| Bedauerlicherweise sind Themenanthologien auf dem deutschen Buchmarkt selten
und scheinen zur Domäne von Kleinverlagen geworden zu sein. Dies ist sicherlich schade,
da gerade Anthologien dazu geeignet sind, schriftstellerischen Nachwuchs zu fördern.
Gerade heute stöhnt manch ein deutscher Verlag darüber, teures Geld für Übersetzungen
und Lizenzen berappen zu müssen, da es an kompetenten einheimischen Schriftstellern zu
mangeln scheint. Wie auch immer: Die Alptraumfabrik bietet neben etablierten
Autoren auch manch einem talentierten Nachwuchsliteraten eine Chance. Wie aus dem Titel
unschwer zu ersehen ist, trifft hier das Kino auf den Schrecken, und manche Leinwand
färbt sich blutig ... Wie so oft in derartigen Anthologien ist die Qualität eher
gemischt. Einige Storys leben fast ausschließlich von einer einzigen Idee, die teilweise
gar nicht so übel ist, teilweise aber auch alles andere als originell. Nur bedingt
überzeugend ist beispielsweise die Story »Augen die den Tod sehen« von Cliff Paine, in
der die Sensationsgier der westlichen Medien auf äußerst plumpe Art abgehandelt wird.
Offensichtlich wollte der Verfasser die Leser auf möglichst effektvolle Weise
schockieren, um sein Anliegen auszudrücken. Ein subtileres und durchdachteres Herangehen
an schwierige Themen würde da mehr bewirken. Einige andere Geschichten, deren Verfasser
wohl meinten, auf einen guten Plot verzichten zu können und dafür nur ihr - ach so
interessantes - Innenleben vor dem Leser auszubreiten, entlockten bei der Lektüre
lediglich ein gelangweiltes Gähnen.
Glücklicherweise trifft dies nur auf die wenigsten der 16 Stories zu. Die meisten
Geschichten sind recht gelungen und bleiben teilweise länger im Gedächtnis haften. So
ist Uwe Vöhls »Am Tag, als Peter Cushing verschwand« richtig schön grotesk,
schwarz-humorig und dabei gleichzeitig unheimlich. Michael Tillmanns »Ein seltsamer Film
über einen seltsamen Wald, gesehen in einem seltsamen Kino« verbindet ebenfalls groteske
Komik mit einer alptraumhaften Atmosphäre. Anwärter auf den einen oder anderen Preis
für die beste Kurzgeschichte des Jahres dürfte »Fernreisende« von Malte S. Sembten
sein. In der besten und längsten Story des Bandes geht es um Freundschaft, Liebe,
Sehnsucht und - eine wirklich unheimliche Begegnung der dritten Art! Schwierig erschien
mir dagegen Eddie M. Angerhubers Homagé an Thomas Ligotti, »Das Produkt der Nacht«.
Darin geht es um geheimnisvolle »Manifestationen«, die in einem merkwürdigen
Dokumentarfilm gezeigt werden, und von denen man nicht weiß, ob sie real sind bzw. ob sie
irgend eine Bedeutung haben. Immerhin ist die Geschichte in einem ungewöhnlichen, der
Thematik entsprechenden Stil gehalten ist. Wahrscheinlich sind Angerhubers Geschichten
(genau wie die Ligottis) einfach nur Geschmacksache ...
Insgesamt gesehen ist Die Alptraumfabrik trotz einiger schwächerer Beiträge
eine recht empfehlenswerte Anthologie, die man sich schon wegen der oben erwähnten
Nachwuchsförderung leisten sollte.
Christian Hoffmann
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