hintergründe während der Romanlektüre nachschlägt. Die Artikel stellen auch im
Nachhinein eine lohnende Wissensquelle dar. Mitte des 21. Jahrhunderts verändern sich die Lebensumstände der Menschheit grundlegend. Die UNO zerbricht in die drei konkurrierende Nachfolge-Organisationen UNP (Vereinte Nationen des Pazifischen Raums), UNA (Vereinte Nationen der Atlantik-Anrainer) und UNI (Vereinte Nationen der Eismeere und erkalteten Kontinentalregionen). Die alten Machtblöcke existieren nicht mehr, das Militär hat ausgedient. Die Kernfusion löst die fossilen Energieträger ab, und durch die Telomer-Therapie wird ewige Jugend möglich. Damit geht eine wesentlich erhöhte Lebenserwartung einher, denn nicht Altersgebrechen, sondern nur Unfälle und vermeidbare Risiken können zu einem vorzeitigen Ableben führen. Ewige Jugend bedeutet aber auch ewige Fruchtbarkeit und damit eine enorme Überbevölkerung. 42 Milliarden Menschen bewohnen die damit völlig überforderte Erde und einige Kuppelstädte auf dem Mond. Im Jahr 2063 bricht darum der erste Kundschafter, Michael Hopkins, zum Barnardschen Pfeilstern auf (er bleibt eine Randnotiz). Ein Jahr später folgt ein weiteres Expeditionsschiff, die Centaurus 1, in Richtung alpha Centauri. Das einzige Besatzungsmitglied, Dr. Tim Turner, ist der eigentliche Protagonist des Romans, denn seine Reise zu den drei Sternen alpha Centauri A, B und C (auch Proxima Centauri genannt) bildet den roten Faden des Buches. Turner wird insgesamt vierzig lange Jahre unterwegs sein, und das keineswegs im Kälteschlaf liegend. Einer solchen psychischen Belastung ist er auf Dauer nicht gewachsen. Es kann ihn auch nicht befriedigen, in dem Androiden Tao (einer Kreuzung aus Nexus 6 und Marvin) einen Schachpartner zu haben, der ihn noch dazu ständig daran erinnert, sich zu rasieren und regelmäßig die Zähne zu putzen. Ansonsten nichts als Einsamkeit und Bordroutine. Auf der Erde bleiben die besten Freunde Tim Turners zurück, die Psychologin Dr. Anna Binder, deren Tochter Tasia und Yang Lu-ni, Generalsekretärin der UNP. Sie werden Zeuginnen des Einschlags von unzähligen Bruchstücken eines großen Asteroiden auf der Erde. Der Himmel verdüstert sich, die Polkappen schmelzen, viel Land geht unter, und die wenigen Millionen Überlebenden begucken sich die Katastrophe lieber von den höher gelegenen Bergregionen oder gleich vom Mond aus. Nebenbei löst sich das Problem der Überbevölkerung ganz von selbst, die Raumarchen zum alpha Centauri werden nicht mehr benötigt. Kann auf so viel Ungemach ein Happy End folgen? Die Centaurianer jedenfalls halten sich aus dem ganzen Schlamassel völlig heraus. Aber das ist eine ganz andere Geschichte, die vielleicht im nächsten Roman von Fritz Reichert erzählt wird. Der Autor genießt seinen Ruhestand auf Hawaii, was seine Phantasie spürbar beflügelt hat. Die wenigen nicht mit Fakten und Analysen untermauerten Szenen kehren immer wieder zu der Insel, ihrer Geschichte, ihrem angenehmen Klima und dem Observatorium auf dem Vulkan Kilauea zurück. Verdienten Größen der Wissenschaft erweist er versteckt oder ganz bewusst seine Referenz (so Carl Sagan in Form eines fiktiven Enkels und Jesco von Puttkamer als »Dr. Jesco«, dem Stationsarzt der Mondstadt Aitken-Town). Fritz Reichert ist einer der Optimisten, die stets eine Handbreit Zukunft unter dem Kiel haben, während andere längst in einem ausgetrockneten Salzsee gestrandet sind. Das lässt sich zwar nicht wissenschaftlich begründen, macht ihn aber bei all den Weltuntergangs-Propheten zu einer erfreulichen Ausnahme. Auch wenn düstere Zukunftsentwürfe die Regel bleiben werden. |
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