Das
Heidenloch gehört zu den Büchern, die das Auge fesseln, bevor man auch nur den
Klappentext gelesen hat. Dafür ist nicht nur die solide Bindung des für seine Seitenzahl
gewichtigen Hardcovers verantwortlich, sondern auch die Gestaltung, die sich durchgängig
am fiktiven Aufhänger der Handlung - einer alten, im Archiv verstaubten Akte -
orientiert. Ein mit solch liebevoller Sorgfalt gestaltetes Buch wird im Zeitalter der
seelenlosen Taschenbücher leider immer seltener, um so mehr verdient es daher Lob und
Anerkennung.Die Untertitelung »Ein fantastisch-mythologischer Roman« trifft den Kern,
doch - dies zur Beruhigung gleich vorab - es droht keine herkömmliche Mystery-Story von
der Art, wie sie zur Zeit massenhaft in die Buchhandlungen geklont werden. Bei dem im
Titel zitierten »Heidenloch« handelt es sich um einen realen und doch verwunschen
wirkenden Ort, eine Art alte Zisterne auf dem Heiligenberg bei Heidelberg, wo sich in
spätantiker Zeit eine Tempelanlage der Römer und im Mittelalter zwei Klöster befanden.
Um so einen Platz ranken sich fast zwangsläufig Sagen und Legenden. Martin Schemm fügt
den bereits existierenden eine fiktive weitere hinzu, die zwar skurril und abgefahren,
aber voll von gruseligen und hintersinnigen Einfällen ist. Ein Gedankenkonstrukt, das
wohl von früheren eigenen Spaziergängen zu den Klosterruinen nicht unbeeinflußt blieb
und dem Leser nicht nur gediegene unheimliche Unterhaltung schlechthin bietet, sondern
auch neugierig auf die Stadt Heidelberg macht.
Siegfried Breuer ALIEN CONTACT
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