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| Franz Rottensteiner, 1942 in Niederösterreich geboren, gehört fraglos zu
den einflussreichsten Persönlichkeiten der deutschsprachigen Phantastikszene. Als
Herausgeber und Lektor für - unter anderem - die Verlage Zsolnay, Insel und Suhrkamp hat
er über Jahrzehnte hinweg für ein fast konkurrenzloses Niveau in der Science Fiction und der literarischen
Phantastik gesorgt. Neben angloamerikanischen Größen wie H. P. Lovecraft und Philip K.
Dick haben wir ihm nicht zuletzt umfassende Ausgaben von Stanislaw Lem und Arkadi & Boris
Strugatzki zu verdanken. Zu seinen Tätigkeiten gehört jedoch nicht nur die Betreuung mehrerer Buchreihen, sondern auch die Herausgabe des QUARBER MERKUR, eine »Literaturzeitschrift für Science Fiction und Phantastik« (so die zutreffende Eigenbezeichnung), die im deutschsprachigen Raum ohne Beispiel ist. Vergleichbare englischsprachige Publikationen wie die Science Fiction Studies oder Foundation erscheinen mit universitärer Unterstützung; der QM dagegen hat als unabhängiges Projekt 2004 die 100. Ausgabe erreicht, wofür Rottensteiner - endlich, möchte man sagen - mit dem Kurd-Laßwitz-Sonderpreis ausgezeichnet wurde. Bereits 2003 ist im »Ersten Deutschen Fantasy Club«, der auch dem QUARBER MERKUR seit einigen Jahren ein Zuhause bietet, ein Sammelband mit Sekundärtexten aus Rottensteiners Feder erschienen: Erkundungen im Nirgendwo - Kritische Streifzüge durch das phantastische Genre. Herausgegeben wurde er von dem Literaturwissenschaftler Jacek Rzeszotnik, der nicht nur ein informatives Vorwort beigesteuert, sondern auch eine sichere Hand bei der Auswahl der Texte bewiesen hat. Rottensteiner selbst schreibt in einer Vorbemerkung: »Dieser Band enthält ein Sammelsurium von Aufsätzen, die zu den verschiedensten Gelegenheiten entstanden (...); zu einer größeren Arbeit über die phantastische Literatur habe ich mich nie aufraffen können.« (S. 9) Das mag bedauerlich erscheinen, doch die vorliegenden Essays, Autorenporträts und klugen Abschweifungen trösten darüber allemal hinweg. Rottensteiner ist nicht nur belesen und gebildet, er verfügt auch über eine kritische Urteilskraft und Offenheit, die selten geworden ist (oder die, seien wir ehrlich, schon immer eher rar war). Ganz gleich, ob er »Einige lose Gedanken zur Science Fiction« präsentiert, »Vom Elend der Fantasy« erzählt oder auf wenigen Seiten eine »Kurze Geschichte der Science Fiction« gibt - stets sind seine Gedanken pointiert und seine Schlussfolgerungen rücksichtslos ehrlich, in dieser Hinsicht seinem großen Kritikerkollegen John Clute nicht unähnlich. Dabei bleibt auch die Ironie nicht auf der Strecke, ob sie nun den Vermarktungsstrategien der SF in den USA gilt (»Kunde von Nirgendwo«) oder, bei allem wissenschaftlichen Ernst, der »Sexualität und Erotik in der utopisch-phantastischen Literatur«. Geradezu lexikalisch umfassend sind längere Texte über Kurd Laßwitz und Cordwainer Smith; aber auch kürzere Abhandlungen zu James Blish, Leo Perutz und nicht zuletzt Stanislaw Lem lesen sich mit großem Gewinn. Fazit: Die Erkundungen im Nirgendwo gehören in das Handregal jedes Phantastik-Interessierten, sei es zum Blättern und Festlesen, sei es als Nachschlagewerk zu vielen anderorts nur mangelhaft bearbeiteten Autoren und Themen. Damit sind wir allerdings auch bei einem grundlegenden Kritikpunkt: Es fehlt ein Register; zugegeben, dergleichen macht einen Haufen Arbeit, hätte aber die Nützlichkeit des Bandes deutlich erhöht. Außerdem ist das redaktionelle und typographische Niveau - wie bei den meisten EDFC-Publikationen katastrophal. Mag die Schriftgröße noch aus ökonomischen Gründen nachvollziehbar sein (auf 320 DIN A5-Seiten wurden rund 600 Taschenbuchseiten untergebracht), die inflationär auftretenden Trenn-, Tipp- und Satzfehler sind es nicht. Manchmal fehlen ganze Wörter, und die zahllosen Trennungen à la »I-dee« oder »a-ber« fallen doch sehr unangenehm auf. Natürlich ließe sich argumentieren, besser so als gar nicht. Aber ein wenig mehr Sorgfalt bei der Herstellung wäre schön gewesen. Das soll an dem grundsätzlich positiven Gesamturteil jedoch nichts ändern. Hoffen wir, dass uns Franz Rottensteiner als kritischer Begleiter der deutschsprachigen Phantastikszene noch lange erhalten bleibt! |
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