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| Robert Silverberg hat als Autor mehrere, sich deutlich voneinander abhebende
Entwicklungsphasen durchgemacht. Ende der fünfziger und Anfang der sechziger Jahre
sicherte er sich sein Auskommen als Lohnschreiber, indem er Fast-Food-Literatur für Science-Fiction-Magazine produzierte.
Ende der Sechziger begann er mit dem Schreiben von literarischer SF und bewies sich dabei
als Meister des Inner Space, der dem Leser die Gefühlswelten seiner Protagonisten mit
höchster Intensität nahe brache. Leider ließ bei diesen Büchern der erhoffte
kommerzielle Erfolg auf sich warten. Silverberg produzierte Literatur in einem Genre, das
in der öffentlichen Meinung allenfalls zur Massenunterhaltung nützlich war. Für den
Autor bedeutete dies, dass er von vielen SF-Lesern nicht angenommen und außerhalb des
Genres schlicht ignoriert wurde. Ende der siebziger Jahre folgte eine mehrjährige
Schaffenspause und danach eine erneute Wandlung des Autors. Silverberg schraubte seinen
literarischen Anspruch etwas zurück und schrieb kommerzielle Unterhaltungsliteratur. Der
erste Roman aus dieser Zeit ist Lord Valentine's Castle (dt. Krieg der
Träume), der Auftakt zu einer auf dem Planeten Majipoor spielenden Romanserie mit
spürbarem Fantasy-Einschlag, der Silverberg
bis heute treu geblieben ist. Auch König der Erinnerung zählt zum Majipoor-Zyklus. Der 1996 in Amerika publizierte Roman wurde von einem Silverberg geschrieben, der inzwischen sein Gleichgewicht als Autor gefunden hat und in größeren Abständen entweder kommerziell geprägte oder literarisch anspruchsvolle Bücher verfasste. König der Erinnerung ist ein Buch, das genau zwischen diesen beiden Polen liegt. Silverberg erzählt die Handlung im Stil eines historischen Romans zur Zeit des Römischen Reiches. Majipoor ist ein riesiger Planet, den die Menschheit vor Jahrtausenden besiedelt hat. Die ehemaligen Herrscher des Planeten - die Gestaltwandler - wurden verdrängt. Jetzt gebieten die Menschen über Majipoor und haben eine Monarchie errichtet, die sich über die riesigen Ländereien des Planeten erstreckt. An ihrer Spitze steht der Pontifex und ihm zur Seite - und an den eigentlichen Hebeln der Macht - der Coronal. König der Erinnerung erzählt die Geschichte eines unerwarteten Verrats. Ein ungeschriebenes Gesetz auf Majipoor besagt, dass nach dem Tod des Pontifex der amtierende Coronal dessen Position einnimmt und gleichzeitig seinen eigenen Nachfolger bestätigt. Eine Einschränkung gibt es jedoch: Der Coronal darf keines seiner Kinder auswählen. In König der Erinnerung wird dieses Gesetz gebrochen. Korsibar, der Sohn des Coronals, wird durch eine Ränkespiel seiner Schwester in Versuchung geführt, die Krone an sich zu reißen. Durch einen geschickt geplanten Schachzug, übertölpelt er seinen Vater und den eigentlichen Thronanwärter und ernennt sich selbst zum neuen Coronal. Der Putsch geschieht unblutig und mittels Magie. Sogar die Bevölkerung Majipoors akzeptiert den eigentlich unrechtmäßigen neuen Machthaber sofort. Korsibar genießt seinen neuen Status und lässt sich im ganzen Land feiern. Doch ein so mächtiger Herrscher muss mehr können als Prozessionen abzuhalten und sich bejubeln zu lassen. Für Korsibar wird die Aufgabe, das Land zu regieren, zu einer immer schwieriger zu bewältigenden Pflicht, während sich seine Feinde im Hintergrund zum Gegenschlag sammeln. Nur einer wird die Konfrontation überleben ... Silverberg erweist sich auch in König der Erinnerung als geschickter und feinfühliger Erzähler. Überzeugend beschreibt er den Sinneswandel von Korsibar, der sich zu Beginn der Romanhandlung als völlig unpolitischer Mensch begreift, später aber immer mehr den Verlockungen der Macht erliegt. Einige Abschnitte des Romans sind allerdings etwas zu geschwätzig geraten und man hat den Eindruck, hier würden nur Seiten gefüllt. |
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