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| Der Stein der Weisen verfolgt in vielen kurzen Episoden den
Lebensweg und die Sinnsuche seiner beiden Hauptfiguren, Jens Dahl und Christian Barnes,
mit ihrer dörflichen Kindheit angefangen. Als Kind lernt und verlernt Jens die
»Himmelssprache«, die ihm direkten Zugang zu allen »offenen« Dingen in der Welt
gewährt. Mit seinem Freund, dem Pastorensohn Christian, steht ihm ein Skeptiker
gegenüber, der allzu genau erkennt, was die Menschen um ihn herum an äußerlichen Reizen
motiviert. Zum Studium ziehen beide schließlich in die Stadt und treffen erneut
aufeinander, um ihre Erkenntnisse auszutauschen. Dort weicht Jens einer möglichen Liebe
aus und wendet sich auf der Suche nach Erkenntnis christlichen Mystikern zu ... Mit Larsen will der Verlag Mysterium Magnus einen der ganz großen Schriftsteller seiner Zeit wiederentdeckt haben. Der Stein der Weisen I erschien erstmals 1923. Ein solch ehrenwertes Alter bürgt aber leider ebenso wenig für große Literatur wie das Lob Hermann Hesses, das den Umschlag ziert. Der vorliegende Roman erweckt in erster Linie den Eindruck einer selbstverliebten, mit bedeutungsschwangeren Bildern überladenen Sinnsuche. Das könnte sogar interessant sein, wenn Larsen seine Ideen im gedanklichen Dialog mit Philosophen seiner Zeit entwickelt hätte; stattdessen beschränkt er sich jedoch weitgehend auf intuitive Frage- und Antwortspiele in seichten Gewässern. Wo interessante Ansätze durchschimmern, begräbt der Autor sie schnell wieder unter oftmals süßlicher Sinnstiftung. Demgemäß sind Larsens Figuren durch und durch klischeehafte Archetypen - der Zweifler, der Sinnsucher, das große Kind. Der dänische Autor wurde, wie es im Buch heißt, vom Anthroposophen Rudolf Steiner sehr geschätzt, was nur mäßig überrascht. Beide teilen ein Menschenbild, das vor allen Dingen nach innerer »Wesenhaftigkeit« sucht - eine Vorstellung, die Steiner nicht ohne Folgerichtigkeit zu seinen rassistischen Theoriekonstrukten führte. So weit geht Larsen nicht. Dennoch bringen seine Ideen auch ihn zu mehr als fragwürdigen Schlüssen: etwa dann, wenn er »das große Kind« Holger Enke zum Vergewaltiger und Mörder werden lässt, nur um schließlich nahe zu legen, dass es die sexuelle Verkommenheit insbesondere des weiblichen Geschlechts ist, die zu solchen Grausamkeiten führt. Ganz allgemein lässt sich anmerken, dass Larsons Frauenbild weit hinter die relativ emanzipierten Standards seiner Zeit zurückfällt. Auch, wenn man all das außer Acht lässt und Der Stein der Weisen I als reinen Märchenroman liest, bleibt er zutiefst unbefriedigend. Larsens Sprache ist über weite Strecken überladen, andernorts stößt man dann auf seitenlange trockene Dialoge. Spannung kann schon allein deshalb kaum aufkommen, weil der Roman kaum etwas anderes tut, als seinen Figuren relativ ziellos durchs Leben zu folgen. Nur ein paar ironisch-amüsante Episoden zu Beginn entschädigen den Leser, wie etwa die Grabrede von Pastor Barnes auf ein allseits ungeliebtes Gemeindemitglied. Trotz seiner Romanform gehört Der Stein der Weisen I damit eher ins Esoterik-Regal und wird dort wohl auch dankbare Leser finden. Freunde anspruchsvoller Phantastik sind mit Larsens Werk dagegen schlecht bedient. Und der Rezensent hat für seinen Teil nicht vor herauszufinden, ob der zweite Band wider Erwarten vielleicht doch weniger Ermüdung und mehr Erleuchtung produziert. Jakob Schmidt ALIEN CONTACT |
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