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| Mappa Mundi - das ist die Karte des menschlichen Geistes. Die Psychologin
Natalie Armstrong arbeitet an einem britischen Regierungsprojekt, dessen Ziel es ist,
diese Karte zu erstellen und seinen Gegenstand navigierbar und kontrollierbar zu machen.
Natalie sieht es als Ziel ihrer Arbeit, Menschen in die Lage zu versetzen, bewusster zu
entscheiden, was sie denken und glauben wollen. Doch die eigentliche Frage, die für sie
hinter ihrer Forschung steckt, geht tiefer: Was von all dem da draußen, von allem, was
wir sehen, hören, riechen schmecken und zu wissen meinen - ist wirklich? Ihr
Idealismus wird auf die Probe gestellt, als der FBI-Agent Jude Westhorpe auftaucht und
Hinweise liefert, dass das noch experimentelle Mappa-Mundi-Projekt bereits missbräuchlich
angewandt wurde, und zwar mit mörderischen Konsequenzen. Im Laufe weniger Tage bricht
für Jude und Natalie das Bild ihrer Welt und ihrem Platz darin zusammen. Natalie wird
durch einen Unfall selbst Trägerin des Mappa-Mundi-Programms, was unabsehbare
Auswirkungen auf ihre Fortexistenz als menschliches Wesen hat. In erster Linie liest Mappa Mundi sich als ungemein spannender Hard-SF-Thriller, der sich nach einer etwas längeren Exposition rasant zuspitzt, und dessen Protagonisten auf die richtige Art und Weise quer zu den Leseerwartungen liegen. Natalie und ihr Mitbewohner Dan erscheinen zu Beginn des Romans wie lebensfrohe, wenn auch etwas überforderte Dauerstudenten - ein Bild, dass sich spätestens relativiert, als die risikobereite Natalie zur treibenden Kraft der Handlung wird. Der überaus rechtschaffene FBI-Agent Jude plagt sich dagegen mit ernsthaften Zweifeln an seiner Regierung und seinen Mitarbeitern herum. Nebenbei hat er noch mit den Vorwürfen seiner Schwester zu kämpfen, die es ihm übel nimmt, dass er sich trotz seiner Native-American-Abstammung auf die Seite der Regierung geschlagen hat. Auch die Gegenspieler, die teilweise erst recht spät als solche erkennbar werden, glänzen mit komplexen, überzeugenden und zuweilen durchaus einleuchtenden Motivationen.Trotz des Gedankenmanipulations-Themas verkommt Mappa Mundi also nicht zu einer platten Story um Möchtegern-Weltbeherrscher. In erster Linie ist Mappa Mundi Ideenliteratur, die sich mit den Grundfragen der Erkenntnis beschäftigt, ohne einfache Antworten zu bieten. Was Individualität bedeutet, und in welchem Verhältnis Wahrnehmung und Wirklichkeit stehen - für diese Fragen ist der Hard-SF-Plot ein ausgesprochen gut geeignetes Vehikel. Justina Robson versucht deshalb auch nicht, wissenschaftliche Entwicklungen eins zu eins vorwegzunehmen, was sie auch in ihren Einleitungssätzen klarstellt. So betrachtet ist der Roman eher ein »philosophisches« als ein »naturwissenschaftliches« Buch - falls man diese Unterscheidung in der Science Fiction überhaupt sinnvoll treffen kann. Ganz nebenbei handelt es sich bei Mappa Mundi auch noch um eine wunderbar extravagante Liebesgeschichte, die einen am Ende beinahe wünschen lässt, dass die Handlung Jude und Natalie ein paar zweisame Verschnaufpausen mehr gegönnt hätte. Jakob Schmidt ALIEN CONTACT
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