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John Shirley

Eclipse-Trilogie

Eclipse (Eclipse • 1985)
Eclipse Penumbra (Eclipse Penumbra • 1988)
Eclipse Corona (Eclipse Corona • 1990)

Science Fiction
Buch-Tips
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Handlung

Nach dem Ausbruch des Dritten Weltkriegs hält die Sowjetunion fast ganz Westeuropa besetzt, aber es ist noch nicht zum Einsatz nuklearer Waffen gekommen. Nicht nur die Neue Resistance kämpft im Untergrund gegen die Besatzer, sondern auch die Second Alliance, kurz SA, wird von den Vereinigten Staaten ins Rennen geschickt, um Europa wieder zu befreien. Doch es zeigt sich, daß die SA mehr als nur die Anfangsbuchstaben mit einer Organisation aus dem Deutschland der 30er Jahre gemeinsam hat. Ihr eigentliches Ziel ist es, in Europa und später auch in den USA ein faschistisches Regime zu errichten, das die Vernichtung »minderwertiger Rassen« zum Ziel hat. Somit gerät die Neue Resistance plötzlich in einen Kampf zwischen zwei Fronten. Auch der Weltraum wird zum Kriegsschauplatz, als die Sowjets eine Blockade über die Raumkolonie FirStep verhängen. Als die Ziele der SA in den Staaten bekannt werden, distanzieren sich die amerikanischen Politiker davon, aber die neuen Nazis konzentrieren ihre Aktivitäten nun auf Europa. Die Sowjetunion kapituliert schließlich, wodurch sich die Macht der SA weiter etabliert. Doch Steinfeld, Smoke und Hard-Eyes, die Helden der NR, können ihre Macht durch Sabotageakte und eine großangelegte Medienkampagne doch noch brechen.

Alternative Geschichte

Gelegentlich wird die Frage gestellt, warum Alternativweltromane im allgemeinen zum Genre der Science Fiction gerechnet werden. Ein Aspekt ist sicherlich der utopische Charakter, der Entwurf einer andersartigen Gesellschaft, der beiden Literaturformen gemeinsam ist. John Shirleys Eclipse-Trilogie ist ein Fall, der anschaulich demonstriert, wie eng sie tatsächlich miteinander verwandt sind.

Als Shirley 1985 den ersten Band der Trilogie veröffentlichte, handelte es sich noch um einen Zukunftsroman über den Dritten Weltkrieg. Doch innerhalb weniger Jahre haben sich die politischen Voraussetzungen so sehr verändert, daß die Folgebände (1988 und 1990 erschienen) nicht mehr eine mögliche Zukunft, sondern eine alternative Gegenwart beschreiben.

Als der Heyne-Verlag 1991 alle drei Bände gleichzeitig herausbrachte, sah man sich daher sogar veranlaßt, in der Vorrede darauf hinzuweisen, daß dies »kein Roman über das Europa, wie wir es heute kennen,« sei, sondern über »das Europa einer Parallelwelt, in der wir bis vor kurzem lebten und in der Ereignisse wahrscheinlicher waren, wie sie der Autor hier beschreibt«. Shirley selbst hat im dritten Band noch versucht, seine fiktive Geschichte zu korrigieren, indem er davon ausging, daß die Reformbestrebungen Gorbatschows irgendwann in den 90er Jahren scheitern würden - eine historische Entwicklung, die gar nicht so weit von der tatsächlichen Wirklichkeit entfernt liegt.

Kritik

John Shirleys Eclipse-Trilogie - die auch unter dem durchgehenden Titel Ein Lied namens Jugend (A Song Called Youth) firmiert - wird unter dem Label Cyberpunk verkauft. Doch außer einigen Versatzstücken - Professor Rimplers Geist ist im Computersystem der von ihm konstruierten Raumstation gefangen, im Krieg kommen aggressionsfördernde Drogen zum Einsatz, und auch die Rockmusik spielt eine nicht unwesentliche Rolle - erinnert lediglich die sehr realistische Schreibweise an Autoren wie William Gibson. Im Grunde hat Shirley einen politisch engagierten Antikriegsroman geschrieben. Seine Schilderungen der Schrecken des Krieges, die alle Grausamkeiten des Ersten und Zweiten Weltkrieges vereinigen und hinter sich lassen, sind eine leidenschaftliche Anklage gegen Zustände, in denen die Gewalt zur Alltäglichkeit wird. Dabei ist der Autor beileibe kein radikaler Pazifist, da er die Notwendigkeit betont, gegen die Gewalt der SA wiederum mit Waffengewalt vorzugehen. Doch Shirley ist weit davon entfernt, darin einen »gerechten« Krieg zu sehen, da die Führer der NR, die den Tod vieler, auch unschuldiger Menschen auf dem Gewissen haben, zum Schluß keinen anderen Ausweg mehr sehen, als in einer letzten Kamikaze-Aktion gegen die Führer der SA Selbstmord zu begehen.

Obwohl Shirley eine Unmenge von Schauplätzen und Protagonisten einführt, von denen kaum einer länger als einen Band übersteht, verliert man als Leser keinesfalls den Überblick. Das liegt nicht zuletzt an seiner flüssigen Schreibweise und den hautnahen Schilderungen, die sich nie in Abschweifungen verlieren. Ein Lob an den Übersetzer Peter Robert, der die bodenständige Sprache Shirleys in ungekünstelte deutsche Umgangssprache übertragen hat. »Ein Roman wie eine Dampfwalze«, wie Michael Swanwick treffend bemerkte, der einen tiefen Eindruck beim Leser hinterläßt.

Bernhard Kempen

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John Shirley
Eclipse (1985)
Eclipse, übersetzt von Peter Robert (München: Heyne, 1991) [H 06/4721]
Eclipse Penumbra (1988)
Eclipse Penumbra, übersetzt von Peter Robert (München: Heyne, 1991) [H 06/4722]
Eclipse Corona (1990)
Eclipse Corona, übersetzt von Peter Robert (München: Heyne, 1991) [H 06/4723]
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