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In
hunderten von Jahren beginnt die Menschheit, sich über die Grenzen des Sonnensystems
hinaus auszubreiten. Um dabei Erfolg zu haben, muss sie sich in etwas Neues verwandeln,
sich »abstimmen«. Eines der »abgestimmten« Menschenwesen ist Isol, ein lebendes
Raumschiff, das jenseits des Sonnensystems auf einer jahrzehntelangen Erkundungsmission
unterwegs ist. Während ihrer Reise kollidiert sie mit einer außerirdischen Substanz.
Isols Entdeckung verspricht nicht nur die Möglichkeit unbegrenzten interstellaren
Reisens, sie birgt auch den Schlüssel zu einer weiteren Transformation der Menschheit.
Als Isol ins irdische Sonnensystem zurückkehrt wird die außerirdische Substanz, der
»Stoff«, zum ultimativen Einsatz im politischen Machtkampf, der zwischen den
verschiedenen Fraktionen »abgestimmter« und »unabgestimmter« Menschen tobt ...Justina Robsons dritter Roman hat ihr erneut eine Nominierung für den Arthur-C.-Clarke-Award eingebracht zurecht. Die Verschmelzung ist eine gelungene Mischung aus Hard SF und Politthriller. Erzähltechnisch beschreitet Robson neue Wege, indem sie eine Vielzahl von Hauptfiguren einführt. Im Zentrum der Geschichte stehen als Sympathieträger die nichtabgestimmte Historikerin Zephyr Duquesne und der abgestimmte Corvax, der eine illegale Biotech-Werkstatt im Asteroidengürtel des Sonnensystems betreibt. Zephyr ist die für Robsons Romane typische Hauptfigur: eine Akademikerin mit obskurem Spezialgebiet, die von den Ereignissen mehr oder weniger überrollt wird und die es mit ihrem Sarkasmus dennoch immer schafft, den Kopf über Wasser zu halten. Corvax hingegen ist ein veralteter und beschädigter Abgestimmter, der die individuellen Probleme deutlich macht, die mit dem Leben als Abgestimmter verbunden sind. Die zahlreichen anderen Figurenperspektiven des Romans lenken zuweilen zu sehr von diesen beiden Hauptfiguren ab und bringen die Handlung nicht immer voran das gilt insbesondere für die Geschichte um den sozial deklassierten Abgestimmten Gritter, die zwar einen wichtiger Teil von Robsons Weltbeschreibung darstellt, die Haupthandlung aber manchmal bremst. Obwohl Robsons Figuren immer gelungen sind, scheint sie hier Schwierigkeiten zu haben, alle unter einen Hut zu bringen. Das macht den Roman etwas holperiger als seine beiden Vorgänger, aber das ist nur ein kleiner Misston in einer gelungenen Komposition. Thematisch beschäftigt Die Verschmelzung sich mit der Frage, ob und wie die Menschheit sich in etwas anderes verwandeln kann oder muss. Dieses Problem geht der Roman aus zwei Perspektiven an. Die eine ist erkenntnistheoretisch: Wenn die Menschheit sich einer radikalen Veränderung unterzieht, können wir das, wozu sie wird, mit unseren Begrifflichkeiten überhaupt noch beschreiben und begreifen? Die zweite und letztlich spannendere Perspektive ist die politische: Was bedeutet es für unsere Gesellschaft, wenn verschiedene Klassen von Menschen erschaffen werden, deren physische und psychische Struktur speziell auf bestimmte Aufgaben abgestimmt ist? Die »Abgestimmten« nehmen in Robsons Zukunftsentwurf eine ausgesprochen ambivalente Rolle ein. Einerseits erscheinen sie zuweilen beinahe als Sklaven der restlichen Menschheit, andererseits sind sie es, die die Zukunft der Menschheit darstellen, während die »Unabgestimmten« dem Verschwinden ihrer Existenzweise entgegensehen. Obwohl es in Die Verschmelzung um das Erreichen anderer Existenzebenen und um transzendentale Erkenntnis geht, verweigert sich Robson der apolitischen Erhabenheit, mit der diese Themen andernorts oft behandelt werden Die Verschmelzung ist keine mythisch überhöhte Evolutionssaga, sondern fest verankert in den politischen Auseinandersetzungen des Hier und Jetzt. Dass dabei der »Sense of Wonder« nicht zu kurz kommt, ist eine beträchtliche Leistung der Autorin die Abgestimmten, die sie uns präsentiert, sind einerseits fremdartiger als so manche Außerirdische und andererseits fester Bestandteil der menschlichen Gesellschaft. Bei all dem Lob bleibt anzumerken, dass die deutsche Übersetzung hier und da zu wünschen übrig lässt und insgesamt etwas steif und technisch geraten ist. Wer des Englischen mächtig ist, dem sei deshalb die Originalausgabe ans Herz gelegt. Jakob Schmidt ALIEN CONTACT
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