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Angerer der Ältere

Ein verlorener Traum

Originalausgabe • 2003

Science Fiction > Alien Contact
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Die verwaisten Geschwister Sunaj und Janus wachsen im Haus ihres Großvaters auf. Der alte Mann ist gütig und ein wenig zu nachgiebig, und der verwilderte Schlosspark, in dem das Haus steht, wirkt wie eine verwunschene Insel inmitten der hektischen Stadt. Obwohl Zwillinge, sind Janus und Sunaj grundverschieden. Janus ist technikbegeistert und gänzlich unromantisch, während seine Schwester vor Phantasie nur so übersprudelt und ständig neue Geschichten erfindet, zumeist märchenhafte Abenteuer mit Rittern, Elfen und Feen. Ein solches Abenteuer wird plötzlich Realität und ergreift von den Geschwistern Besitz. Sunaj ist dabei eine weitgehend passive Mitspielerin, denn sie wird von den Aquariern - infernalisch nach verdorbenem Fisch stinkenden Muschelrittern, die deshalb auch zurecht Miesmuschler genannt werden – entführt und gefangen gehalten. Janus hingegen kommt die Rolle des Suchenden zu. Wie in jeder Queste braucht er für seine Mission Freunde und Begleiter, die sich ihm unterwegs anschließen und für ihre Unterstützung unterschiedliche Beweggründe haben. Janus‘ Mission umfasst nicht allein die Befreiung seiner Schwester Sunaj, sondern die Rettung der ganzen Fantasywelt, was nur er, der Held, bewerkstelligen kann und wird. Die finsteren Muschelritter sind allein mit der Magie der Elfen nicht zu bezwingen. Mit seinen vierzehn Jahren ist Janus geradezu prädestiniert für die Rolle eines idealistischen und zuweilen etwas altklugen Märchenprinzen.

Der Roman wendet sich weniger an Erwachsene, die kurzen prägnanten Kapitel richten sich vor allem an Leser im heranwachsenden Alter, sind aber auch gut zum Vorlesen geeignet. Die reichlich vorhandenen Illustrationen setzen die Handlung adäquat um bzw. die Handlung ist in überzeugender Weise an die Bilder angelehnt. Im Prinzip gehen Illustrationen und Story eine Symbiose ein - für sich allein, und das ist der erste Eindruck beim Blättern, bevor man in die Romanhandlung eintaucht, wirkt beides bisweilen naiv bis kitschig.

Ein verlorener Traum kann seine Verwandtschaft mit Michael Endes bekanntem Roman Die unendliche Geschichte nicht verleugnen. Zu deutlich sind die Ähnlichkeiten hinsichtlich Handlung und Motiven. Angerer der Ältere hat sich nicht die Mühe gemacht, eine völlig neue Welt zu ersinnen, er hat einfach einen Altbau entkernt und mit einem neuen Märchen gefüllt. Wie jedes Märchen hat natürlich auch dieses eine Moral. Selbst die Protagonisten gehen gestärkt aus dem Geschehen hervor: Janus hat gelernt, dass auch Phantasie etwas bewegen kann; und Sunaj steht mit den Füßen etwas mehr auf der Erde und schaut den Geistern erst einmal hinter die Maske, bevor sie sie beschwört. Neben klassischen Märchen- und Fantasythemen hat der Autor auch andere Quellen angezapft, etwa den deutschen Sagenschatz und die christliche Mythologie. Das verleiht dem Buch am Ende einen leichten Hauch von Esoterik, der aber stets unterschwellig bleibt und nie die Geschichte dominiert. Trotzdem wäre hier weniger mehr gewesen – um einen Dämon zu beschreiben, braucht man nicht gleich die ganze Hölle aufzubauen.

• W. Pankow • ALIEN CONTACT

Originalausgabe
Angerer der Ältere, Ein verlorener Traum
(Dresden: Zeitenwende, 2003)
326 Seiten, Hardcover (mit 19 farbigen Kunstdrucken) Bestellen
326 Seiten, Paperback (rund 55 s/w Grafiken) Bestellen
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