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| An Romanen und Erzählungen, die das Dritte Reich in einer Parallelwelt
weiterleben und die Nazis triumphieren lassen, gibt es bekanntlich einige. Dabei
überwiegen die Versuche von Science-Fiction-Autoren
deutlich im Vergleich zur übrigen Phantastischen Literatur. Im Bereich des Horrors
scheinen sich nur wenige Autoren mit dieser Thematik auf ernsthafte Art und Weise
auseinander gesetzt zu haben. Der kurze Roman Hörnerschall aus der Feder des
englischen Diplomaten John William Wall, der sich hinter dem geheimnisvollen Pseudonym
Sarban verbarg, ist eines davon. Erzählt wird in diesem fast schon legendären Werk die Geschichte des britischen Marineoffiziers Alan Querdilion, der 1941 in deutsche Kriegsgefangenschaft gerät, nach einigen Jahren entfliehen kann und schließlich unter etwas unklaren Umständen in eine bizarre zukünftige Alternativwelt gerät, in der die Nazis den Krieg gewonnen haben. Er findet sich auf dem Gut des Reichsforstmeisters Graf Johann von Hackelnberg wieder, der sich und seinen degenerierten Gästen die Zeit mit absonderlichen und perversen Menschenjagden vertreibt. Obwohl Alan Querdilion zunächst geduldet und sogar gesund gepflegt wird, kommt er (wie der Leser natürlich erwartet) selbst bald auf die Abschussliste und muss um sein Leben kämpfen. Bemerkenswert sind die geschilderten Details der »Jagdvergnügungen«, die deutliche sadomasochistische Anklänge haben und für eine äußerst bizarre Stimmung sorgen. Hörnerschall lässt durchaus eine gute Ahnung entstehen, wie man sich fühlt, wenn man gnadenlos verfolgt wird. Besonders die vollkommen verängstigte und panische Figur des Franzosen, den Alan Querdilion im Wald trifft, illustriert dies sehr gut. Doch leider geht Sarban ansonsten viel zu wenig auf seine Figuren ein. Besonders der neurotische Arzt und seine Krankenschwestern hätten mehr Beachtung verdient, wäre es doch anhand ihres untertänigen und zwiegespaltenen Verhaltens sehr gut möglich gewesen, die psychologische Komponente des »Alltagslebens« in einer Diktatur näher zu untersuchen. Auch der Graf selbst, der als eine Art mystischer, fast schon nicht mehr menschlicher germanischer Recke geschildert wird, bleibt nur eine Karikatur. Somit ist der Roman eindeutig zu kurz geraten. Viele interessante Motive werden nur angedeutet oder am Rande behandelt. Die Gesellschaft ist viel zu wenig durchdacht, was zwar zur düsteren und bizarren Grundstimmung von Hörnerschall beiträgt, aber letztlich einiges an Glaubwürdigkeit nimmt. Der Leser erfährt lediglich, dass die Juden mittlerweile vernichtet sind und Nichtarier als Tiere angesehen und bestenfalls als niedrigste Sklaven gehalten werden. Widerstand existiert zwar noch, ist aber weitgehend chancen- und wirkungslos. Das alles ist recht vage und zeigt, dass das Buch wohl eher als sehr persönliche Abrechnung mit den autoritären und unmenschlichen Strukturen des Nationalsozialismus gedacht war und Sarban zudem die Möglichkeit gab, seine düstersten Fantasien auszuleben. Insgesamt hat Sarban ein spannendes und erschreckendes Buch vorgelegt, das durchaus albtraumhafte Wirkung erzielt. Als tiefer gehende Auseinandersetzung mit der schwierigen Thematik taugt Hörnerschall weniger, was von Sarban auch nicht unbedingt beabsichtigt war. Immerhin entstand das Buch nur wenige Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, und so ist unsere Distanz heute natürlich eine ganz andere als die eines zeitgenössischen Schriftstellers. Wie die meisten Bücher des Festa Verlages wird auch Hörnerschall durch ein informatives Nachwort abgerundet, in dem Hans Gerwien einiges über den Roman selbst, aber auch über seinen geheimnisvollen Verfasser zu berichten weiß. |
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