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| Tanner Mirabel, Protagonist und Ich-Erzähler des Romans, hat als
Leibwächter des Waffenhändlers Cahuella versagt und jagt nun dessen mutmaßlichen
Mörder, den reichen Aristokraten Reivich. Als Mirabel zu der Raumstation unterwegs ist,
auf der er Reivich vermutet, wird ein Atom-Anschlag auf den Orbitallift verübt. Als
Mirabel zu sich kommt, ist er Lichtjahre weit entfernt, und es sind Jahre vergangen. Er
erinnert sich nicht mehr, wie er an Bord des Kälteschlafraumschiffs gekommen ist, das ihn
zum Planeten Yellowstone gebracht hat. Anscheinend ist Reivich mit dem gleichen Raumschiff
nach Yellowstone gekommen, doch die Suche ist nicht einfach. Die planetare Hauptstadt
Chasm City hat sich durch eine rätselhafte »Schmelzseuche« drastisch verändert. Die
High-Tech-Gebäude haben sich zu einem biokybernetischen Netzwerk verbunden, das ständig
neue Formen hervorbringt und sich verändert. Im »Baldachin«, dem oberen Teil der Stadt,
leben die dekadenten Reichen, die es sich leisten können, ihr Leben mit Nanotechnologie
zu verlängern und sich mittels einer Droge namens Traumfeuer gegen die Auswirkungen der
Schmelzseuche zu schützen. Im »Mulch« hingegen, dem unteren Teil der Stadt, leben die
Armen und kämpfen mit legalen und illegalen Mitteln ums Überleben. Tanner Mirabel ist
als ehemaliger Elitesoldat bestens gerüstet für die Jagd auf seinen Widersacher, wird
jedoch durch sehr intensive Träume beeinträchtigt. Diese Träume resultieren aus einer
Infektion mit einem künstlichen Virus der quasi-religiösen Haussmann-Sekte und lassen
Mirabel das Leben des Verbrechers Sky Haussmann nacherleben. Und diese Träume bilden die zweite Erzählebene des Romans. Haussmann war vor langer Zeit an Bord der Santiago, einem von mehreren Schiffen einer Generationenraumschiffflotte. Auf der Santiago riss er nach und nach mit meist sehr unfeinen Mitteln die Macht an sich, um schließlich als Erster den Siedlungsplaneten zu erreichen. Dabei kommt es unter anderem zu einer Begegnung mit sehr fremdartigen Außerirdischen. Während seiner Jagd durch Chasm City muss Tanner Mirabel jedoch feststellen, dass niemand auf Yellowstone das ist, was er zu sein vorgibt. Alastair Reynolds war bereits mit dem Roman Revelation Space (dt. Unendlichkeit) sehr erfolgreich. Chasm City spielt im gleichen Universum, jedoch Jahre später. Für das Verständnis des Romans ist die Kenntnis des ersten Buches nicht nötig. Doch während es sich bei Revelation Space eher um eine anspruchsvoll Space Opera handelt, hat sich der Autor für Chasm City auf einen actionreichen Thriller beschränkt, so dass Leser des ersten Buches nun enttäuscht sein könnten. Chasm City hat als zentrale Themen die Jagd und die Suche nach der Identität. Tanner Mirabel ist nicht nur der Jäger, der den Mörder seines Chefs zur Strecke bringen will, sondern er wird zuweilen selbst zum Gejagten und wechselt im Laufe der Handlung mehrfach die Rollen. Dabei wird zunehmend unklarer, worin seine Motivation eigentlich besteht, und der Schluss des Buches bietet einige Überraschungen, die ein cleverer Leser jedoch schon vorausahnen kann. Dass es sich bei Chasm City nicht um den ganz großen Wurf handelt, hat mehrere Ursachen. Trotz vieler guter Ideen, die der Autor liefert, ist das Buch eindeutig zu lang geraten. Auf über 800 Seiten könnte der Leser mehr erwarten, als er tatsächlich geboten bekommt. Und obwohl der Autor es versteht, kurzweilig zu schreiben, ist es schwierig, sich in den Ich-Erzähler hineinzuversetzen, der ein gedungener Killer auf der Suche nach einem anderen Mörder ist und sich in seinen Träume mit dem Leben eines höchst unmoralischen Verbrechers identifizieren muss. Die Vergleiche der Werbetexte zwischen Alastair Reynolds und seinen Kollegen Iain Banks und Peter F. Hamilton sind nicht falsch, jedoch muss Reynolds in Zukunft noch etwas zulegen, um die Vergleiche tatsächlich zu rechtfertigen. Hardy Kettlitz ALIEN CONTACT
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