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Michael Siefener

Albert Duncel. Ein biographischer Versuch

Originalausgabe • 2001

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Der Phantast aus der Eifel wartet mit einem ungewöhnlichen Buch auf, das nach seinem Publikationseinstieg bei Heyne (Nonnen, 2000) wieder in einem ambitionierten Kleinverlag erschien.

Der Autor legt die fiktive Biographie eines Dichters vor, die hoffentlich sehr wenig mit der Realität zu tun hat. Albert Duncel, der eigentlich Hell heißt, demonstriert anhand seines 30jährigen Lebens eine fatale Fahrt in den seelischen und physischen Abgrund.

Wie so häufig bei Siefener ist die Geschichte in der Welt der Bücher und der Menschen angesiedelt, die mit Büchern zu tun haben. Bevor Duncel zum Autor wird, durchläuft er eine bösartige Kindheit, die den Grundstein für seine seelischen Zerwürfnisse legt. Im Grunde orientiert sich der Plot sehr streng an einer klassischen Biographie, trotzdem vermag der Roman zu fesseln. Als Leser wird man in den Sog des Untergangs hineingezogen und kommt so schnell nicht wieder davon los.

Als schwächliches Einzelkind, das im verschrobenen Elternhaus zum einen getrietzt, zum anderen verhätschelt wird, sieht Albert seinen Ausweg in der unheimlichen Phantastik. Er schreibt -- zunächst für sich selbst -- vorpubertäre Rachegeschichten, vergeht sich an Tieren und hofft auf den starken, rächenden Gott des Alten Testaments. Kontakt zu anderen Menschen kann er nicht auf normalem Wege aufbauen; daher ist es fast ein Wunder, daß er eine Frau findet, wenn auch nicht für Dauer. Dann beginnt er, »richtig« zu schreiben, und mit einem recht bizarren und düsteren Buch gelingt ihm der Durchbruch.

Siefener versteht es großartig, reale Begebenheiten, Figuren und Hintergründe so mit der fiktiven Handlung zu verweben, daß man geneigt ist, wirklich nach dem Autor Albert Duncel nachzufragen. Man fühlt sich an reale Biographien erinnert, zum Beispiel einen Lovecraft, in dessen literarischer Tradition Siefener steht. Aber Lovecraft war eine Frohnatur gegenüber Duncel ... Trotzdem -- oder gerade deswegen -- sollte man sich dieses Kleinod auf keinen Fall entgehen lassen!

• Thomas Hofmann • ALIEN CONTACT

Originalausgabe:
Michael Siefener, Albert Duncel. Ein biographischer Versuch
(Berlin: Medusenblut, 2001) [Band 10]
Umschlaggestaltung: Marco Meier, 194 Seiten
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