ALIEN CONTACT
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Jack Vance

Kriegssprachen

The Languages of Pao • 1958 / Nopalgarth • 1966

Der Band Kriegssprachen enthält zwei ältere Romane von Jack Vance, die allerdings nichts miteinander zu tun haben.

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Die Kriegssprachen von Pao wird oft als herausragendes Werk von Vance betrachtet, weil es sich mit einem Thema beschäftigt, das nicht ganz alltäglich ist. Der Autor stellt die Theorie auf, daß die Mentalität eines Volkes von seiner Sprache bzw. von seinem Wortschatz abhängt. Die Bevölkerung von Pao ist sehr friedfertig, geradezu phlegmatisch. Der Planet wird von einem Panarchen beherrscht, der in Saus und Braus lebt. Trifft er jedoch Entscheidungen, die dem Volk nicht gefallen, so sinkt der Arbeitswille. Es herrscht also eine Art Mehrheitsdemokratie.

Eines Tages wird der Panarch ermordet, und der Meuchelmörder Bustamonte reißt die Macht an sich. Der Sohn des Panarchen, Beran, ist noch ein Kind und kann nach Breakness fliehen, einem Planeten, der von Gelehrten beherrscht wird. Während der Junge aufwächst und in allen möglichen Wissenschaften ausgebildet wird, kommt Pao unter das Joch eines kriegerischen Clans, der Brumbos vom Planeten Batmarsh, und muß hohe Steuern zahlen. Pao ist wirtschaftlich am Ende. Palafox, Lehrmeister auf Breakness, berät den unrechtmäßigen Panarchen Bustamonte, wie er die Paonesen kriegerisch aufrüsten kann, um die Brumbos abzuwehren. Dazu werden Sprachen erfunden, die viele kriegerische und patriotische Begriffe enthalten. Eine weitere Sprache ist auf Technik und Wissenschaft ausgelegt, so daß die rüstungstechnische und wissenschaftlich-wirtschaftliche Entwicklung von Pao forciert wird.

Eines Tages kehrt Beran, inzwischen erwachsen, nach Pao zurück und übernimmt schließlich die Herrschaft, indem er Bustamonte tötet. Pao ist stark genug, die Brumbos zu besiegen. Doch Palafox ist größenwahnsinnig geworden und will selbst über Pao herrschen. Beran beschließt, die drei Sprachen von Pao wieder zu einer zu vereinigen. Dazu wird Pastiche erfunden, eine Art Mischsprache, der auf der Erde vielleicht Esperanto entspricht. Der Autor macht sich die Problemlösung sehr einfach, denn schließlich läßt Beran auch Palafox töten, um den Rivalen aus dem Wege zu räumen.

Aus drei Gründen muß dieser Roman leider als mißlungen bezeichnet werden: Zunächst ist Beran, der rechtmäßige Panarch und tragende Charakter, nicht der Sympatieträger, der in einem solchen Buch zu erwarten wäre, denn seine Handlungen sind nicht moralischer als die der Bösewichte. Er tötet, um Rivalen aus dem Weg zu schaffen, ohne charismatisch zu wirken. Das zweite Problem ist, daß die Linguistik zwar thematisiert wird, aber im Grunde gar nicht zur Handlung beiträgt, denn alle Konflikte des Romans werden nicht durch Sprache gelöst, sondern durch kriegerische Akte. Das größte Manko des Buches ist jedoch, daß Vance stilistisch nicht über die Qualität von Pulp-Stories hinauskommt. Seine Figuren sind flach und gestaltlos, und die Story ist so gestrickt, daß ein einzelner Mensch wieder einmal einen ganzen Planeten retten oder ins Unglück stürzen kann. Außerdem ist die These, eine Sprache entscheide über die Mentalität eines Volkes, zumindest in der dargestellten Weise nicht schlüssig. Wenn Menschen eine zweite Sprache erlernen, können sie sich nicht vollkommen verändern, weil sie immer noch ihre Muttersprache haben. Eine Veränderung, wie sie Vance schildert, ist vielleicht über Jahrhunderte oder Jahrtausende möglich, aber nicht innerhalb weniger Monate oder Jahre.

Der zweite Roman in Kriegssprachen heißt Krieg der Gehirne, und man kann ihn ruhigen Gewissens als Vances schlechtesten Roman bezeichnen. Das Buch ist von einer so peinlichen Trivialität, daß man glauben könnte, Vance habe seinen Namen für die Phantasien eines Zehnjährigen hergegeben.

Burke, einer der bedeutendsten amerikanischen Wissenschaftler, wird von einem aufgeregten Mann kontaktiert und soll diesen sofort aufsuchen. Neugierig geworden fährt Burke tatsächlich zum abgelegenen Haus des Fremden und trifft dort auf einen Außerirdischen, der ihm erklärt, Burke müsse ihm sofort auf seinen Planeten folgen, denn das Los der Menschheit sei in Gefahr. Kurz darauf ist Ixax erreicht und Burke wird gefangengesetzt und gefoltert. Später erfährt er, daß er in Wirklichkeit nicht gefoltert, sondern von einem gefährlichen Parasiten befreit wurde, einem Nopal. Auf Ixax wurde die gesamte Bevölkerung denopalisiert, doch es kommen immer mehr der unsichtbaren Parasiten, die sich auf den Köpfen der Menschen und Xaxaner niederlassen, nach Ixax. Nur wenn man das Nest in Nopalgart vernichtet, wird man Ruhe haben, doch bei Nopalgart handelt es sich um die Erde. Burke wird zurückgeschickt und soll innerhalb eines Monats die Erde von den Nopals säubern, sonst wird es einen Vernichtungsschlag geben. Also weiht Burke seinen Freund und Kollegen Tarbert ein, und nach allerlei Verwicklungen finden die beiden tatsächlich einen Weg, die Menschheit zu retten. Doch da tritt aus dem übernatürlichen Para-Universum eine weitere Macht auf den Plan. Am Ende vernichtet man irgendwo in der Milchstraße auf einem düsteren Planeten die Quelle der Parasiten, und das Universum ist gerettet.

Sieht man davon ab, daß es sich um wissenschaftlichen Humbug handelt, ist die Story an vielen Stellen unlogisch und offenbart selbst einem unaufmerksamen Leser grobe Fehler. Die Protagonisten, bis hin zur klischeehaften, hysterischen Freundin von Burke, wirken so dreidimensional wie die Figuren aus einer japanischen Zeichentrickserie.

Hardy KettlitzALIEN CONTACT

Originalausgabe
Jack Vance, The Languages of Pao (1958)
dt. Erstausgabe:
Jack Vance, Der neue Geist von Pao
(München: Erich Pabel Verlag, 1976) [Terra TB 282]
Neuausgabe
Jack Vance, Die Kriegssprachen von Pao
(Bergisch-Gladbach: Bastei Lübbe, 1985) [21184]
Originalausgabe
Jack Vance, Nopalgarth (1966)
dt. Erstausgabe
Jack Vance, Krieg der Gehirne
(Bergisch-Gladbach: Bastei Lübbe, 1984) [21180]
Beide Romane im Sammelband
Jack Vance, Kriegssprachen
(Bergisch-Gladbach: Bastei Lübbe, 2002) [23244] 3-404-23244-5 Bestellen
deutsch von Bernd Müller bzw. C.T. Bauer, Titelbild von Luis Royo
Leser-Service:
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