| Robert Silverberg setzt hier die neue Trilogie aus dem Majipoor-Zyklus
mit dem zweiten Band fort. Wer den Vorgänger König der Erinnerungen nicht
gelesen hat, wird in Lord Prestimion ausführlich über die Vorgeschichte
aufgeklärt: Üblicherweise ernennt der regierende Monarch, der Coronal, seinen
Nachfolger, bevor er ins höhere, aber machtferne Amt des Pontifex wechselt. Erbfolge ist
tabu. Doch des Coronals Sohn riss die Krone an sich und wurde vom rechtmäßigen
Thronanwärter Prestimion in einem langwierigen und schwarzmagischem Kampf besiegt. Nur
hat Prestimion dabei einen schwer wiegenden Fehler begangen: Durch seine Magier ließ er
die Schande des Krieges samt allen Toten aus dem Bewusstsein der Menschen löschen.
Vermutlich gab es keine Akten. Aber jetzt scheint sich die Lücke im kollektiven
Gedächtnis Majipoors mit Wahnvorstellungen zu füllen, und der neue Coronal kann und will
seinen Gegenspieler Dantirya Sambail nicht verurteilen, ohne ihn mit seinen Verbrechen zu
konfrontieren. Doch Sambail gelingt die Flucht, der Wahn wächst zur Seuche. Dieser Lord
Prestimion, der für Englischsprachige das Ansehen bereits doppelt im Namen trägt,
ähnelt verblüffend beamteten Zeitgenossen. Er meidet den Papierkram und geht gern auf
Reisen, sucht sogar selbst kontinentweit nach Dantirya Sambail - und will diesen, als er
ihn wie erwartet nicht findet, später verschollen wissen. Prestimion heiratet in
gebotener Pracht, andere Lösungen weiß und wagt er lange nicht. In der Anlage des Romans
wird diese Haltung schlüssig, denn Robert Silverberg erzählt in behäbigem Manierismus
vor allem vom Riesenplaneten Majipoor, von seinen architektonisch attraktiven Städten,
von weit entfernten, golden schimmernden Landschaften voll rätselhafter Tiere und
Pflanzen, die man vor dem Showdown in Ruhe betrachten soll. Das Tempo entstammt dem 19.
Jahrhundert, Tolkien lässt grüßen. Angeblich braucht man für den gesamten Planeten 500
Jahre. Prestimion ist für diese unglaubliche Welt der Stellvertreter, der sie diesmal
ohne Magie retten und heilen muss.
Uwe Salzbrenner ALIEN CONTACT
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