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Kevin J. Anderson

Der Sternenwald. Die Saga der sieben Sonnen 2

The Forest of Stars • 2003

Science Fiction > Alien Contact
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Nur wenige Monate nach seinem Erscheinen in den USA liegt mit Der Sternenwald nun nach Das Imperium der zweite Teil der Saga der sieben Sonnen als umfangreiches Paperback in knalligem Gelb vor. Kevin Anderson ist in den USA in erster Linie durch seine Star-Wars-Romane, aber auch durch die Zusammenarbeit mit Brian Herbert in den Prequels zu den Dune-Romanen bekannt geworden. Vorher schrieb er durchaus anspruchsvolle Science Fiction, doch der Ruf der Bestsellerlisten und damit auch des großen Geldes hat Einfluss auf sein Werk genommen. Im Dezember erschien auch eine begleitende Comicgeschichte, in der er sich mit einigen Nebenfiguren, aber auch der laufenden Handlung auseinander setzte. Für das Verständnis des vorliegenden Romans ist es nicht wichtig, diesen Comic zu lesen, es empfiehlt sich aber, den ersten Band der Serie oder zumindest die kurze Zusammenfassung zu Beginn von Der Sternenwald zu kennen.

Die Handlung beginnt fünf Jahre nach dem ersten Roman. Die in den Kernen von Gasriesen lebenden Hydroger haben die Förderung des wichtigen Treibstoffs Ekti aus den Hüllen der von ihnen bewohnten Welten-Hüllen verboten und versuchen, jedes Raumschiff zu zerstören, das diese Verbote umgeht. Erstaunlicherweise (?) erinnert dieses Handlungselement an das Gewürz aus den Dune-Romanen, und auch ein Kaiserreich gibt es. Doch die Menschen arbeiten mit den piratengleichen Roamern zusammen, die den Treibstoff in tollkühnen Aktionen bergen und gegen einen entsprechenden Profit an die Flotten verkaufen möchten. Diese besinnen sich allerdings auf das Kriegsrecht und enteignen die Roamer. Das danach kaum einer mehr bereit ist, seinen Hals zu riskieren, übersieht der Autor.

Mit dem zweiten Roman zeichnen sich die klassischen Aspekte der menschlichen Sagenwelt mehr und mehr an: Die vier außerirdischen Rassen repräsentieren die vier Grundelemente Gas (Hydroger), Wasser (Wentals), Erde (Verdani) und Feuer (Faeros). Schon vor Jahrtausenden haben sich diese vier Völker untereinander bekämpft, wobei Gas gewonnen hat, sich dann aber in die Atmosphären der riesigen »Gas«-Planeten zurückzog, bis sie durch das Abbrennen der Sonnenfackel erzürnt und zu einem gewaltigen Gegenschlag provoziert worden waren. Wasser floss in alle Richtungen, und die »Erde« suchte in einer kleinen, versteckten Kolonie auf dem Planeten Theroc Asyl. Die anderen beiden Völker sind jetzt breit, zusammen mit den Menschen und Ildiranern den Kampf erneut aufzunehmen. Ob die Menschen für »Geist« stehen und welche heimliche Rolle die Klikiss Roboter spielen, wird sich möglicherweise erst im dritten Teil zeigen.

Aber auch die Nutzung dieser Urelemente hilft dem Roman sehr wenig. War der erste Band eine uneinheitliche Mischung aus verschiedenen, für sich betrachtet beeindruckenden Bildern, verbunden mit langen Dialogen und langweiligen Episoden, so überwiegt hier ein seichter, dahinfließender Storm aus Worten, die eher an die Flash-Gordon-Abenteuer mit einem zu komplizierten Plot und zu vielen austauschbaren Figuren erinnern. Kevin Anderson setzt vordergründig auf rasante Action und verzichtet auf jeden wissenschaftlichen Background. Die wenigen naturwissenschaftlichen Abschweifungen wirken gestelzt und konstruiert, erinnern mehr an die Pulp-SF der dreißiger Jahre - alles ist möglich -, denn an die neuen Space Operas von M. John Harrison, Stephen Baxter oder Paul MacAuley. Hinzu kommen immer wieder Elemente, die anfängerhaft geschildert werden: Es gibt neue Waffen, die kalte Strahlen (!) verschießen und Raumschiffe, die ganze Monde ausradieren, um dann zur Vernichtung eines Waldes in einer Höhe von einigen hundert Zards fliegen müssen. Bereits der erste Band der Sternensaga zeichnete sich durch derartige Entgleisungen an mehr als einer Stelle aus.

Nachdem der Autor die Handlung des ersten Romans in einem Vorwort zusammenfasst, geschieht im Laufe der ersten Hälfte des Buches wirklich nichts Neues. Die Entdeckung der Tore zu den Sternen, die es den Menschen ermöglicht, noch mehr der Galaxis zu verschandeln und besiedeln, öffnet der Saga der sieben Sonnen eine weitere Handlungsebene, bringt aber den Plot nicht entscheidend voran. Es wäre sinnvoller gewesen, auf einige Handlungsfäden zu verzichten, Abschnitte zu straffen und konzentriert eine spannende Geschichte auf unterhaltsamen Niveau zu erzählen. Vergleicht man Andersons Text mit den Pulp-Abenteuern von E. E. Smith, zeigen sich die Unterschiede zwischen einem guten Erzähler und einem Autor, der für die Bestsellerlisten bewusst anspruchslose Serienunterhaltung produziert. Es ist schade, dass man in Deutschland jahrelang auf einen herausragenden Roman wie Vernor Vinges Eine Tiefe am Himmel warten musste, Kevin Andersons Romane (und die Koproduktionen mit Brian Herbert) dagegen vom Manuskript weg übersetzt und veröffentlicht werden.

• Thomas Harbach

dt. Erstausgabe
Kevin J. Anderson, Der Sternenwald. Die Saga der sieben Sonnen 2
(München: Heyne, 2003) [06/8312] Bestellen
dt. von Andreas Brandhorst, Titelbild von Stephen Youll, 575 Seiten, großformatiger Paperback
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von Christel Scheja [ALIEN CONTACT]
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Lieferbare Titel von Kevin J. Anderson
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