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| Bereits das Heft Nummer 2 in der Reihe Medusenblut war mit Stories aus der
Feder der Autorin Eddie Monika Angerhuber gefüllt. Nun also ein zweiter Band, und diesmal
in gediegener Taschenbuchform, hervorragend illustriert von Thomas Wagner. Seit damals das Heft 2 erschien 1997 hat sich einiges getan. Natürlich ist die Autorin sich, ihren Themen und ihrem Genre treu geblieben. Doch dokumentieren die hier im Band 12 versammelten Geschichten, wie sie sich vor allem stilistisch weiterentwickelt hat. Im Grunde ist das Interessante an Angerhuberscher Prosa eher das Wie denn das Was. Allerdings enthält der Band nicht nur Geschichten einer Schaffensperiode; dem und einer gewollten Vielfalt der Nutzung literarischer Ausdrucksformen könnte es geschuldet sein, daß die Geschichten nicht alle aus einem Holz geschnitzt sind. Erfrischenderweise gibt es trotz noch aufzuzeigender Übereinstimmungen so einige erzählerische Unterschiede. Es scheint, als wären die Stories nach einem Motiv zusammengestellt worden: Sie enthalten ein Geheimnis, das aus der nahen oder ferneren Vergangenheit in die Gegenwart des jeweils Erzählten hinüberreicht, das das Handeln bzw. die Handlungsunfähigkeit, aber immer auch das Denken und vor allem Fühlen der Protagonisten zwanghaft bestimmt; und dies nicht nur in der Titelgeschichte, die dieses Element des Zwanghaften bereits im Titel führt. Wir lernen die Helden-Opfer der Erzählungen immer in einem Moment kennen, in dem das Unglück, das schlimme bis böse Schicksal, das unheimliche Verhängnis seinen Lauf nahm, dessen Samen in einer wohl besseren Vergangenheit gelegt wurde und diese damit beendete und ihr Leben nun vollends ausfüllt. Dem Leser wird es dadurch nicht gerade leicht ums Herz. Auch ähneln sich in allen Geschichten die Transportmittel unheimlicher Endzeitstimmung: Immer tauchen die Protagonisten in eine verruchte Ecke der Welt oder der Stadt oder des Hauses ein, die Kulisse ist oft eine Ruine, ein Symbol vergangener Zivilisation, die zur urbanen Wildnis verkam. Neben Finsternis, Dämmerung sind es Schimmel und mieses Wetter, die diese Kulissen noch vervollkommnen. Die Ähnlichkeit der Stimmungsbilder führt zu einem gewissen Gewöhnungseffekt bei der Lektüre der Geschichten; hier könnte man sich mehr Abwechslung denken, die solche unheimlich-morbiden Momente herausstreichen würden. Zuviel vom Inhalt soll nicht verraten werden, doch sind die Plots auch nicht unbedingt die wichtige Seite der Erzählungen. »Der blaue Stern« ist oberflächlich gesehen eine undefinierbare Lichtreklame, deren Neonlicht aber ein grauenerregendes Geheimnis birgt, dem einst ein unbekümmertes Mädchen zum Opfer fiel. Der Erzähler war damals dabei, half ihr aber nicht, was ihn veranlaßt, den Ort seines Versagens alljährlich aufzusuchen. »Die Wabe« ist eine alte Werkhalle, in die sich von der Welt genervte Rave-Kids zurückziehen, um dort ein blutiges Showdown zu »erleben«. Es mag der unheimliche Ort oder auch die Nachwirkung von Drogen für eine alptraumhaft motivierte Mordtat verantwortlich sein. Hier deutet die Autorin übrigens auch andere Handlungsmotive als die oben erwähnten vergangenen Unheilserlebnisse und Begebenheiten an, etwa Probleme im Elternhaus. Doch werden diese Themen nur in den Plot eingeworfen; sie spielen für den Fortgang der Geschichte keine Rolle mehr. »Die Zisterne« katalysiert die nervlichen Probleme einer Frau, »Kuckuck« beschreibt das Erbe eines Feinmechanikers, der eine gefährliche Brut in die Welt setzte. »Das Gesicht der Kali« langweilt etwas, ist einfach zu ausufernd geraten; erzählt wird vom Besuch bei einer alten Freundin, die an einer Krankheit leidet, an der der Vorbesitzer ihres Hauses bereits zugrunde ging. Die Titelstory, »Solo für eine Königin« und »Hymne an die Nacht« sind wohl die poetischsten Texte, die durch tolle Sprachbilder, eine faszinierende Eloquenz und eine wundervolle dekadente Stimmung brillieren. Die Bilder, die die Autorin hier heraufbeschwört, erinnern sicher an die unwirklichen Filmbilder italienischer Avendgarde-Horrorstreifen oder auch an Ligotti, den die Autorin ja auch für Metzengerstein ins Deutsche übertrug. Dennoch findet sie in dieser lyrischen Erzählform, die den Worten eine Melodie (in Moll) entlockt, wie man es sich für gute Literatur wünscht, eine ganz eigene Sprache, die ihr in der deutschen Phantastik einen besonderen Platz zuweist. Es ist ihr nur zu wünschen, daß diese fast hermetische Erzählform auch genügend interessierte Leser findet! Thomas Hofmann ALIEN CONTACT |
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