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Alastair Reynolds

Die Arche

Redemption Ark • 2002

Science Fiction > Alien Contact
Buch-Tips
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Der junge Engländer Alastair Reynolds hat innerhalb weniger Jahre vier umfangreiche Romane und eine Handvoll Kurzgeschichten und Novellen geschrieben. Zusammen mit Ken MacLeod, Charles Stross, Richard Morgan, M. John Harrison und Peter F. Hamilton führt er den von Iain M. Banks Anfang der 90er Jahre eingeführten Stil farbenprächtiger Romane mit Ecken und Kanten fort.

Insbesondere in England kommt es in den letzten Jahren im Bereich der Science Fiction zu einer Rückbesinnung auf die Space Opera mit ihren in ferner Zukunft und tief im All spielenden Geschichten. Die handelnden Personen erinnern allerdings mehr und mehr an Gestalten aus dem Cyberpunk der 80er Jahre: genetisch verändert und mit Maschinen vernetzt. Hinzu kommen umfangreiche, manchmal schwer verständliche Handlungsstränge, die mehr an barocke Opern als an moderne Literatur erinnern.

Alastair Reynolds macht es neuen Lesern nicht leicht, denn seine Romane bauen aufeinander auf. Es treten zwar jeweils andere Figuren in den Vordergrund, doch wer die ersten beiden Romane nicht gelesen hat, wird bei Die Arche vor den unzähligen und vielschichtigen Handlungsabläufen kapitulieren. Hinzu kommt, dass mit dem undurchschaubaren Clavain eine Figur die Bühne betritt, deren Hintergrund Reynolds nicht in den vorangegangenen Romanen, sondern in der Kurzgeschichte »Great Walls of Mars« entwickelt hat.

Den umfangreichen Plot auch nur anzureißen, sprengt den Rahmen einer Buchbesprechung. Reynolds führt verschiedene Handlungsebenen in einem furiosen Höhepunkt zusammen, ohne tatsächlich etwas vom Gesamtbild seines Universums zu verraten. Dabei geht es um alte Waffen von unvergleichlicher Zerstörungskraft, die von dem Raumschiff NOSTALGIA FOR INFINITY aus einer Höhle geborgen worden sind, in der sie seit unzähligen Jahrtausenden versteckt lagen. Reynolds arbeitet nicht sauber heraus, welchem Zweck diese Waffen tatsächlich dienten und vor wem sie versteckt worden waren.

Auf einer anderen Ebene erwartet die Menschheit die Rückkehr einer Alienrasse, Inhibators genannt. Zu Beginn des Romans wird ein altes, beschädigtes Raumschiff geborgen, das in direktem Kontakt mit den Fremden gekommen ist. Es besteht die Gefahr, dass die »Wolves« die bisherige Menschheit ausrotten wollen. Im ersten Roman des Zyklus, Die Unendlichkeit, wurde ein Signal aktiviert, das die Inhibators benachrichtigt, wenn intelligente Wesen in dem System eine bestimmte Schwelle überschritten haben. Im Laufe der Ereignisse in Die Arche stellt sich heraus, dass die Inhibators etwas Großes aus den Planeten bauen, die sie zu diesem Zweck auseinanderreißen. Diese langsamen Kriegsvorbereitungen sind in dem Roman das zeitliche Element, das die unterschiedlichen Figuren vorantreibt.

Reynolds arbeitet in seinen Romanen oft mit Tiernamen: Es finden sich »Wolves«, »Spiders« und »Pigs«. Dem Leser fällt es dadurch leichter, die einzelnen Fraktionen auseinander zu halten, und er kann sich mehr auf den umfangreichen und sehr komplizierten Plot konzentrieren. Es empfiehlt sich, während der Lektüre von Reynolds Romanen Notizen zu machen. Wie bei Peter F. Hamilton in seinem Armageddon-Zyklus besteht die Gefahr, im Laufe der Handlung wichtige Elemente zu vergessen. Dabei stellt sich die Frage, ob Aufwand und Lesespaß hier in einem sinnvollen Verhältnis zueinander stehen.

Einerseits ist das Buch rasant erzählt. Die verschiedenen Actionsequenzen und die Jagd nach den entscheidenden Waffen in dem sich anbahnenden Konflikt sind sehr unterhaltsam.

Dagneben stehen jedoch Passagen, die von Reynolds nicht überzeugend oder sehr schwach ausgearbeitet worden sind – die Diskussion mit den intelligenten Waffen erinnert nicht beispielsweise nur wegen der Grundidee an den John Carpenter Film Dark Star. Was bei Carpenter eine Satire auf gängige Science-Fiction-Klischees ist, bricht hier unter der aufgezwungenen Schwere der Entscheidung und gestelzten Dialogen zusammen.

Die Motive der einzelnen Gruppen werden bewusst im Dunkeln gehalten. Insbesondere die »Wolves« sind sehr schwach ausgearbeitet und – natürlich – taucht im entscheidenden Augenblick eine bislang nicht näher erwähnte Gruppe auf, um die Handlung in eine andere Richtung zu stoßen. Hinzu kommt wieder ein offenes Ende, das nach einer Fortsetzung geradezu schreit. Reynolds sollte aufpassen, dass er seinen Lesern nicht einen in die Unendlichkeit gestreckten Zyklus von immer komplizierter werdenden Unterhandlungen präsentiert. Stattdessen sollte er den roten Faden, der die Romane zusammenhält, fester in die Hand nehmen und die Handlungsbögen zu einem befriedigenden Abschluss führen.

In Die Arche zeichnet sich zunehmend ab, dass Reynolds bewusst auf weitere Fortsetzungen abzielt. Im Vergleich zu Iain Banks und Vernor Vinge, die die von ihnen entworfenen Welten besser im Griff haben, fallen t die weiteren Romane Reynoldsnach dem überzeugenden Debü deutlich ab. Dabei steckt in diesem Buch eine streckenweise rasante Space Opera, die Reynolds-Fans begeistern kann, Erstleser aber eher verwirrt zurücklässt.

• Thomas Harbach • ALIEN CONTACT

Originalausgabe
Alastair Reynolds, Redemption Ark (2002)
Dt. Erstveröffentlichung
Alastair Reynolds, Die Arche
(München: Heyne Verlag, 2004) [06/8419] Bestellen
Aus dem Englischen von Irene Holicki, Titelbild von Chris Moorem, großformatiger Paperback, 894 Seiten
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