ALIEN CONTACT
ALIEN CONTACT 56 Inhalt Archiv

Robsie Richter (Hrsg.)

Die Alptraumfabrik - Unheimliche Kinogeschichten

Originalausgabe • 2003

Science Fiction > Alien Contact
Buch-Tips
Momox-Books.de - Einfach verkaufen.
Bedauerlicherweise sind Themenanthologien auf dem deutschen Buchmarkt selten und scheinen zur Domäne von Kleinverlagen geworden zu sein. Dies ist sicherlich schade, da gerade Anthologien dazu geeignet sind, schriftstellerischen Nachwuchs zu fördern. Gerade heute stöhnt manch ein deutscher Verlag darüber, teures Geld für Übersetzungen und Lizenzen berappen zu müssen, da es an kompetenten einheimischen Schriftstellern zu mangeln scheint. Wie auch immer: Die Alptraumfabrik bietet neben etablierten Autoren auch manch einem talentierten Nachwuchsliteraten eine Chance. Wie aus dem Titel unschwer zu ersehen ist, trifft hier das Kino auf den Schrecken, und manche Leinwand färbt sich blutig ...

Wie so oft in derartigen Anthologien ist die Qualität eher gemischt. Einige Storys leben fast ausschließlich von einer einzigen Idee, die teilweise gar nicht so übel ist, teilweise aber auch alles andere als originell. Nur bedingt überzeugend ist beispielsweise die Story »Augen die den Tod sehen« von Cliff Paine, in der die Sensationsgier der westlichen Medien auf äußerst plumpe Art abgehandelt wird. Offensichtlich wollte der Verfasser die Leser auf möglichst effektvolle Weise schockieren, um sein Anliegen auszudrücken. Ein subtileres und durchdachteres Herangehen an schwierige Themen würde da mehr bewirken. Einige andere Geschichten, deren Verfasser wohl meinten, auf einen guten Plot verzichten zu können und dafür nur ihr - ach so interessantes - Innenleben vor dem Leser auszubreiten, entlockten bei der Lektüre lediglich ein gelangweiltes Gähnen.

Glücklicherweise trifft dies nur auf die wenigsten der 16 Stories zu. Die meisten Geschichten sind recht gelungen und bleiben teilweise länger im Gedächtnis haften. So ist Uwe Vöhls »Am Tag, als Peter Cushing verschwand« richtig schön grotesk, schwarz-humorig und dabei gleichzeitig unheimlich. Michael Tillmanns »Ein seltsamer Film über einen seltsamen Wald, gesehen in einem seltsamen Kino« verbindet ebenfalls groteske Komik mit einer alptraumhaften Atmosphäre. Anwärter auf den einen oder anderen Preis für die beste Kurzgeschichte des Jahres dürfte »Fernreisende« von Malte S. Sembten sein. In der besten und längsten Story des Bandes geht es um Freundschaft, Liebe, Sehnsucht und - eine wirklich unheimliche Begegnung der dritten Art! Schwierig erschien mir dagegen Eddie M. Angerhubers Homagé an Thomas Ligotti, »Das Produkt der Nacht«. Darin geht es um geheimnisvolle »Manifestationen«, die in einem merkwürdigen Dokumentarfilm gezeigt werden, und von denen man nicht weiß, ob sie real sind bzw. ob sie irgend eine Bedeutung haben. Immerhin ist die Geschichte in einem ungewöhnlichen, der Thematik entsprechenden Stil gehalten ist. Wahrscheinlich sind Angerhubers Geschichten (genau wie die Ligottis) einfach nur Geschmacksache ...

Insgesamt gesehen ist Die Alptraumfabrik trotz einiger schwächerer Beiträge eine recht empfehlenswerte Anthologie, die man sich schon wegen der oben erwähnten Nachwuchsförderung leisten sollte.

Christian HoffmannALIEN CONTACT

Originalausgabe
Robsie Richter (Hrsg.), Die Alptraumfabrik - Unheimliche Kinogeschichten
(Hanau: Verlag Robert Richter, 2003) Bestellen
Titelbild von Asuka, 141 Seiten, Paperback
Leser-Service
Lieferbare Titel von Robsie Richter
ALIEN CONTACT 56 Inhalt Archiv
Bücher A B C D E F G H I J K L M N O P/Q R S T U V W X/Y/Z
© copyright 1997-2011 by EPILOGmedia • Alle Rechte vorbehalten
eMail: dialog@epilog.de | Impressum | AGB + Widerrufsrecht